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Hessentag in Wetzlar : Von guten Stuten und feinen Schweinen

  • -Aktualisiert am

Pferde in Formation: Die Tierschau auf dem Hessentag. Bild: Schmitt, Felix

Tiere zum Anschauen und Anfassen gehören zum Hessentag. Auch wenn das Vieh nicht immer sonderlich graziös ist.

          Es ist ganz schön matschig. Der ständige Regen hat den Boden aufgeweicht, überall schmatzen Schuhsohlen durch die glitschige Erde. Das „Natur auf der Spur“-Gelände auf dem Hessentag ist eine rutschige Angelegenheit. Das dicke Schwein mit den schwarz-weißen Flecken fühlt sich in der Pampe seines Unterstands freilich sauwohl.

          Gemeinsam mit ihren neun aktiven Ferkelchen, die durch das Gehege wuseln, gräbt sich die dreckverkrustete Mutter in den herrlich weichen Boden des Schweinestalls. Sie hat ihre Schnauze tief in den Schlamm gedrückt und wühlt kräftig im Dreck. Dann wirft sie in hohem Bogen spritzende Schlammbomben in alle Richtungen. „Iiiiiiieh!“ kreischt ein kleines Mädchen. Mutter Sau kümmert das reichlich wenig. Sie ist ein Schwäbisch-Hällisches Schwein, steht auf dem Schild am Zaun, ein Rasse, die vor allem in Baden-Württemberg gezüchtet wird und deren Vertreter bis zu 280 Kilogramm wiegen. „Ziemlich ordentlich“, findet der Familienvater, der am Zaun lehnt und die Kamera zückt. Er muss das Gewicht meinen, denn kurz darauf ruft auch er „Iiiieh!“, als eine zweite Ladung Matsch in seine Richtung fliegt.

          Kein Glanz auf der Reitkoppel

          Im Nachbargehege grasen zwei Galloway-Rinder. Ein kleiner Junge lehnt erwartungsvoll am Zaun, starrt wie hypnotisiert auf die stummen, stoischen Vierbeiner und wartet. Nichts passiert. „Ist das eine Kuh?“, fragt er. Die umstehenden Erwachsenen sind sich nicht so sicher. Auch, was die Rasse betrifft. Haben die Rinder von den schottischen Hochebenen nicht eigentlich ein langes, zotteliges Fell? Muss wohl der Sommerhaarschnitt sein.

          Weitaus agiler sind die Pferde des Reit- und Fahrvereins Wetzlar. Während der Titel der Show „Pferd und Mensch im Tanz - getragen von Live-Musik“ eine gewisse Anmut verspricht, macht die Reitkoppel, auf der das Spektakel vorgeführt wird, jeden Versuch von Grazie zunichte. Die knapp 50 Pferde, die an diesem Tag mit gestriegelten Mähnen in Formation laufen, versinken huftief im Schlamm. Noch weniger elegant kommen allerdings die Cowgirls rüber, die auf fünf braunen Hengsten auf Männerjagd gehen. Besser gesagt auf „Mann-Jagd“, denn auf der Koppel ist nur einer, der in verschlammten Gummistiefeln versucht, vor einem unsichtbaren Lasso über die klitschnasse Koppel zu fliehen. Die Pferde sind brav, sie galoppieren recht halbherzig hinter dem Mann her und scheinen das Spiel ziemlich albern zu finden.

          Ein grauer Hengst wiehert einmal protestierend auf, als erst eine, dann zwei und schließlich drei voltigierende Jugendliche auf seinem Rücken akrobatische Übungen vollbringen. Doch das Pferd fügt sich seinem Schicksal und galoppiert schwer beladen durch die braune Pampe. Dann betritt eine Reiterin in roter Dressur die Arena. Ihrem Pferd scheint der Matsch nichts auszumachen: Die Dame hat es passend eingekleidet. Stute Awayona trägt Fußüberzüge und eine rote Maske über Augen und Ohren, die an den Superhelden Batman erinnert. Awayona ist eine gute Stute und springt grazil über jedes Hindernis. Das Publikum applaudiert - wenigstens die Stute liefert an diesem dreckigen Tag eine saubere Show.

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