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Forstwirtschaft : „Am Ende zahlen alle drauf“

Schneidig: ein Holzfäller bei der Arbeit Bild: Wonge Bergmann

Forstämter sollen kein Holz aus kommunalem Wald mehr verkaufen. Damit will das Kartellamt für mehr Konkurrenz sorgen. Doch das stellt alle Beteiligten vor beträchtliche Probleme.

          Der Landesbetrieb Hessen-Forst und damit auch die Forstämter des Landesbetriebs wie das in Hanau sollen künftig kein Holz mehr aus kommunalem Besitz verkaufen dürfen. Die Kartellwächter wollen damit für mehr Wettbewerb auf dem Holzmarkt sorgen, doch für die Betroffenen bedeutet das eine gewaltige Umstellung. Immerhin betreut Hessen-Forst einen Großteil der Wälder in Hessen, einem der waldreichsten Bundesländer Deutschlands. Außer dem Staatswald zählen die kommunalen Forste und zu einem kleineren Teil Wälder in privatem Besitz dazu. Für alle drei übernimmt der Landesbetrieb nicht nur die tägliche Betreuung, sondern vermarktet auch das Holz, das im Wald geerntet wird.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Im Forstamt Hanau-Wolfgang handelt es sich um 14000 Hektar Wald in der Bulau bei Hanau, im Spessart und im Vogelsberg. Das Forstamt betreut in neun Revieren gut 70Prozent Kommunalwald von 18Städten und Gemeinden, 27Prozent Staatswald und etwas Privatwald wie den von Ikea in Hanau. Jährlich werden rund 75000 Kubikmeter Holz geschlagen, 40000 davon in kommunalen Wäldern, womit zwei Millionen Euro Umsatz erzielt wird. Zumindest, was den Verkauf der kommunalen Bäume angeht, ist das Forstamt-Wolfgang demnächst aus dem Spiel, während die Kommunen künftig sehen müssen, wie sie ihr Holz in eigener Regie auf den Markt bringen. Wie das geschehen wird, steht laut Forstamtsleiter Christian Schaefer noch nicht fest.

          Schwierige Marktposition

          Er nimmt an, dass sich einige Gemeinden zusammenschließen und Holzverkaufsorganisationen bilden werden. Dabei dürfte ihre Marktposition wegen der relativ kleinen Mengen eher schwierig sein. Auf Vernetzung und Konditionen, die der Landesbetrieb aufgebaut hat, dürfen sie nach dem Willen des Kartellamts nicht mehr zurückgreifen. Denkbar sei auch der Einsatz von privaten Dienstleistern, sagt Schaefer. Derzeit erarbeite das Umweltministerium ein Konzept zur kartellrechtlich einwandfreien Vermarktung des Holzes, das wahrscheinlich zum Jahresende dem Kartellamt vorgelegt werde.

          Wann die Vorschrift greift, ist laut Schaefer noch unklar. Den Kommunen werde drei bis vier Jahre Zeit zur Umstellung gegeben, doch die Unruhe sei schon deutlich zu spüren, denn am Ende „zahlten wahrscheinlich alle drauf“. Schmälern würden sich die Gewinne der Kommunen nicht nur durch schlechtere Konditionen, sondern auch durch den höheren Personaleinsatz. Im Forstamt seien hingegen nur kleinere Änderungen nötig, der Verkauf des staatlichen und privaten Holzes gehe ja weiter. Außerdem erlaubt das Kartellamt dem Landesbetrieb weiterhin die Organisation des Holzverkaufs von Besitzern mit einer Waldfläche von weniger als 100Hektar. Das betrifft im Forstamtsgebiet Wolfgang aber nur Großkrotzenburg und Niederdorfelden.

          „Wir sorgen für stabile Verhältnisse im Wald“

          Für den Landesbetrieb fällt künftig zwar die Provision beim Verkauf des Kommunalholzes weg. Doch kein Waldbesitzer müsse sich sorgen, dass Hessen-Forst in seinen sonstigen Leistungen nachlasse, versichert Schaefer: „Wir sorgen für stabile Verhältnisse im Wald und bieten unseren Kunden weiterhin ein Rundum-sorglos-Paket von der Waldpflege bis zur Holzernte an.“ So werde das geschlagene Holz des Kommunalwalds fachmännisch für den Verkauf vorbereitet und zum Treffpunkt mit dem Käufer transportiert. Nur dafür, was danach komme, sei das Forstamt nicht mehr zuständig. Das sei schade, sei der Holzverkauf doch eine Kernkompetenz des Landesbetriebs. „Wir sind da richtig stark“, sagt der Forstamtsleiter.

          Einen Teil seiner Dienstleistungen bietet Hessen-Forst unentgeltlich. Dazu gehören Beratung, Sicherung der Wege, Angebote der Waldpädagogik und Schädlingsüberwachung. Für das Pflanzen neuer Bäume über deren Schutz bis zur Holzernte wird ein Betreuungsgeld gefordert. Das liegt aktuell bei knapp 14Euro pro Hektar Wald im Jahr. Je Festmeter Holz bei der Ernte sind zudem 3,50Euro zu zahlen. Künftig werden die Nutzer der Dienstleistungen tiefer in die Tasche greifen müssen. Laut einem Erlass steigen die Kosten bis 2025 um jährlich 4,2Prozent. Damit will das Land sicherstellen, dass die Leistungen des Landesbetriebs möglichst kostendeckend vergütet werden. Das ist laut Schaefer in seinem Revier 2016 nicht gelungen, da die Kostensätze zu niedrig waren. Die Anhebung empfindet er als moderat, zumal in den Berechnungen noch die Kostenerstattung aus dem Verkauf des kommunalen Holzes enthalten sei. Die falle später weg.

          Hätte das Kartellamt mit dem Verkaufsverbot nicht „dazwischen gegrätscht“, wäre die Kostendeckung bis 2025 zu schaffen gewesen, meint der Forstamtsleiter. Jetzt müsse neu gerechnet werden. Eine Konsequenz der drohenden Veränderungen könnte ein Abwenden der Gemeinden von Hessen-Forst sein. Bestrebungen dafür sieht Schaefer in seinem Zuständigkeitsgebiet bisher kaum. Er ist optimistisch, dass die von Hessen-Forst gebotene Qualität weiter überzeugt, zumal der Aufbau eigener kommunaler Strukturen teuer und kompliziert sei.

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