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Öffnung der Friseursalons : Schluss mit dem Wildwuchs

Mit Maske und Desinfektionsmittel: Friseure dürfen Montag wieder öffnen. Bild: dpa

Hessische Friseure dürfen am Montag wieder öffnen, wenn sie Hygienestandards einhalten. An Vorschriften halten müssen sich allerdings auch die Kunden.

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          Die Farbe ist heraus, und aus der Haarpracht eher ein Haaralbtraum geworden – die vergangenen Lockdown-Wochen haben ihre Spuren auf den Köpfen der Hessen hinterlassen. In seiner Not hat der ein oder andere vor dem heimischen Badezimmerspiegel selbst zur Schere gegriffen, wobei das Ergebnis dann meist eher zu wünschen übrigließ.

          Doch von Montag an sollen Friseursalons in Hessen wieder öffnen dürfen. Um Kunden und Mitarbeiter vor einer möglichen Infektion zu schützen, hat die Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege einen für alle Betriebe verbindlichen Branchenstandard entwickelt, der die Regelungen zum Arbeitsschutz konkretisiert und ergänzt. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks heißt die Vorgaben gut. „Wir sind sicher, dass der neue Arbeitsschutzstandard sichere Friseurdienstleistungen in der Pandemie garantiert“, sagt Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Verbands.

          „Ohne diese Mindeststandards gibt es keine Öffnung im Friseurhandwerk“, bestätigt auch der Geschäftsführer des Landesinnungsverbands Friseurhandwerk Hessen, René Hain. Er sieht die Betriebe gut vorbereitet und geht von einer entspannten Wiedereröffnung aus.

          „In den letzten fünf Wochen ist ein Mega-Stau entstanden“, sagt Karin Kilian vom Salon Cut&Style in Kelkheim. In den nächsten Wochen sei alles ausgebucht, erst Ende Mai gebe es wieder freie Termine. „Es ist auf jeden Fall ein Run momentan“, bestätigt auch Isabell Markolf, Inhaberin der Grünen Welle in Hattersheim. Beide Salons haben genug Schutzausrüstung und sehen sich gut vorbereitet für die Wiedereröffnung.

          Mundschutz ist Pflicht

          Ein Grundsatz des neuen Branchenstandards lautet, dass Beschäftigte und Kunden während des Haarschnitts einen Mundschutz tragen müssen, da der Mindestabstand von anderthalb Metern nicht eingehalten werden kann. Doch die Friseure sind skeptisch. „Ich finde den Standard gut, aber es muss auch umsetzbar sein“, sagt Kilian. Gerade Schneiden oder Färben seien schwierig, wenn der Kunde einen Mundschutz trage. Bei der Arbeit mit den Masken müsse man improvisieren, stimmt auch ihre Kollegin in Hattersheim zu. Andere Vorschriften wie die Verwendung von Einmalhandschuhen während des Haarewaschens oder auch die Desinfektion von Geräten zwischen den Kunden gehörten dagegen nicht erst seit Corona zum Hygienestandard in ihrem Salon, erklärt die Friseurmeisterin.

          Die Kunden müssen wegen des Branchenstandards bis auf weiteres auf die Tasse Kaffee während der Dauerwelle verzichten: Bewirtung und die Auslage von Zeitschriften sind den Salons nicht gestattet. Auch sogenannte gesichtsnahe Angebote wie Wimperfärben, Rasieren und Bartpflege sind ebenso verboten wie das selbständige Haareföhnen durch den Kunden.

          Keine „Walk-in“ Kunden

          Um Menschenansammlungen im Salon zu vermeiden und den Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern auch zwischen den Kunden zu gewährleisten, dürfen vom 4.Mai an nur noch Personen mit vorab vereinbarten Terminen bedient werden. Für Betriebe, die bisher nach dem „Walk-in“-Prinzip ohne vorherige Terminvergabe gearbeitet hätten, sei der Branchenstandard eine gewaltige Umstellung, sagt René Hain. Um den Kunden die Bewegung im Geschäft zu vereinfachen, sollen einzelne Bewegungsräume durch Markierungen und Absperrungen gekennzeichnet werden. Weiterhin sollen die Friseure jedem Gast zuerst die Haare waschen, damit mögliche Viren abgetötet würden.

          „Eigentlich müsste man die Preise anheben, weil nur noch 50 Prozent der Kapazität genutzt werden dürfen“, gibt Marc Hengst zu bedenken. Um die Kunden nicht zu verärgern, werde man aber darauf verzichten. Gemeinsam mit seiner Frau führt Hengst das Haar Atelier in Karben. Er hofft darauf, dass in den nächsten Monaten Trennwände zwischen den Kunden es den Friseursalons ermöglichen, wieder mehr Menschen gleichzeitig zu bedienen. Ansonsten sei es gerade für kleine Salons nur schwer möglich, die Umsatzausfälle zu kompensieren.

          Der zeitliche Mehraufwand und die zusätzlichen Kosten für Schutzausrüstung werden nach Ansicht des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks zu einem moderaten Preisanstieg führen. Der Verband Deutscher Friseurunternehmen rechnet mit durchschnittlich ein bis zwei Euro Mehrkosten je Friseurbesuch. „Es wird wahrscheinlich einen Hygiene-Aufschlag geben“, heißt es im Haar Atelier in Karben. „Ich überlege, 1,50 Euro aufzuschlagen, bin mir aber noch nicht sicher“, sagt auch Isabell Markolf von der Grünen Welle. Doch zunächst wolle sie abwarten, was in den ersten Wochen auf sie zukomme.

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