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Hessens Kampf gegen Corona : Impfen und Testen Tür an Tür

Streicheinheit: Im Wiesbadener Kongresszentrum wird ein Abstrich für einen PCR-Test genommen. Bild: Marcus Kaufhold

Die Vorbereitungen sind in vollem Gange, möglichst bald mit der Kampagne zur Immunisierung von Hessens Bevölkerung zu beginnen. Die Infektionslage bleibt kritisch.

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          Es sind wegweisende Tage: Die „nervöse“ Kurve der Neuinfektionen macht deutlich, in welcher entscheidenden Phase der Kampf gegen die Corona-Pandemie auch in Hessen derzeit ist. Das Sozialministerium meldete am Freitag landesweit 1924 Neuinfektionen, ähnlich viele wie am Tag zuvor (2067) und rund 400 weniger als vor einer Woche. Der Trend, der sich am ehesten in der Inzidenz, dem Mittelwert, gerechnet auf sieben Tage je 100.000 Einwohner, spiegelt, ist ebenfalls leicht rückläufig. Allerdings wird es wohl noch einige Zeit brauchen, ehe in Offenbach (273,3) der von der Politik neu vorgegebene Schwellenwert von 200 unterschritten wird. In Frankfurt könnte das schon am Wochenende erreicht werden.

          Helmut Schwan

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Laut Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) werden (Stand Mittwoch) 1722 Covid-Patienten in hessischen Krankenhäusern behandelt. Derzeit gebe es 5479 Krankenhausbetten, davon sind 281 sogenannte Beatmungsbetten.

          Die Inzidenzmarke von 200 gilt nun bundesweit als Richtwert, der in den jeweiligen Städten oder Kreisen über die schon verhängten Kontaktbeschränkungen hinaus weitere Restriktionen, etwa in den Schulen, nötig machen könnte. In der anhaltenden Debatte, ob und wann Hessens Schulen aufgrund der Corona-Pandemie Wechsel- oder Hybridunterricht anbieten sollten, hat sich Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) klar dafür ausgesprochen, dass der Präsenzunterricht weiterhin die erste Priorität genießen müsse. „Im ganz überwiegenden Teil läuft die Schule normal“, sagte Bouffier und präsentierte nach den Corona-Beschlüssen der Ministerpräsidenten Zahlen zum Infektionsgeschehen an den hessischen Schulen.

          „Die Ansteckungen sind außerhalb der Schule erfolgt“

          Demnach befinden sich weniger als zwei Prozent der 870.000 hessischen Schüler in Quarantäne. Das Gleiche gelte für die Lehrer. 0,1 Prozent der Schüler seien tatsächlich erkrankt, bei Lehrern seien es 0,32 Prozent. Von den knapp 1900 Schulen in Hessen sei nur eine geschlossen. „Das sind die Fakten“, so der Ministerpräsident weiter. Es gebe zudem keine Belege, dass ein Großteil der Infektionen in Schulen stattfinde. Als Beispiel nannte er die Berufsschulen, die das deutlichste Infektionsgeschehen hätten, obwohl die Schüler nur einen Tag pro Woche in der Berufsschule seien. Dort mache es keinen Sinn, Maßnahmen in der Schule zu ergreifen, denn offenbar fänden die Infektionen in anderen Bereichen statt.

          Aus Hamburg und Rheinland-Pfalz gibt es laut Bouffier zudem neue Erkenntnisse. Dort sei jeder Fall in der Schule nachvollzogen worden. „Dabei konnte man interessanterweise feststellen, dass die Zahlen in den Ferien nicht runtergegangen sind, aber drei Wochen nach den Ferien sind sie ganz besonders hochgegangen. Das heißt, die Ansteckungen sind außerhalb der Schule erfolgt“, schlussfolgerte Bouffier und ergänzte: „Wenn ein Gesundheitsamt am Ende zu dem Ergebnis kommt, die Schule muss man schließen, dann muss man sie eben schließen.“ Eine allgemeine Debatte über Schulschließungen reiche aber nicht aus, denn Wechselunterricht bedeute in der Regel nur die Hälfte vom Unterricht, und die Schüler verlören damit ein ganzes Schuljahr. Das sei aus Sicht der Landesregierung nicht zu verantworten.

          Vorbereitungen für Impfzentren schreiten voran

          Unterdessen werden die Vorbereitungen für Impfzentren, von denen nach den Vorstellung der Landesregierung in den nächsten Wochen 30 entstehen sollen, weiter vorangetrieben. Am Rhein-Main Congress Center in Wiesbaden, in dem das Impfzentrum der Landeshauptstadt entsteht, hat das Rostocker Unternehmen Centogene ein Testzentrum zur Diagnose von Infektionen mit Covid-19 eröffnet. Centogene betreibt auch das große Testzentrum am Frankfurter Flughafen. In Wiesbaden können täglich bis zu 400 Abstriche genommen und analysiert werden. Das Zentrum ist über den Ladehof vor Tor 11 des Kongresszentrums an der Rheinstraße zugänglich.

          Insgesamt stehen in den weißen Containern drei Kabinen für den Abstrich durch medizinisch geschultes Personal zur Verfügung. Der PCR-Test, der in einem Labor in Frankfurt-Höchst ausgewertet wird und dessen Ergebnis binnen 24 Stunden per Mail übermittelt werden soll, kostet 69 Euro. Gegen einen Aufpreis von neun Euro gibt es einen sogenannter ID-Check, mit dem für Reisende die Ausweisdaten zum Testergebnis erfasst werden. Positive Fälle werden an die Gesundheitsämter gemeldet. Geöffnet ist das Testzentrum für Interessierte ohne Covid-19-Symptome täglich von 8.30 bis 17.30 Uhr, auch am Wochenende. Eine Vorabregistrierung ist unter www.centogene.com möglich.

          Nachdem der Rheingau-Taunus-Kreis die Sporthallen des Schulzentrums Eltville als Standort für das Impfzentrum festgelegt hat, sucht er für die Impfung von 1000 Personen täglich händeringend qualifiziertes Personal. „Wir benötigen für den Betrieb der geplanten Impfstraßen Ärzte, medizinisches und pharmazeutisches Fachpersonal, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Notfallsanitäter“, sagt Landrat Frank Kilian (parteilos). Zudem sucht der Kreis Servicekräfte mit kaufmännischer Ausbildung für Empfang, Registrierung und Verwaltung. Auch Apotheker und Pharmazeutisch-Technische Assistenten könnten sich für die Impfteams melden. Jeder, der sich melde, leiste einen wichtigen, sozialen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie. Die Landeshauptstadt Wiesbaden will am Impfzentrum am Rhein-Main-Kongresszentrum täglich bis zu 1500 Menschen impfen.

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