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Neues Präventionsprojekt : Schulen kämpfen gegen Judenhass

  • Aktualisiert am

Neues Projekt in Hessen: mehr Einsatz gegen Antisemitismus und Ausgrenzung. Bild: dpa

Der Ausruf „Du Jude!“ als Schimpfwort - auf vielen Schulhöfen ist das mittlerweile Alltag. Ein Präventionsprojekt des hessischen Kultusministeriums und der Bildungsstätte Anne Frank will aufklären und gegensteuern.

          Es beginnt mit Schimpfworten und geht weiter zu Verschwörungstheorien und Äußerungen, die anderen das Existenzrecht absprechen. „Antisemitismus ist eine Realität in Deutschland“, sagt Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt. „In der Beratungsstelle erleben wir das tagtäglich. Es beginnt vielleicht mit dem Schimpfwort: „Du Jude“ - aber es geht viel weiter. Es ist ein Weltbild.“ Zusammen mit dem hessischen Kultusministerium hat die Bildungsstätte nun ein zunächst auf drei Jahre angelegtes Präventionsprogramm an hessischen Schulen gestartet. Am Montag begann in Frankfurt die erste von 15 Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte.

          „Ob latent im Alltag geäußerte Judenfeindlichkeit und systematische Hassbotschaften“ - jeglicher Form von Diffamierung und Ausgrenzung müsse entgegengetreten werden, so Kultusminister Alexander Lorz (CDU) Es müsse frühzeitig „mehr Wachsamkeit“ zu Antisemitismus entwickelt werden - die Schulen seien dabei ein wesentlicher Ort. Auch in der Kultusministerkonferenz solle darüber diskutiert werden.

          Zentrales Anliegen sei der Schutz der betroffenen Schüler, betont Doron Kiesel, wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorsitzender des fachlichen Beirats des Projekts. Kiesel erinnerte an die bis dahin nicht für möglich gehaltene Einwanderung sowjetischer Juden ausgerechnet nach Deutschland in den 80-er Jahren, die „für beide Seiten einen Traum wahr machte“. Mittlerweile sei manches anders, gebe es jüdische Familien, die sich nach einer Zweitwohnung in Tel Aviv umsähen, weil sie zunehmend verunsichert seien.

          Jüdische Schüler fühlen sich bedroht

          „Jüdische Kinder und Jugendliche berichten zunehmend von Bedrohungen im Schulalltag“, sagt Kiesel. Das reiche von antisemitischen Schimpfwörtern bis hin zu massivem Mobbing und körperlichen Übergriffen. Er halte es für den falschen Weg, wenn Eltern ihren Kindern aus Angst vor solchen Vorkommnissen raten, ihre jüdische Identität zu verstecken und so „unauffällig“ wie möglich zu sein.

          Doch auch ohne jüdische Kinder und Jugendliche im Klassenzimmer, auf dem Sportplatz oder in der Freizeit ist „Du Jude“ als Schimpfwort mittlerweile vielfach Alltag. „Antisemitismus ist nicht an die Anwesenheit von Jüdinnen und Juden gebunden und hat nichts damit zu tun, wie sie sind oder was sie tun“, heißt es etwa in einer Studie der Frankfurter Soziologin Julia Bernstein aus dem vergangenen Jahr. Gerade von Bagatellisierung des verbalen Antisemitismus ist darin die Rede.

          Zentraler Ort antisemitischer Diskriminierung

          „Für die Betroffenen ist die Schule der zentrale Ort antisemitischer Diskriminierung“, sagte Bernstein der Deutschen Presse-Agentur. Vielen Lehrkräften dagegen falle es schwer, Antisemitismus zu erkennen und zu benennen. Immer wieder komme es auch zu Verharmlosungen und Fehlinterpretationen, wenn etwa ein Vorfall als Konflikt zwischen zwei Schülern gesehen werde oder wenn es heiße: „Die wissen ja nicht, was sie da sagen.“

          Erkennen und benennen - das ist Lorz zufolge ein Ziel des Präventionsprojekts. Lehrer, aber auch Schüler sollten für das Thema sensibilisiert werden und angemessene Reaktionen einüben.

          Dabei gebe es Spannungsfelder zwischen Verleugnen und Wegschauen einerseits und Überreaktionen andererseits, so Mendel. Nach antisemitischen Äußerungen von Schülern gelte es „pädagogisch zu handeln und nicht gleich die Polizei an die Schule zu holen.“

          Workshops bieten Jugendlichen Aufklärung

          Workshops mit dem Titel „Antisemi-was?“ richten sich an Schüler und Jugendgruppen. Die Workshops sollen unter anderem darüber aufklären, was Antisemitismus überhaupt ist und helfen, die entsprechenden „Codes“ zu erkennen - auf dem Schulhof, im Internet oder in manchen Liedertexten.

          Das Projekt soll sich Lorz zufolge als Baustein in andere Beratungs- und Präventionsangebote einfügen. Vor allem müsse ein Bewusstsein geschult werden, „was da los ist“ - egal, ob es sich um rechtsextreme Positionen oder israelfeindlichen Antisemitismus von Jugendlichen aus Zuwandererfamilien handelt. Denn „Die bringen was mit, das lässt sich nicht leugnen“, so Mendel. Schon in den Integrationsklassen müssten Lehrer dafür Sensibilität entwickeln.

          Neben der Prävention an Schulen müsse Antisemitismus auch „mit der konsequenten Härte des Rechtsstaates bekämpft werden“, forderte Armin Schwarz, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Frakion im hessischen Landtag, am Montag. „Wer jüdisches Leben in Deutschland ablehnt oder das Existenzrecht Israels infrage stellt, kann keinen Platz in unserem Land haben.“ Die hessischen Grünen bezeichneten das Projekt als „weiteren wichtigen Schritt, um Antisemitismus in jeglicher Form an unseren Schulen zu bekämpfen.“

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