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Kommentar zur Hessen-Wahl : Bayerische Ableitungen

Der hessische Wahlkampf im Endspurt: Haben die Politiker aus dem Ergebnis in Bayern dazugelernt? Bild: dpa

Die Nachwehen der bayerischen Landtagswahl sind in Hessen deutlich zu spüren. Welche Lehren haben die Spitzenkandidaten der großen Parteien daraus gezogen?

          Die bayerische Landtagswahl hat dafür gesorgt, dass es in Wiesbaden fast nur Gewinner gibt. Volker Bouffier und Thorsten Schäfer-Gümbel können sich ziemlich sicher sein, dass die Parteifreunde von Union und SPD im Bund bis zum 28. Oktober die Füße stillhalten werden. Fast zwei Wochen lang wird es in Hessen um hessische Themen gehen, was die Spitzenkandidaten der beiden großen Parteien, auf die der jeweilige Wahlkampf stark zugeschnitten ist, für sich nutzen können.

          Die große Abrechnung in der Sozialdemokratie, die zum Platzen der sogenannten großen Koalition führen könnte, ist jedenfalls auf Anfang November verschoben worden. Die CSU ist erst einmal mit der Regierungsbildung beschäftigt. Allenfalls ist mit weiteren schlaumeierischen Zwischenrufen des Kieler CDU-Zappelphilipps Daniel Günther zu rechnen, dessen Kampfgewicht aber gering ist.

          Die hessischen Grünen wiederum dürfen sich über den Rückenwind freuen, den das bayerische Wahlergebnis zweifellos bedeutet. In ihrem Wahlkampf folgen sie der neuen Parteilinie, es mit mehr Lockerheit zu versuchen. Das Plakat, auf dem ein Mann beherzt in einen nichtvegetarischen Burger beißt, steht dafür. Die hessischen Grünen werden sogar froh sein, wenn sie, anders als die bayerischen Parteifreunde, am Ende nicht zweitstärkste Kraft werden. Das nämlich könnte zu einer Entfremdung mit dem Koalitionspartner CDU führen, der nicht zum Paten einer neuen Volkspartei der linken Mitte werden möchte.

          Für die FDP gerade noch einmal gutgegangen

          Auch die FDP-Führung in Wiesbaden wird mit Wohlwollen auf das Ergebnis der bayerischen Freunde blicken. Mit 5,1 Prozent ist die Sache gerade noch einmal gutgegangen. Der Warnschuss dürfte motivierend auf die Anhängerschaft in Hessen wirken, zur Wahl zu gehen. Das knappe Ergebnis ruft gleichzeitig in Erinnerung, wie falsch Parteichef Christian Lindner vor einem Jahr mit seiner Entscheidung lag, den Eintritt in eine Jamaika-Koalition zu verweigern. FDP-Wähler haben für solche Feigheit kein Verständnis, der hessische Spitzenkandidat René Rock war daher gut beraten, seinen Machtwillen von Anfang an zu betonen.

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          Besonders interessant ist der Blick auf die AfD. Ihr mäßiges Ergebnis in Bayern deutet darauf hin, dass die Protestwähler ihr Mütchen doch eher auf Bundesebene kühlen möchten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Wahlkampftaktik der hessischen AfD, im Zweifelsfall gar nichts zu sagen, sondern auf Fehler des politischen Gegners und auf die mobilisierende Wirkung von Provokationen der Bundesprominenz zu bauen, erfolgversprechend ist.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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