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Kleine legen zu : Hessens Volksparteien verlieren weiter Mitglieder

  • Aktualisiert am

Haben noch knapp 51.000 Hessen: SPD-Parteibuch Bild: dpa

Die Kleinen wachsen, die Großen schrumpfen: Grüne, FDP, AfD und Linke melden im Saldo steigende Mitgliederzahlen. Die Sozialdemokraten nach einem Zwischenhoch und die CDU müssen Verluste hinnehmen.

          Lediglich die kleinen Parteien in Hessen haben sich in den vergangenen zwölf Monaten über mehr Mitglieder freuen können. Grüne, AfD, FDP und Linke nahmen zusammen etwa 1600 neue Mitglieder mehr auf, als austraten oder starben. Anders sieht es bei den Volksparteien SPD und CDU aus: Sie verzeichneten gemeinsam einen Verlust von 2342 Mitgliedern.

          Besonders gebeutelt wurde die SPD. Sie hat in den vergangenen zwölf Monaten 1467 Mitglieder verloren. Nach Auskunft von Sprecher Christoph Gehring hatten am 1. Dezember dieses Jahres noch 50.975 Hessen ein rotes Parteibuch. In Südhessen sank die Mitgliederzahl um 877 auf 33,672, in Nordhessen um 590 auf 17.303. Die Gründe für den Mitgliederschwund - und ob dieser mit dem Ende des Hypes um Spitzenkandidat Martin Schulz vor der Bundestagswahl 2017 zusammenhängt -, blieb indes offen, da sich die SPD nicht dazu äußerte.

          Noch gut 38.000 CDU-Mitglieder

          Die hessischen Christdemokraten konnten im Dezember 2017 noch 38.009 Köpfe vorweisen. Bis Dezember dieses Jahres verlor die Partei jedoch 875 Mitglieder, so dass nun noch 37 134 Hessen CDU-Mitglied sind, wie Vize-Sprecherin Deliah Eckhardt mitteilte. „Die Zahl unserer Mitglieder ist im Vergleich zum Ende letzten Jahres relativ konstant geblieben. Nachdem wir im Jahr 2017 mehr Ein- als Austritte verzeichnen konnten, ist ein leichter Trend erkennbar, dass sich wieder mehr Leute für die aktive Mitarbeit in der Politik interessieren“, erklärte CDU-Generalsekretär Manfred Pentz.

          Große Freude herrscht bei den Grünen. „Wir haben im vergangenen Jahr 670 neue Mitglieder hinzugewinnen können und sind Anfang Dezember 5959 Grüne in Hessen - so viel wie noch nie“, teilten die beiden Vorsitzenden Angela Dorn und Kai Klose mit. Das Führungsduo geht davon aus, dass die Menschen an den inhaltlichen Positionen der Öko-Partei interessiert sind. „Wir wissen, dass die Landtagswahl eine Richtungsentscheidung zwischen einer Politik mit Augenmaß und Vernunft und einer Politik aus Populismus und Hetze war“, erklärten Dorn und Klose. Viele neue Grüne wollten sich als Mitglieder den Angriffen der Rechtspopulisten auf die Demokratie entgegenstellen.

          „Die FDP ist wieder da“, sagte Fraktionssprecher André Uzulis und ergänzte: „Wir haben einen guten Wahlkampf gemacht, daher ist die Partei für viele Hessen wieder attraktiv geworden.“ Innerhalb eines Jahres sind 191 Menschen beigetreten. Am 1. Dezember zählten die Liberalen 6288 Mitglieder. Zudem befänden sich 146 Anwärter im Aufnahmeverfahren.

          Gut 220 Linke mehr

          Der noch junge Landesverband der AfD ist binnen eines Jahres um mehr als 22 Prozent gewachsen. Nach Auskunft von Sprecher Robert Lambrou zählte die Partei am 1. Dezember 2017 exakt 2319 Mitglieder. Am 1. Dezember dieses Jahres waren 2840 Hessen dabei, das ist eine Steigerung um 521. Wer der AfD beitreten möchte, muss sich einem Aufnahmegespräch stellen und einen Probemonat absolvieren. Derzeit befinden sich laut Lambrou weitere 121 Hessen im Aufnahmeprozess. Zudem lägen 340 Aufnahmeanträge vor.

          Auch die Linke meldet Zuwachs. Am 1. Dezember 2017 zählte der Landesverband 3032 Mitglieder. Im Dezember dieses Jahres waren es 3256, das ist ein Anstieg um 224. „Wir erleben, dass insbesondere in den Wahljahren, wenn sich die unterschiedlichen politischen Positionen der Parteien zuspitzen, wir eine besonders hohe Steigerung der Mitgliederzahlen haben“, erklärte Uwe Maag von der Landesgeschäftsstelle in Frankfurt.

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