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Problem-Krankenhaus : Sorge um den Etat und die Hygiene

Hygiene ist überlebenswichtig: Operationssaal der Herzchirurgie im Frankfurter Uniklinikum Bild: dpa

Die SPD im Landtag verlangt vom Wissenschaftsminister Auskunft über vermutete Missstände am Uniklinikum. Mancher Kritikpunkt könnte sich entkräften aber lassen.

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          Einen dringlichen Berichtsantrag „betreffend Unregelmäßigkeiten am Universitätsklinikum Frankfurt“ hat die SPD-Fraktion im Landtag gestellt. Sie fordert die Landesregierung darin auf, im Wissenschaftsausschuss Stellung zu mutmaßlichen Rechtsbrüchen am Klinikum zu nehmen. Das wird heute der zuständige Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) übernehmen. Unter anderem stellt die SPD in ihrem Antrag Fragen zur Verletzung von Hygienevorschriften, zum Etatdefizit des Klinikums, zur sogenannten Trennungsrechnung, zu Personalquerelen und zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen zwei Vorstandsmitglieder. Dabei handelt es sich durchweg um Themen, die in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten und von verschiedenen Zeitungen aufgegriffen worden waren.

          Ingrid Karb
          (iff.), Rhein-Main-Zeitung

          Deshalb überrascht der Zeitpunkt des dringlichen SPD-Antrags. Er habe nichts mit dem Landtagswahlkampf zu tun, hebt die federführende SPD-Landtagsabgeordnete Heike Hofmann auf Nachfrage hervor. Vielmehr habe die SPD-Fraktion die Informationen erst jetzt „in dieser Dichte erhalten“. Nun wolle die SPD wissen, ob Rhein die Einzelheiten bekannt seien und warum er nicht interveniert habe.

          Die Fragen der SPD zur Verletzung von Hygienevorschriften beziehen sich in erster Linie auf die Übertragung eines multiresistenten Erregers im vergangenen Jahr, über die auch diese Zeitung berichtet hatte. Das betreffende Darmbakterium war bei fünf Patienten nachgewiesen worden. Nach dem Ausbruch blieb ein Teil der Intensivstation wegen Untersuchungs- und Reinigungsarbeiten für rund acht Wochen geschlossen. Die SPD will nun wissen, wie hoch der wirtschaftliche Schaden war.

          Das Vorgehen des Uniklinikums sei vorbildlich gewesen, sagt Ursel Heudorf, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts, die mit ihrem Team die Einhaltung der Hygienevorschriften an Krankenhäusern überprüft. Verglichen mit ähnlichen Ausbrüchen in Deutschland sei die Zahl der betroffenen Patienten niedrig und die Schließung der Intensivstation kurz gewesen. Das Klinikum habe einen „vorbildlichen Hygieneplan“ und untersuche Patienten sehr genau auf multiresistente Erreger. Der Ärztliche Direktor Jürgen Graf hatte seinerzeit gesagt, an dem Klinikum werde ein- bis zweimal im Jahr entdeckt, dass ein Keim übertragen worden sei. In der Außenwirkung könnte dadurch der Eindruck entstehen, dass es mehr Fälle gebe. „Denn wer viel screent, entdeckt viel.“

          Frage nach dem aktuellen Defizit

          In ihrem Fragenkatalog behauptet die SPD, am Uniklinikum sei „als Leiter der Hygiene ein Mikrobiologe beschäftigt, der für diese Funktion nicht die gesetzliche Qualifikation erfüllt“. Offenkundig wurde die Partei darüber falsch informiert. Denn der Hygienebeauftragte Volkhard Kempf erfüllt laut Heudorf alle nötigen Voraussetzungen.

          Besonders wichtig ist der SPD laut Hofmann die Frage nach dem aktuellen Defizit. Ihrer Information nach droht dem Universitätsklinikum bis Jahresende ein Minus von mindestens zehn Millionen Euro. Das wäre im Vergleich zum letzten veröffentlichten Ergebnis eine Verdopplung: Für 2016 wurde im Jahresbericht ein Fehlbetrag von 4,7 Millionen Euro genannt. Die Zahlen für 2017 wurden bisher nicht publiziert, dürften jedoch darüber gelegen haben. Tatsächlich hat die Universitätsmedizin in den vergangenen Jahren nur einen positiven Jahresabschluss vorlegen können: Für 2015 wurde ein Plus von 1,1 Millionen Euro vermeldet. Im Nachhinein war zu hören, dass Einmaleffekte zu dem guten Ergebnis geführt hätten.

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