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Hessentag in Rüsselsheim : Liegestuhldiebe geraten an die Falschen

Begrüßung: Am Vormittag besuchten Bundespräsident Steinmeier und Gattin Elke Büdenbender die Kindertagesstätte „Schatzkiste“ in Darmstadt, am Nachmittag weilen sie auf dem Hessentag Bild: dpa

Von friedlichen Besuchern und einem unbeschwerten Hessentag spricht die Polizei. Heute wird hoher Besuch erwartet: Bundespräsident Steinmeier kommt zum Reden und Fußball Schauen.

          Das Polizisten-Duo, das mit zwei Segways auf der gut zwei Kilometer langen Hessentagsstraße ständig Patrouille fährt, hat einen doppelten Auftrag zu erfüllen: Zum einen sollen die Beamten für die Sicherheit sorgen. Zum anderen machen sie mit ihren Einsatz auf dem immer noch viele Blicke anziehenden, elektrisch angetriebenen Ein-Personen-Freizeitmobil eben auch ein bisschen Eigenwerbung für die Ordnungskräfte. So wie ihre 860 jungen Kollegen, die am Sonntag im Stadion am Sommerdamm in Rüsselsheim vereidigt wurden.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          „Als Garanten für Sicherheit und Hüter des Gemeinwesens“ brauche die demokratische Gesellschaft mehr denn je motivierte und gut ausgebildete Polizeibeamte, sagte Innenminister Peter Beuth, der es sich nicht nehmen ließ, die Neuen gemeinsam mit Ministerpräsident Volker Bouffier (beide CDU) persönlich zu begrüßen. Schließlich handelte es sich laut Ministerium „um den größten Anwärterjahrgang aller Zeiten“: überwiegend Männer, zu fast einem Drittel aber auch Frauen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren, einige von ihnen „mit Migrationshintergrund“, andere mit doppelter Staatsbürgerschaft.

          860 Kommissaranwärter

          Fast 30 Prozent der auf dem Hessentag Vereidigten stammen laut Statistik aus anderen Bundesländern, vor allem aus dem benachbarten Rheinland-Pfalz. Er sei sich sicher, dass die 860 Kommissaranwärter, die in diesem und im vergangenen Jahr eingestellt wurden, das von der Landesregierung und den Bürgern in sie gesetzte Vertrauen in Zukunft rechtfertigen würden, sagte Bouffier.

          Was von ihnen später verlangt werden könnte, je nachdem, welcher Einheit oder Abteilung sie einmal angehören werden, wurde den Nachwuchskräften dann beim „Tag der Polizei“ vor Augen geführt. Dabei kamen zum Beispiel Such- und Spürhunde zum Einsatz, bisweilen wurde gar mit Übungsmunition geschossen, und selbstverständlich durfte bei dieser Gelegenheit auch das spektakuläre Abseilen eines mit dem Hubschrauber eingeflogenen Spezialeinsatzkommandos nicht fehlen.

          Derweil sprachen jene Kollegen, die am ersten Hessentags-Wochenende auf Straßen und Plätzen tatsächlich Dienst hatten, von einer zwar gut besuchten, aber insgesamt friedlichen und unbeschwerten Großveranstaltung mit wenigen Streitigkeiten und Körperverletzungen, bei denen meist Alkohol im Spiel gewesen war, mit Beschädigungen und dem dreisten Versuch, ausgerechnet am Stand der Bundespolizei zwei Liegestühle zu entwenden. Weil sich die erwischten Diebe bei der Festnahme wehrten, sind nach Angaben des Polizeipräsidiums Südhessen letztlich nicht nur Platzverweise ausgesprochen, sondern darüber hinaus Anzeigen wegen versuchten Liegestuhlklaus und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geschrieben worden.

          Rucksäcke von Besuchern kontrolliert

          Alles in allem dürften beim auffällig gut gesicherten Bürgerfest, zu dem an zehn Tagen rund eine Million Besucher erwartet werden, schätzungsweise rund 2500 Polizisten, Mitarbeiter von Sanitätsdiensten und Feuerwehren sowie weitere Helfer eingebunden sein. An den Zufahrtsstraßen wurden Betonblöcke als zusätzliche Sperren aufgestellt. Zudem werden laut Polizei zumindest stichprobenartig Taschen und Rücksäcke von Besuchern kontrolliert. Bei den großen Konzerten, etwa in der Hessentagsarena, sind solcherlei Mitbringsel nach Angaben der Stadt ohnehin nicht erlaubt.

          Heute, wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Hessentag vorbeischaut (siehe Kasten), werden wohl noch einige Sicherheitskräfte mehr im Einsatz sein. Gegen 14.45 Uhr will das Staatsoberhaupt als Gast der Kommunalkonferenz eine Ansprache vor Bürgermeistern, Oberbürgermeistern und Landräten aus Hessen halten. Anschließend steht eine Visite bei dem für vorbildliche Integrationsarbeit zu lobenden TV 1890 Rüsselsheim-Haßloch auf dem Programm, ehe Steinmeier nach dem Fußballspiel mit Flüchtlingen den Rückflug nach Berlin antritt.

          Steinmeier lobt Kommunalpolitik

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die Bedeutung der Kommunalpolitik unterstrichen. „Wo erlernen wir Demokratie, wenn nicht zu Hause in Städten, Dörfern und Gemeinden?“, sagte das Staatsoberhaupt vor der Kommunalkonferenz auf dem Hessentag in Rüsselsheim. „Die Kommunen sind der Heimathafen unserer Demokratie.“ Das vermeintlich Kleine sei eigentlich etwas Großes. An der Kommunalkonferenz nahmen hessische Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte teil.

          Der Hessentag war am Freitag eröffnet worden. Das zehntägige Landesfest dauert bis zu diesem Sonntag (18. Juni). Mit rund 1500 Veranstaltungen ist der jährlich stattfindende Hessentag der bisher größte.

          Vor dem Besuch in Rüsselsheim hatte sich Steinmeier am zweiten Tag seines offiziellen Antrittsbesuchs in Hessen über das Hospiz Bergstraße informiert. Dort werden schwer kranke und sterbende Menschen betreut. Dann statteten er und seine Frau Elke Büdenbender einer evangelischen Kindertagesstätte in Darmstadt einen Besuch ab. Dort wurde mit etwa 90 Kindern eine gemeinsame Andacht gehalten. (dpa)

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