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Hessens Weg aus Corona-Krise : „Notfallbetrieb“ für Schulen

Leere Klassenräume während der Corona-Krise: Die langsame Rückkehr zum Präsenzunterricht Bild: dpa

Hessens Kultusminister Lorz nennt einen Zeitplan für eine Wiederaufnahme des Präsenzunterricht. Die Linke und Gewerkschaften sorgen sich, dass manche Schüler dabei auf der Strecke bleiben.

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          „Wir bringen das Paket am 27. April an den Start.“ Mit diesen Worten hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag die Rückkehr zum Präsenzunterricht für die Abschlussklassen der allgemeinbildenden und der beruflichen Schulen angekündigt. Hinzu kommen die Vorabiturklassen der Gymnasien, aber auch die vierten Klassen der Grundschulen. Diese spielten eine besondere Rolle, weil die Kinder im Sommer auf eine weiterführende Schule wechseln müssen, wie Lorz sagte.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Das Ziel ist sportlich“, fügte der Minister hinzu. Aber es bleibe noch Zeit, um alles vorzubereiten. Weil es um einen „Notfallbetrieb“ gehe, werde nicht jeder Schüler in jedem Fall den vertrauten Lehrer wiedersehen. Die Richtgröße für die Klassen liege zwischen zehn und 15 Schülern je Raum. Dies könne in den unteren Jahrgängen dazu führen, dass die Klassen aufgeteilt werden müssten.

          Am 27. April kehren rund 230.000 von mehr als 800.000 Schülern in den Präsenzunterricht zurück. Lorz äußerte die Hoffnung, dass dem ersten Schritt weitere folgen. Ob dies möglich sei, werde Ende April entschieden. Der frühestmögliche Termin für weitere Änderungen sei also der 11. Mai. Die zentralen Abschlussprüfungen für Haupt- und Realschulen sollen nach dem Plan des Kultusministers vom 25. bis zum 29. Mai stattfinden. Hingegen regte die SPD-Vorsitzende Nancy Faeser an, in diesem Schuljahr ausnahmsweise auf die Prüfungen zu verzichten.

          Die Linke geht noch weiter. Wegen der besonderen Umstände sollten alle Schüler in die nächste Klassenstufe versetzt werden, meinen die Vorsitzenden von Partei und Fraktion, Jan Schalauske und Janine Wissler. „Ein ,Sitzenbleiben‘ darf es in diesem Jahr nicht geben.“ Die Öffnung der Schulen für die letzte Grundschul- und Abschlussklassen funktioniere nur unter bestimmten Bedingungen, meint die Linke. Im Interesse von Schülern und Lehrern müsse jede Schule einen Hygieneplan erarbeiten und genügend Hygiene- und Schutzartikel bekommen. Der Stoff, der zu Hause erarbeitet werden sollte, müsse in vollem Umfang nachbereitet werden. Ansonsten könne er kein Bestandteil der Abschlussprüfungen sein. René Rock, der Fraktionsvorsitzende der FDP, sprach sich für ein „Hybrid-Modell“ aus, das die physische Anwesenheit in der Schule mit Elementen des digitalen Lernens zu Hause kombiniere.

          Bessere Hygienestandards gefordert

          Die Gewerkschaften fordern unterdessen, die Hygienestandards an den Schulen zu verbessern und gefährdete Personen besonders zu schützen. Es sei gut, dass die Schulen eine Vorlaufphase erhalten sollen, um sich auf die Öffnung vorzubereiten, teilt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hessen mit. Allerdings bezweifelt sie, dass eine Woche dafür ausreicht. Beschäftigte, die zum Beispiel wegen ihres Alters oder durch Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko hätten, dürften nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden. An den hessischen Schulen sind mehr als zwölf Prozent der Lehrkräfte älter als 60 Jahre. Um einzelne Lehrkräfte nicht zu überlasten, müsse es weiterhin eine Notbetreuung für Kinder geben, deren Eltern darauf angewiesen seien. Weil nicht alle Kinder erfolgreich zu Hause hätten lernen können, sollten Zeugnisnoten aufgrund der Leistungen bis zur Schulschließung vergeben werden und niemand sitzenbleiben.

          Die GEW-Vorsitzende Maike Wiedwald fordert das Kultusministerium dazu auf, klare Rahmenbedingungen für den Schulbetrieb vorzugeben. Die Klassengröße sollte auf fünf Schüler reduziert und der Unterricht zeitlich gestaffelt oder tageweise erteilt werden. Der Schulbeginn und die Pausenzeiten sollten so angepasst werden, dass sich möglichst wenig Kinder begegneten. Jede Schule brauche zudem ausreichend Waschmöglichkeiten und einen Hygieneplan, der von den Gesundheitsämtern kontrolliert werden sollte.

          Auch der Verband Bildung und Erziehung in Hessen mahnt, die Schulen nur unter der Voraussetzung zu öffnen, dass die Schulträger Seife, Desinfektionsmittel und Papierhandtücher in Sanitärräumen und Klassenzimmern zur Verfügung stellten. Die Schulgebäude müssten gründlich gereinigt und Oberflächen regelmäßig desinfiziert werden. Bis zur Öffnung der Schulen sollten ausreichend Mundschutzmasken für Schüler und Beschäftigte zur Verfügung stehen.

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