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Hessenpark : Betagte neue Dorfkneipe

Aus Nordhessen in den Hessenpark: Die alte Dorfkneipe von Remsfeld wird wieder aufgebaut Bild: Rüchel, Dieter

Im Hessenpark wird die Martinsklause aus dem Dörfchen Remsfeld wieder aufgebaut. Dann kann man im Freilichtmuseum endlich einkehren.

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          Noch ist die Martinsklause ein Haufen Balken unter einem niedrigen Wellblechdach. Einst war sie ein wichtiger Treffpunkt für die Einwohner von Remsfeld, einem kleinen Ort an der Efze im nordhessischen Knüllwald. Jetzt soll die Dorfkneipe wieder auferstehen. Und zwar so, wie sie ältere Remsfelder noch in Erinnerung haben. Mit der alten Wandvertäfelung. Den Wandmalereien im großen Tanzsaal. Der Musikbox mit den Schlagern der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und selbst die Speisekarte soll an die Zeit erinnern, in der Pizza ein unbekanntes exotisches Gericht war und man Lasagne nicht einmal im Urlaub kennengelernt hatte. Die Martinsklause soll 2014 wieder öffnen, allerdings im Hessenpark. 38 Jahre, nachdem sie an ihrem ursprünglichen Standort zerlegt wurde, um sie in den Taunus zu transportieren. Und 40 Jahre nach Eröffnung des Freilichtmuseums.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Derzeit befinden sich die Einzelteile der Gaststätte noch im Ruheschlaf - nur etwa die Hälfte der 200 im Hessenpark bewahrten historischen Gebäude sind bisher wieder aufgebaut worden. Weil sich das Freilichtmuseum in den vergangenen Jahren vor allem um die Instandhaltung gekümmert hat und dieser Aufwand mit jedem neu erstellten Bauwerk steigt, steht der Wiederaufbau neuer Häuser nicht an erster Stelle der Dringlichkeit. Die Martinsklause zählt zu den wohl begründeten Ausnahmen. „Sie ist eine wichtige funktionale Ergänzung der Baugruppe Nordhessen“, sagte Hessenpark-Geschäftsführer Jens Scheller zum Baubeginn.

          Vor allem Familien und Senioren

          Denn bisher gebe es eine täglich geöffnete Gastronomie nur am Marktplatz und damit außerhalb des eigentlichen Museumsareals. „Unsere Hauptbesuchergruppen sind nun einmal Familien und Senioren“, sagte Scheller. Und diese suchten bisher vergeblich nach einer Einkehrmöglichkeit am anderen Ende des weitläufigen Geländes. Daher freut sich Scheller auf das „Millionenprojekt“, das einer der letzten Punkte aus dem Entwicklungskonzept des Hessenparks sei.

          Die Martinsklause wird nicht in jedem Detail dem Original entsprechen, allerdings auch kein modernes Gebäude in alter Hülle wie die gegenüberliegende Ausstellungsscheune aus Asterode. Ein Aufzug werde alle Geschosse barrierefrei erschließen, erläuterte Ralf Nitschke, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Freilichtmuseums. Weil damals nur zwei Drittel des Gebäudes aufgehoben worden seien, müsse man einen Teil der Scheune rekonstruieren. Das Wohnhaus als ältester Teil stamme aus dem 18. Jahrhundert. Nitschke hat die ursprüngliche Ausstattung intensiv recherchiert und dabei auch Hilfe vom Heimatverein Remsfeld bekommen. „Es gibt sogar Innenaufnahmen aus den vierziger und fünfziger Jahren“, sagte Nitschke. Auch Originalstühle sind erhalten. Die Gäste werden allerdings auf Nachbauten sitzen. Als musealen Bestandteil der Gaststätte plant der Projektleiter zwei Fremdenzimmer, wie sie um 1950 ausgesehen haben. Buchen kann man sie allerdings nicht.

          „Wir wollen auch dort Schau-Brauen zeigen“

          Die Ausstellung zur Brauereigeschichte soll von ihrem heutigen Standort neben der Museumskasse in die Scheune der Martinsklause ziehen. „Wir wollen auch dort Schau-Brauen zeigen“, sagte Ulrich Peters, technischer Geschäftsführer der Licher-Brauerei. Sie ist seit langem Partner des Hessenparks und beteiligt sich an den Kosten der neuen alten Gaststätte. Scheller kündigte an, auch das Hopfenfeld in die Nähe der Brauereiausstellung zu verlegen. Große Bedeutung kommt dem Tanzsaal der Martinsklause zu, der etwa 100 Personen fasst. „Er soll für Veranstaltungen genutzt werden“, sagte Scheller. Dabei dachte er auch an die Kirche aus Kohlgrund, die nach ihrer Sanierung im Herbst wiedereröffnet wird. „Hochzeiten lassen sich hier gut feiern.“

          Direkt neben der Martinsklause ist ein Spielplatz geplant. Schließlich wird ganz in der Nähe eine Dreschhalle wiederaufgebaut, um landwirtschaftliche Großgeräte wie die dampfbetriebene Dreschmaschine besser vorführen zu können. Zum Hessenpark-Jubiläum 2014 soll alles fertig sein und die etwas abgelegene Baugruppe Nordhessen zu einer echten Attraktion machen. Scheller freut es dabei, dass die Pläne in der ursprünglichen Heimat der Bauwerke so große Resonanz finden. Gestern reiste gestern extra eine Delegation aus Knüllwald einschließlich des Männerchors Remsfeld an. Dass eine Reifenpanne und ein Stau den Bus aufhielten, dafür konnten die Remsfelder nichts.

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