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Bisher auf Tönnies angewiesen : Hessische Bauern fordern Schlachthof im Land

Wohin mit dem Schwein? In Hessen gibt es laut Bauernverband nicht genug Schlachthöfe. Bild: Marcus Kaufhold

In Hessen gibt es nicht genug Schlachthöfe – auch die regionalen Schweinezüchter sind auf die Schlachtbetriebe von Tönnies angewiesen. Das wird jetzt besonders zu einem Problem.

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          Noch gibt es beim Hessischen Bauernverband keine Fälle von Schweinemästern, die nicht wissen, wohin mit ihren schlachtreifen Tieren. Verbandssprecher Bernd Weber hat bisher nur von einem nordhessischen Bauern gehört, dessen Tiere in Rheda-Wiedenbrück nicht hätten abgeladen werden können. Der Lastwagen des Viehhändlers, der für die Mäster den Transport übernimmt, habe die Tiere aber zu einem anderen Schlachthof der Tönnies-Gruppe bringen können.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dennoch bereitet die Schließung der nordrhein-westfälischen Schlachthöfe auch den Hessen Sorgen. Wenn sie länger als ein bis zwei Wochen dauere, dann könnte es für hiesige Mastbetriebe schwierig werden. Denn in Hessen gibt es laut Verband kaum noch nennenswerte Schlachtkapazitäten. Die nun zutage getretenen Zustände in den Betrieben seien zwar nicht hinzunehmen, „das hätte man schon vor Jahren aufdecken müssen“, sagt Weber, doch den Bauern fehlten Alternativen.

          Seit der Frankfurter Schlachthof geschlossen wurde, müssen die Schweine aus Hessen in andere Bundesländer gebracht werden. Der Schlacht- und Viehhof am Deutschherrnufer war einst einer der größten Deutschlands. 1993 wurde er endgültig geschlossen. Begründet wurde das seinerzeit auch damit, dass zu viele Tiere aus anderen Bundesländern geschlachtet worden seien, was zu lange Transportwege bedeutet hätte. In den achtziger Jahren seien beispielsweise mehr als zehn Prozent der Schweine aus Bayern gekommen, heißt es beim Frankfurter Stadtarchiv.

          Auf Schlachthöfe von außerhalb angewiesen

          Für den heutigen Mangel an Schlachthöfen machen Metzger und Bauern vor allem die nationale und die europäische Politik verantwortlich. Ihre Auflagen sorgten dafür, dass nur Großbetriebe wirtschaftlich arbeiten könnten.

          Nach Angaben des Bauernverbands wurden 1975 noch mehr als 1,6 Millionen Schweine in Hessen geschlachtet, 2019 waren es 370.000. Nur im Schwalm-Eder-Kreis gibt es laut Weber einen größeren Regionalschlachthof. Ansonsten gebe es im Land nur kleinere Betriebe, der eine oder andere Fleischer schlachte selbst. Die anderen sind auf Schlachthöfe angewiesen. Metzgermeister Thomas Reichert aus Höchst, der mit einem Betrieb in Bad Camberg zusammenarbeitet, fordert darum, die Politik solle sich dafür einsetzen, wieder Schlachthöfe vor Ort einzurichten. „Die jetzige Situation ist total unbefriedigend“, sagt Weber.

          Sie sei ein Grund, warum es in Südhessen kaum noch Mastbetriebe gebe. Im Mai 2019 wurden in Hessen in 800 Betrieben etwas mehr als 500.000 Schweine gehalten. Das entspreche knapp zwei Prozent der Schweine in Deutschland. Damit sei in den vergangenen Jahren der Bestand um etwa ein Drittel zurückgegangen. 2008 habe es noch 728.000 Schweine in hessischen Betrieben gegeben. „Kosten, Kosten, Kosten“, verursacht durch strengere Anforderungen für die Tierhaltung, macht Weber für den Ausstieg vieler Bauern verantwortlich. Dazu zählt er beispielsweise die Diskussion um den Kastenstand für die Zuchtsauen und die betäubungslose Ferkelkastration. „Das trifft alles den Schweinebereich und verursacht zusätzliche Kosten.“

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