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Lehrerin aus Hessen dabei : Die Welt sucht den Superlehrer

Unter den Top 50: Mareike Hachemer nimmt an einem Lehrerwettbewerb teil. Bild: Cornelia Sick

In einem Wettbewerb, der einer amerikanischen Castingshow gleicht, wird der beste Lehrer gesucht. Mareike Hachemer aus Groß-Gerau ist mittendrin.

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          Ihr ist das alles ein wenig suspekt. Wie man laut verkünden könne, dass jemand einen besseren Unterricht hält als der andere. Selbst für alle Lehrer in Hessen eine Auswahl zu treffen, erscheint Mareike Hachemer unmöglich. Und doch steht die Deutsch- und Englischlehrerin der Beruflichen Schule in Groß-Gerau auf genau so einer Liste, bei der 1300 Lehrkräfte aus der ganzen Welt nach bestimmten Kriterien verglichen wurden.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Einunddreißigjährige gehört zu den fünfzig besten Bewerbern des „Global Teacher Prize“, den eine amerikanische Stiftung mit einem Preisgeld von einer Million Dollar für den Gewinner ausgelobt hat. In einer Art Casting mussten die Lehrer nominiert werden, was bei Hachemer ihr Freund übernahm, woraufhin sich 1300 Lehrer aus der ganzen Welt mit einem ausführlichen Lebenslauf und Informationen über ihr soziales Engagement bewarben. Auf Basis dessen wurde die Liste der 50 Finalisten ermittelt. Wie in einem amerikanischen Talentwettbewerb, werden in einer zweiten Runde noch einmal zehn Lehrer ausgewählt, bis im März bei einer großen Show in Dubai der Gewinner bekanntgegeben wird.

          Freundin riet ihr zum Lehrerberuf

          Obwohl Hachemer der Ansicht ist, dass Lehrern auch gern einmal gesagt werden könne, dass sie einen guten Job machen, hat sie ein wenig Angst davor, durch ihre Teilnahme an dem Wettbewerb etwas auszulösen, was ihr nicht gefällt; dass zum Beispiel die anderen guten Lehrer in ihrem Umfeld dadurch nicht wahrgenommen würden, von deren Lernmethoden sie minutenlang schwärmen kann. Von einer Kollegin in Groß-Gerau beispielsweise, die mit einer Herzlichkeit unterrichtet, dass es ihr die Schüler danach danken. Oder von einer anderen Kollegin, die mit den Schülern die englischen Texte besonders intensiv liest und damit sehr gute Ergebnisse erzielt.

          Doch nicht diese stehen nun einmal auf der Liste, sondern Mareike Hachemer. Schon in der Schulzeit attestierte ihr eine Freundin, gut erklären zu können. Ein Lehramtsstudium schien ihr nach dem Abitur aber zu naheliegend. Schlussendlich überzeugte die Freundin sie aber doch. „Das war eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereue“, sagt Hachemer, die so wirkt, als versuche sie nicht nur dem Wettbewerb, sondern jeder Situation das Positive abzugewinnen.

          Eine andere Art zu unterrichten

          Das Deutsch- und Englischstudium in Mainz gefiel ihr auf Anhieb. Der Standort, die Möglichkeiten für die Theaterliebhaberin, in einem eigenen Ensemble zu spielen, und die Pädagogikkurse machten ihr großen Spaß. Auslandsaufenthalte in England und Neuseeland förderten ihren Wunsch, als Lehrerin zu arbeiten. Nebenher leitete sie Theaterprojekte, was bis heute zu ihrem außerschulischen Engagement gehört.

          Nur drei Tage nach ihrer Rückkehr aus Neuseeland begann das Referendariat in Rüsselsheim. Wieder hatte sie Glück mit engagierten Kollegen, die über den Unterricht hinaus Lesenächte und Basare veranstalteten und viel Zeit in den Beruf steckten. Schnell merkte sie, dass ein sich Jahr für Jahr wiederholender Unterricht nicht den Lerntypen, die in verschiedenen Klassen vorherrschen, entspricht.

          Lehrerberuf verdient mehr Ansehen

          So versuchte sie mit den Schülern ihres ersten Englisch-Leistungskurses an der Schule in Groß-Gerau, an der sie nach dem Referendariat landete, Rollenspiele anzuleiten. Sie merkte aber sofort, dass das keinen Anklang fand. Also lernte sie mit ihnen auf eine kognitivere Weise, teilte Fachtexte aus und diskutierte darüber mit den Schülern. Als sie mit einem anderen Englisch-Leistungskurs im darauffolgenden Jahr wieder auf die kognitive Weise verfahren wollte, waren die Schüler bald sehr unzufrieden. Daher machte sie mit dieser Klasse für den Rest des Schuljahres vor allem Rollenspiele, Interviews und Podiumsdiskussionen.

          Dieser flexible Unterricht, der auf die verschiedenen Lerntypen in einer Klasse eingeht, klappe aber nur wegen Hachemers ständigen Beschäftigung mit dem Lehrberuf. Schon beim Nachhausefahren von der Schule denke sie darüber nach, wie sie die kommende Stunde am besten angehen könne. Auch die Sommerferien nutze sie nicht für wochenlange Urlaubsfahrten. Romane, manchmal sieben gleichzeitig, müssten gelesen und Unterrichtsreihen erstellt werden. In der letzten Woche vor Ende der Sommerferien verfluche sie sich dann dafür, was sie alles nicht geschafft habe.

          Dass dies sie nicht vor allen anderen Lehrern auszeichne, weiß die 31 Jahre alte Lehrerin. Die Herausforderungen des Berufs werden ihrer Ansicht nach nicht immer ausreichend gewürdigt. Ob ein Wettbewerb nun der richtige Weg ist, auf die Schwierigkeit des Berufes hinzuweisen, wisse sie aber nicht. Vor allem ein Wettbewerb, bei dem am Ende nur ein einziger Lehrer gewinnt und auf ein Podium gestellt wird.

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