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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Kommentar zur Rockerszene : Jung, gewalttätig, nationalistisch

Haben sich in der Szene etabliert: die Rockergruppe „Osmanen“ Bild: dpa

Längst haben die Hells Angels ihre Übermacht in der Rockerszene verloren. Neue durch Ethnien geprägte Gruppen haben sich im Milieu etabliert. Ihr Auftreten verheißt nichts Gutes.

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          Die Zeiten, in denen die Hells Angels als übermächtige Herrscher im Rocker-Universum galten, sind längst vorbei. Zuletzt haben sie an Himmelfahrt von sich reden gemacht, als sie interne Konflikte auf einem belebten Platz in der Frankfurter Innenstadt mit Schusswaffen austrugen. Ansonsten aber ist es still geworden um die „Alt-Rocker“. Womöglich auch, weil sich in den vergangenen Jahren immer mehr ethnisch geprägte Organisationen gegründet haben. Die türkischen „Osmanen“ und die kurdischen „Bahoz“ sind momentan die prominentesten.

          Als Box-Club mit Ambitionen, sich im Rocker-Milieu zu etablieren, wurden die „Osmanen“ lange Zeit wahrgenommen. Inzwischen gelten sie als ernstzunehmende Organisation, die mit harten Bandagen kämpft, wenn es darum geht, sich wirtschaftliche Pfründen zu sichern, etwa im Türsteher-Milieu. Dadurch ist es ihnen gelungen, sich im stark umkämpften Reich der Rocker-Vereinigungen Respekt zu verschaffen.

          Eine weitere Zersplitterung der Szene wäre fatal

          Dass ausgerechnet die „Osmanen“ nun verstärkt auch als politische Akteure auftreten, ist daher besorgniserregend. Zumal sie diese Rolle umso stärker ausleben, seit ihnen eine weitere neue Gruppierung, die kurdischen „Bahoz“, einen Krieg auf Hessens Straßen angekündigt hat.

          Es wird die Polizei in den nächsten Jahren viel Kraft kosten, diese Entwicklung zumindest so weit im Griff zu haben, dass es nicht zu den befürchteten Gewalttaten kommt. Zweimal ist es gelungen, die Gruppen auseinanderzuhalten. Das wird aber vermutlich nicht jedes Mal möglich sein.

          Die „Bahoz“-Anhänger sind aus Sicht der Sicherheitsbehörden noch zu frisch auf dem Markt, um gänzlich einschätzen zu können, welche Gefahr von ihnen ausgeht. Aber die Art, wie sie bisher aufgetreten sind, verheißt nichts Gutes. Es handelt sich um junge Männer kurdischer Herkunft, die ebenfalls zutiefst nationalistisch geprägt sind und jederzeit bereit, ihre politischen Ansichten auch mit Gewalttaten zu verteidigen. Sollte die Zersplitterung der Szene nach politischen und ethnischen Zugehörigkeiten weitergehen, muss die Polizei befürchten, die Situation in einigen Jahren gar nicht mehr beherrschen zu können; das aktuelle Weltgeschehen und die Zuwanderung befeuern die importierten Konflikte noch.

          Die Politik muss darauf eine Antwort finden. Am besten, bevor sich solche Gruppen weiter etablieren. Schon jetzt haben „Osmanen“ und „Bahoz“ einen starken Zulauf. Mehrere tausend Mitglieder zählen sie zusammen. Tendenz steigend.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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