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Zuwanderung : Wie Hessens Bevölkerung wächst

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Zuwächse und Schwund: Wo in Hessen die Bevölkerung wächst Bild: F.A.Z.

Hessen boomt: 20.000 Bürger mehr leben in Hessen als noch 2013. Die Einwohnerzahlen steigen so rapide wie lange nicht - Zuwanderung sei dank. Denn der Zuwachs ist auch aus politischen Gründen wichtig.

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          Die Zahl der Hessen steigt so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr. Wie aus nun veröffentlichten Zahlen des Statistischen Landesamts hervorgeht, waren am Ende des ersten Halbjahres 2014 knapp 20.000 Bürger mehr in dem Bundesland gemeldet als Ende 2013. Grund für das kleine Wachstum um 0,3 Prozent ist demnach die Zuwanderung aus dem Ausland. Dieser Wanderungsgewinn betrage fast 25.000 Personen, während fast 6000 Hessen mehr starben, als geboren wurden.

          Damit setzt sich ein Trend fort, den die Statistiker in Wiesbaden zum ersten Mal 2009 registriert haben. Seither übersteigen die Zuzüge die Verluste, die der Sterbeüberschuss verursacht.

          Zu den Gewinnern zählen alle hessische Großstädte mit Ausnahme von Kassel. Auch die Landkreise im Rhein-Main-Gebiet haben an Bevölkerung zugelegt. Die Verlierer sind vor allen die Kreise im Norden und Osten des Bundeslandes. Den größten Bevölkerungsschwund verzeichnete der Vogelsbergkreis, in dem 335 Bürger weniger gemeldet waren als zuvor.

          Hessen werden langfristig weniger

          In den Landkreisen im Norden stabilisiert die Zuwanderung aus dem Ausland die Bevölkerungszahl, in Frankfurt hingegen verschärft sie etwa die Knappheit an Wohnungen. Die größte Stadt Hessens wuchs den Meldedaten zufolge im ersten Halbjahr 2014 jeden Monat um 1300 Einwohner. Welche Chancen und Kosten das Wachstum für Frankfurt birgt, hatte die F.A.Z. in der Serie „Wachsende Stadt“ beschrieben. Für die Kommunalpolitik sind die Folgen der Zuzugs eines der bestimmenden Themen, etwa weil zusätzliche Schulen, Wohnungen oder Bahnlinien gebraucht werden.

          Auch langfristig gehen die Statistiker davon aus, dass Frankfurt wächst. Für Hessen als Ganzes sagen sie hingegen einen deutlichen Schwund voraus. In der aktuellen Prognose, die allerdings noch aus dem Jahr 2010 stammt, heißt es, dass es im Jahr 2060 weniger als fünf Millionen Hessen geben werde. Dass solche Vorausberechnungen mit Vorsicht zu genießen seien, gibt eine Sprecherin des Statistischen Landesamts zu bedenken.

          An der Tatsache, dass in den nächsten Jahren mehr Hessen sterben als geboren werden, werde sich aber mit Sicherheit nichts ändern. Die Zahl der Kinder je Frau sei mit durchschnittlich 1,4 ebenfalls sehr konstant und schwanke allenfalls um Nuancen. Für die Bevölkerung bedeutet das eine deutliche Tendenz zur Alterung.

          Stimmen im Bundesrat nach Einwohnerstärke

          Schlecht vorhersehen lässt sich aber die Zu- und Abwanderung. Sie wird stark beeinflusst von den Krisen im Ausland und von der wirtschaftlichen Lage im Inland. Familien und Arbeitskräfte zieht es dorthin, wo es sicher ist und die Wirtschaft Wohlstand verspricht. Derzeit ist Hessen, vor allem das Rhein-Main-Gebiet, ein solcher Ort.

          Das zeigt sich auch an den Herkunftsländern der Zuwanderer, die Hessen das leichte Wachstum bescheren. Allein aus Bulgarien, Rumänien und Polen stammen fast 10.000 Neubürger. Aus den europäischen Krisenländern Italien und Spanien kamen gut 3000 Personen. Aus den Kriegs- und Krisengebieten außerhalb Europas wanderten gut 4000 Frauen, Männer und Kinder nach Hessen ein. Allein die Zahl dieser Asylsuchenden machte also die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen nahezu wett.

          So ist es vor allem der Zuwanderung zu verdanken, dass Hessen weiterhin mehr als sechs Millionen Einwohner hat. Diese Marke ist für das Bundesland nicht nur statistisch, sondern auch politisch von Bedeutung. Bisher hat Hessen im Bundesrat fünf Stimmen. Das ist Ergebnis der Regel, wonach Länder mit mehr als sechs, aber weniger als sieben Millionen Einwohnern ebenjene Zahl an Sitzen haben. Das trifft seit jeher nur auf Hessen zu. Sollte die Bevölkerungszahl in der amtlichen Statistik unter diese Marke fallen, hätte Hessen nur noch vier Stimmen, genau so viele wie etwa Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

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