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Forderung nach Kita-Gipfel : Klose will Kinderbetreuung verbessern

  • Aktualisiert am

Kitas in Hessen: Die Bedingungen für die Kinderbetreuung sollen sich bessern. Bild: dpa

Hessen wartet auf den Bund, um die Hebel für bessere Bedingungen in den Kitas ansetzen zu können. Sozialminister Klose rennt mit der Ankündigung für mehr Qualität in der Kindertagesbetreuung offene Türen ein.

          Sozialminister Kai Klose (Grüne) will die Qualität der Kindertagesbetreuung in Hessen verbessern und mehr Kitaplätze schaffen. Eine völlige Beitragsbefreiung für die Kitas schloss Klose im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden langfristig nicht aus. Die Bildungsgewerkschaft GEW begrüßte die Ankündigung für eine Qualitätsoffensive, forderte aber konkrete Maßnahmen für einen besseren Betreuungsschlüssel. Der Städte- und Gemeindebund machte sich für einen Kita-Gipfel in Hessen stark.

          „Im Koalitionsvertrag haben wir einen Dreiklang vereinbart: Ausbau der Plätze, Qualitätssteigerung und gegebenenfalls weitere Schritte in Richtung Beitragsfreiheit“, sagte Klose. „Uns geht es jetzt aber vor allem darum, die Qualität der Kindertagesbetreuung in Hessen zu sichern und weiterzuentwickeln.“ Dazu seien auch mehr Ganztagesplätze erforderlich. Er könne sich natürlich langfristig eine vollständige Beitragsfreiheit für die Kitas vorstellen, erklärte der Minister. „Am Ende nützt aber kein beitragsfreier Platz etwas, den es nicht gibt.“ Deshalb sei es vorrangig wichtig, die Nachfrage nach Kita-Plätzen im Land besser zu befriedigen und die Qualität der Betreuung weiter zu verbessern.

          Kostenbefreiung in Hessen

          In Hessen ist seit August vergangenen Jahres die Betreuung aller Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt für sechs Stunden am Tag kostenfrei. Das dritte Jahr war bereits seit 2007 für fünf Stunden täglich beitragsfrei.

          Ein Kita-Experte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnte eine bessere Relation von Fachkräften und zu betreuenden Kindern an. Im U3-Bereich müsse ein Erzieher auf drei Kinder kommen. Bei den Drei- bis Sechsjährigen sollte eine Fachkraft für acht und im Grundschulbereich für zehn Kinder zuständig sein.

          „Die gute Kita-Betreuung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nicht allein ein Problem der Kommunen“, betonte der Direktor des Städte- und Gemeindebunds, Karl-Christian Schelzke. Momentan müssten die Städte und Gemeinden zwei Drittel der Kita-Kosten selbst aufbringen. Das sei nicht leistbar. Der Kommunale Spitzenverband mache sich deshalb für eine Lösung stark, bei der Bund, Land und Kommunen jeweils ein Drittel der Kosten übernehmen.

          Große Ansprüche der Eltern

          Die Ansprüche der Eltern an die Qualität der Betreuung seien inzwischen groß, sagte Schelzke. Allerdings kämpften die Kita-Träger auch mit dem Problem, dass derzeit auf dem Arbeitsmarkt kaum Erzieherinnen zu finden seien. Hier müsse dringend Abhilfe geschaffen werden - etwa durch eine verkürzte Ausbildung.

          Schelzke berichtete außerdem, dass viele Kommunen aus dem Umland größerer Städte - etwa im Rhein-Main-Gebiet - dringend mehr Betreuungsplätze bräuchten. Wegen steigender Mietpreise in den Metropolen zögen viele Familien in kleinere Städte um - und benötigten dort dann auch Kita-Plätze für ihre Kinder.

          Der Elternbund Hessen warnte derweil davor, die Themen Qualität und Kosten gegeneinander auszuspielen. Bildung dürfe nichts kosten und müsse bereits in der Kita im U3-Bereich beginnen, erklärte Hannah de Graauw-Rusch vom Elternbund. Das betreffe gerade die Sprachförderung und Kinder, die von zuhause nicht so viel Bildung mitbekämen. Es müsse Chancengleichheit herrschen.

          Förderung des Gute-Kita-Gesetzes

          Der Sozialminister betonte, die schwarz-grüne Koalition habe bereits angekündigt, jeden Euro vom Bund im Zuge des sogenannten Gute-Kita-Gesetzes um einem Euro vom Land zu ergänzen. Das Gesetz ist seit Jahresbeginn in Kraft. Vom Bund sollen bis 2022 rund 5,5 Milliarden Euro über einen höheren Anteil an den Umsatzsteuer-Einnahmen an die Länder fließen.

          Wie die Bundesländer das Geld für die Kitas einsetzen, können sie selbst entscheiden. 2019 sollen zunächst 500 Millionen Euro vom Bund kommen. Mit dem Geld können zum Beispiel längere Öffnungszeiten oder zusätzliche Erzieherinnen für Kindergärten und Kindertagesstätten finanziert werden. Das Gesetz soll nach Angaben von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ein Instrumentenkasten sein, um Kinderbetreuung überall in Deutschland besser zu machen. Die 16 Bundesländer schließen mit dem Bund dazu individuelle Verträge. Damit soll den unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern Rechnung getragen werden.

          Hessen sei dafür mit dem Bund aber noch nicht in vertieften Verhandlungen, berichtete der Sozialminister. Die Gespräche mit den Kita-Trägern und kommunalen Spitzenverbänden zur Umsetzung des Gesetzes hätten in Hessen aber bereits begonnen. Konkrete Maßnahmen wie etwa die Verbesserung der Personalausstattung in den Kitas werden den Haushalt voraussichtlich ab 2020 betreffen.

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