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Hessentag : Typisch Kassel

  • -Aktualisiert am

Peter Maffay und andere Sangeskünstler erwiesen sich auf dem Hessentag als Besuchermagneten. Bild: dpa

Der Hessentag in Kassel lief von Rekord zu Rekord. Nach dem Abschluss heute dürften mehr als 1,5 Millionen das Landesfest gefeiert haben. Der Erfolg hat einige Gründe.

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          Pünktlich zur Eröffnung am 14. Juni riss der Himmel auf, und es begann - meteorologisch - ein Sommermärchen, woraufhin Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) flugs Petrus zu einem „Kasseläner“ erklärte. Die Stadt hatte die Ausrichtung des Hessentages erst eineinhalb Jahre zuvor übernommen, nachdem Vellmar zurückgezogen hatte. Andere Städte planen über Jahre. Umso bemerkenswerter ist es, dass Kassel in kurzer Zeit offenbar alles richtig gemacht hat. Das Großereignis hat den Alltag der Großstadt mit knapp 200.000 Einwohnern kaum berührt. Der Straßenverkehr floss sogar besser als sonst. Weit mehr als die erwarteten 40 Prozent der Hessentagsbesucher reisten mit öffentlichen Verkehrsmitteln an und ab.

          Nach 1970, als Wiesbaden den Hessentag ausrichtete, war es wieder das erste Landesfest in einer Großstadt. Damals feierten die Hessen nur drei Tage, diesmal waren es zehn. Während eine Kleinstadt meist unmittelbar vor den Toren ein Feld oder einen Festplatz für die Landesausstellung und die Konzerte findet, galt es in Kassel, sich in die vorhandene Struktur einfügen. In der Innenstadt wurden die „Hessentagsstraße“ und kleinere Bühnen aufgebaut, in der Karlsaue kamen das Polizeibistro, ein Teil der Bundeswehr und ein Weindorf unter, das Auestadion war der Platz für die großen Konzerte. Die Landesausstellung wurde an den Bugaseen und in den Messehallen angesiedelt und damit auf eine Länge von etwa vier Kilometern gestreckt. Das führte sogar zu „Streiks“ einzelner Händler, die ein schleppendes Geschäft beklagten.

          Hessen feierte ein großstädtisches Fest

          Aber die Landesregierung zählte in der Landesausstellung die gewohnte Zahl an Besuchern, und die zufriedenen Händler blieben still. Das ist eben auch typisch Kassel. Die Bürger der zunächst calvinistischen und später preußischen Stadt sind präzise und erfolgreich im Planen und in der Abwicklung eines Projektes. Diesmal galt mehr denn je die Qualität. Wenn die Besucher der Hessentagsstraße eben nicht unmittelbar in die benachbarte Landesausstellung geschleust werden, dann zählt das Angebot, das die Interessenten lockt, umso mehr. Den Landfrauen gelang es zum Beispiel, mit einem überzeugenden Programm schon um 10 Uhr morgens bei gefühlten 40 Grad, wie es Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte, eine Halle mit bis zu 4000 Frauen zu füllen.

          Das Programm des Hessentags war durchaus großstädtisch. Unter dem Titel „Hessen schafft Wissen“ präsentierten sich zehn Tage lang Wissenschaftler aus dem ganzen Land mit herausragenden Projekten. Die Klimameile lenkte den Blick auf Elektromobilität, Energieeffizienz und regenerative Energien. Das Versprechen des Oberbürgermeisters, ein großstädtisches Fest zu feiern, auf dem die Kasseler zeigen werden, dass Menschen aus 130 Nationen gut in einer Stadt zusammenleben können, hat sich erfüllt.

          Die Polizei registrierte nicht mehr Zwischenfälle als an anderen Tagen, es gab keine Pöbeleien oder Raufereien. Das Beschwerdetelefon läutete seltener als erwartet. Nur neben dem Auestadion gab es Klagen, wie Thorsten Schulte aus der Staatskanzlei berichtete. Open-Air-Zuhörer, die vor dem Stadion Picknick machten, um das Konzert zu genießen, ohne den Eintrittspreis zu entrichten, verlangten nach mehr Sound. Denn die Akustik im Stadion, lobte Schulte, sei einzigartig gut, so dass vom Schall nur wenig nach außen dringe.

          1500 immer freundliche, ehrenamtliche Helfer

          Mit der Arena hat sich Kassel als Konzertstadt profiliert. Schon vor Beginn des Hessentags waren 170.000 Karten verkauft. Den Auftakt machte Helene Fischer, den Abschluss bestritten Die Ärzte. Dazwischen kamen die Toten Hosen, Peter Maffay, Philipp Poisel und andere, während im Kongress Palais das Rilke-Projekt - nach Einschätzung seiner Besucher - „anspruchsvoll und leise“ gelang.

          Und „immer freundlich“ waren nach dem Eindruck der Besucher die 1500 ehrenamtlichen Helfer, die selbst bei 36 Grad stets geduldig Auskunft gaben. Diese Kasseler in den orangefarbenen Hemden, die sich sogar eigens Urlaub genommen hatten, um Fremde als Freunde zu empfangen, waren die besten Botschafter einer Stadt, die gezeigt hat, was sie kann.

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