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Hessische Kirchen : Warten auf Kommunion und Konfirmation

Auggeschoben: Auf die Erstkommunion mussten viele Kinder in diesem Frühjahr verzichten. Bild: Klein, Nora

Wegen der Corona-Pandemie sind im Frühjahr alle Feiern verschoben worden. Wann und wie es weitergeht, obliegt den Pfarreien.

          3 Min.

          Seit März sind wegen der Corona-Pandemie deutlich mehr als 1000 Konfirmations-, Kommunions- und Firmfeiern abgesagt und verschoben worden. Davon betroffen sind im Rhein-Main-Gebiet mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche. Das hat eine Umfrage dieser Zeitung bei den zwei evangelischen Landeskirchen und den drei katholischen Bistümern ergeben.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allein die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau schätzt, dass wegen der Infektionsgefahr durch das Virus bislang rund 1000 Feiern für etwa 14.000 Konfirmandinnen und Konfirmanden in den Gemeinden verschoben werden mussten. Die meisten Feiern sollen einem Sprecher zufolge „nach den Sommerferien und im Herbst nachgeholt“ werden. In einzelnen Gemeinden sei das schon mit einer alternativen Feier geschehen. Dort seien die Konfirmationen auf kleine Gruppen verteilt und im engsten Familienkreis begangen worden – unter Einhaltung der verbindlichen Sicherheitsvorschriften zu Abstand und Hygiene.

          In Egelsbach im Landkreis Offenbach ist jüngst eine große Konfirmationsfeier auf einem Fußballplatz mit entsprechendem Abstand begangen worden, wie der Sprecher berichtet. Erwogen worden seien auch „Liefer-Konfirmationen“, bei denen die Pfarrerin oder der Pfarrer an die Wohnung der zu Konfirmierenden komme und dort von der Straße oder dem Vorgarten aus eine Andacht halte. Eine einheitliche Regelung für Nachholtermine gebe es in der hessisch-nassauischen Kirche nicht. Die Gemeinden seien „in der Terminierung frei“. In der Konfirmation bekräftigen evangelische Christen im Alter von etwa 14 Jahren ihren Glauben.

          Auch in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck sind sämtliche Termine für Konfirmationen verschoben worden. Nachgeholt werden sollen sie von August bis November, wie Prälat Bernd Böttner mitteilte. In Einzelfällen fänden die Konfirmationen erst im Frühjahr 2021 statt, zusammen mit denen des nächsten Jahrgangs.

          Open-Air-Gottesdienst und Livestreams

          Wo die Feiern nachgeholt werden, wird das laut Böttner unter den geltenden Hygienestandards und in verschiedenen Formaten geschehen. So seien an einem Ort mehrere Gottesdienste mit kleineren Gruppen möglich, auch Open-Air-Gottesdienste kämen in Frage. Für Gäste, die wegen der Auflagen nicht dabei sein könnten, erschienen Übertragungen per Live-stream sinnvoll. Einheitliche Nachholtermine gebe es auch in der kurhessischen Kirche nicht. Die Termine würden von den Kirchenvorständen zusammen mit den Konfirmanden und deren Eltern festgelegt.

          Im Bistum Limburg seien seit März sämtliche Erstkommunionsfeiern verschoben worden, wie ein Sprecher sagte. Wie viele Feiern genau es gewesen seien, könne die Diözese nicht sagen. Außerdem seien 42 Firmungen abgesagt worden. Einige Pfarreien hätten die Erstkommunionen in kleinen Gruppen nachgeholt oder planten das für die Zeit nach den Sommerferien. „Alternativ können Kinder auch im kommenden Jahr an der Erstkommunionsfeier teilnehmen.“

          Termine für Firmungen werde es vor allem wieder in der zweiten Jahreshälfte geben, sagte der Bistumssprecher weiter. Abstands- und Hygieneregeln müssten eingehalten werden. Weil Firmungen nicht nur durch einen Bischof, sondern auch durch einen Pfarrer gespendet werden könnten, hätten solche Feiern mancherorts trotz Corona schon stattgefunden. Allerdings dürfe das Sakrament nur in kleinen Gruppen mit maximal zehn Firmlingen gespendet werden. Einheitliche Nachholtermine für Kommunion und Firmung gebe es im Bistum Limburg nicht. Die Pfarreien könnten eigenständig entscheiden.

          Feiern mit Abstands- und Hygieneregelungen

          Detaillierte Zahlen liegen auch dem Bistum Mainz nicht vor. Allerdings hätten im April rund um den Weißen Sonntag, der als beliebtester Tag für eine Erstkommunion gilt, nirgends Feiern stattfinden können, berichtet ein Sprecher. Als Anhaltspunkt für die Zahl betroffener Kinder nennt er die Zahlen von 2018. Damals gab es in der Diözese knapp 5200 Erstkommunionskinder. Außerdem habe es vor zwei Jahren gut 3700 Firmungen gegeben, die jedoch stets das ganze Jahr hindurch stattfänden. Die Dienstanweisungen verböten Firmungen derzeit noch. Daher beginne auch die Planung in den Gemeinden erst später. Ersatztermine für die Erstkommunion sollen dem Sprecher zufolge von den Pfarreien in Absprache mit den Eltern festgelegt werden.

          Es gebe drei Möglichkeiten. Entweder würden die Gruppen geteilt, wodurch die Feiern mit weniger Teilnehmern sowie den Abstands- und Hygieneregeln stattfänden. Das bedeute, dass bei einer Erstkommunion von zehn Kindern aus Platzgründen vielerorts nur die Eltern und Geschwister teilnehmen könnten. Eine zweite Möglichkeit sei es, die Erstkommunion für ein einzelnes Kind während eines normalen Sonntagsgottesdienstes zu feiern. Und drittens wünschten sich manche Familien, den Termin auf das nächste Jahr zu verschieben – „in der Hoffnung, dass dann wieder Gottesdienste ohne Einschränkungen oder eben mit geringeren Einschränkungen möglich sind“.

          Auch im Bistum Fulda wurden nach Auskunft eines Sprechers sämtliche Erstkommunionsfeiern wegen des Coronavirus verschoben. Die meisten würden erst nach den Sommerferien nachgeholt. Wegen des Mindestabstands und der Hygieneregeln könnten die Feiern „nicht groß und wegen des Gesangsverbots auch nicht ganz so feierlich begangen werden“. Die Höchstzahl an Gläubigen je Gottesdienst ergebe sich aus der Größe des Kirchenraums. „Das bedeutet, dass eine Pfarrei nicht beispielsweise über 20 Kinder auf einmal zur Erstkommunion führen kann, sondern dies auf zum Beispiel vier verschiedene Termine legen muss.“ Diese Termine müssten die Pfarreien selbst festlegen. Ähnlich sei es mit den Terminen für Firmungen. Festgelegt worden sei, dass der Firmspender eine Gesichtsmaske trage oder direkt vor der Firmung einen Corona-Test ablege.

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