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Straßenkriminalität in Hessen : Innenminister setzt auf verstärkte Videokontrolle

  • -Aktualisiert am

Kamera läuft: In Hanau wird unter anderem der Marktplatz genauer ins Visier genommen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Hessen will die technische Überwachung von Kriminalitätsschwerpunkten intensivieren. Die schwarz- grüne Landesregierung stellt dafür 1,3 Millionen Euro im Jahr bereit.

          Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) setzt bei der Bekämpfung der Straßenkriminalität verstärkt auf moderne Videotechnik. Außer einer generell regen Präsenz der Polizei auf den Straßen seien an Brennpunkten der Kriminalität Kameras zur Unterstützung der Sicherheitskräfte unabdingbar, sagte Beuth am Donnerstag, als er in Wiesbaden die Kriminalstatistik für das vergangene Jahr präsentierte. „Wir stärken damit nicht nur das Sicherheitsgefühl der Bürger vor Ort, sondern ermöglichen auch eine bessere Strafverfolgung.“ Die Polizei liefere das technischen Knowhow, helfe den Kommunen, einen geeigneten Standort für die Kameras zu finden und übernehme die Überwachung der bei ihr eingehenden Bilder. „Zwei Drittel der Kosten trägt die Landesregierung.“

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für die Förderung von Videoüberwachungsanlagen in Städten und Gemeinden stellt das Land Beuth zufolge jährlich 1,3 Millionen Euro zur Verfügung. In Hessen sind nach Angaben seines Ministeriums derzeit in 18 Städten 22 Bildaufzeichnungsanlagen mit insgesamt 186 Kameras von Polizei- und Ordnungsbehörden in Betrieb; die Tendenz ist steigend. In vielen Städten besteht Interesse an einem Ausbau der Überwachung oder an einer Modernisierung bereits seit längerem installierter stationärer Anlagen. Auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt wurde nach den Worten von Landespolizeipräsident Udo Münch im vergangenen Jahr erstmals eine mobile Videoüberwachungsanlage eingesetzt, die im Falle von auf diese Weise registrierten Straftaten umgehend Fahndungsbilder an die Einsatzzentrale liefern könne.

          Deutlicher Rückgang dank Videoüberwachung

          Auf den videoüberwachten Straßen und Plätzen würden jährlich rund 1900 Straftaten registriert, bei denen die Aufzeichnungen bei den Ermittlungen helfen oder gar zum Aufklären von Straftaten beitragen können. Videoüberwachung, so der Minister, stärke nicht nur das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger, sondern sei auch ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Kriminalität. Aus Sicht des Landeskriminalamts bedeuten mehr Kameras unter dem Strich weniger Verbrechen. An Kriminalitätsschwerpunkten, wo auf Videoüberwachung gesetzt werde, sei ein deutlicher Rückgang der Fallzahlen festzustellen. Die Täter könnten den Kameras aber auch nicht einfach durch einen Ortswechsel ausweichen, weil Tatgelegenheiten und die passenden Opfer nicht überall zu finden seien.

          Auf modernste Technik und intelligente Datenauswertung setzt die Polizei auch im Kampf gegen Wohnungseinbrecher. Ein seit gut zwei Jahren in Gebrauch befindliches, speziell für die hessische Polizei entwickeltes Programm zum Bündeln und Filtern einschlägiger Informationen hat sich nach Angaben von Landespolizeipräsident Münch als überaus wirksam erwiesen. Das Computerprogramm ermöglichte den Fahndern anhand von Dutzenden von Erkenntnissen über bereits begangene Straftaten und mit Hilfe von Bewegungsprofilen eine Prognose, wo und wann Einbrecher vermutlich demnächst zuschlagen könnten. Vor allem mögliche Einbruchsserien seien so frühzeitig zu erkennen und zu unterbinden.

          Tatorte und -zeitpunkte prognostizieren

          Etwa die Hälfte aller Wohnungseinbrüche werde von professionellen Banden ausgeführt, sagt Münch. Die Kunst sei es, unter anderem anhand bestimmter, wiederkehrender Vorgehensweisen voraussichtliche Tatorte und Tatzeitpunkte zu prognostizieren. Im Idealfall sei die Polizei dann bereits an Ort und Stelle, wenn reisende Diebesbanden in ein Wohnquartier einfielen. Mit Hilfe der Handys der auf frischer Tat Ertappten sei es den Ermittlern dann unter Umständen sogar noch möglich, den Festgenommenen frühere Einbrüche zuzuordnen.

          Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Wohnungseinbrüche in Hessen im Vergleich zum Vorjahr um fast zehn Prozent zurück. Mit 4081 vollendeten Taten lag sie auf dem niedrigsten Stand seit Einführung der polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 1971. Innenminister Beuth führt das auf die verstärkte Eigensicherung von Haus- und Wohnungsbesitzern, aber auch auf höheren Kontrolldruck der Polizei zurück.

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