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Wilhelmshöhe in Kassel : Denkmalschützer sicher: Bergpark wird Welterbe

  • -Aktualisiert am

Die im Bergpark Wilhelmshöhe gelegene Löwenburg: Bald ein Welterbe? Bild: dpa

In diesem Jahr bittet das Landesamt für Denkmalpflege die Unesco, den Kasseler Park Wilhelmshöhe als Anlage von Weltrang anzuerkennen. Es arbeitet aber auch an vielen anderen Projekten.

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          Der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel hat nach Ansicht von Gerd Weiß, dem Präsidenten des hessischen Landesamts für Denkmalpflege, gute Chancen, von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt zu werden. „Das wird uns gelingen“, sagte er in Wiesbaden. Gemeinsam mit dem Landesarchäologen Egon Schallmayer und dem Landeskonservator Christoph Mohr gab er einen Ausblick auf in diesem Jahr anstehende Denkmalschutzprojekte.

          Wie Weiß sagte, wird bis zum Herbst dieses Jahres der Antrag auf die Aufnahme des Bergparks in die Welterbeliste der Unesco fertiggestellt sein. Die Landschaft des Bergparks als solche sowie die im 18. Jahrhundert angelegten Wasserspiele, die in ihrer Technik und Form einmalig seien, gäben der ganzen Anlage „ein Alleinstellungsmerkmal“, so Weiß. Dies sowie die Unversehrtheit und Originalität des Parks seien die entscheidenden Kriterien für die Anerkennung als Welterbe. Mehrere Experten stuften die Chancen dafür als sehr gut ein, fügte er hinzu. Nach einer Vorprüfung bei der Unesco wird Weiß zufolge Anfang 2011 ein Gutachterverfahren beginnen. Eine Entscheidung erwartet er für Anfang 2012.

          Die fünfte Welterbe-Stätte in Hessen

          Würde der Park als Welterbe anerkannt, wäre er nach der Grube Messel, dem Kloster Lorsch, dem Limes und dem Mittelrheintal die fünfte Stätte dieser Art in Hessen. Weiß sagte, der Bund wolle sein Programm zur Förderung der Welterbestätten über das Jahr 2013 hinaus mit 100 Millionen Euro weiterführen. Bis dahin stehen insgesamt 150 Millionen Euro zur Verfügung. Von dem Programm konnten auch alle vier hessischen Stätten profitieren, vor allem das Hilchenhaus in Lorch als wesentlicher Bestandteil des Welterbes Mittelrheintal.

          Der Frost der letzten Tage hat den Wasserfall der Teufelsbrücke im Bergpark Wilhelmshöhe einfrieren lassen

          Zunehmend Kopfzerbrechen macht Weiß und dem für Bau- und Kunstdenkmalpflege zuständigen Landeskonservator Mohr das Schicksal hessischer Schlösser, zumal dann, wenn diese nicht mehr in Familienbesitz sind. Als positive Beispiele nannte Mohr die beiden Adelsfamilien zu Stolberg und Riedesel zu Eisenbach und deren Engagement zum Erhalt des Schlosses Ortenberg beziehungsweise des Schlosses Eisenbach in Lauterbach. Für den Umbau des Schlosses in Babenhausen zu einem Hotel hat das Landesamt einen Mitarbeiter abgestellt, der einmal in der Woche die Baustelle besucht, damit die Belange des Denkmalschutzes gewahrt bleiben.

          Sanierung der Saalburg

          Mohr gab Auskunft über mehrere anstehende Projekte der Baudenkmalpflege. Beispielsweise zeigte er sich mit der architektonischen Verbindung des geplanten Turms der Europäischen Zentralbank in Frankfurt mit dem Gebäude der früheren, denkmalgeschützten Großmarkthalle zufrieden. Man müsse als Denkmalschützer auch „Zeichen der Jetztzeit“ zulassen. „Die Verschränkung der Bauten ist gut gelungen.“

          Auch der Landesarchäologe Schallmayer informierte über sein Arbeitsgebiet. So hätten jüngste Forschungen ergeben, dass Spuren an schon vor einiger Zeit in Eschwege gefundenen Tierknochen von der Schlachtung der Tiere stammten und somit auf Neandertaler hinwiesen, die dort gelebt hätten. Auf ein Datum für die Eröffnung des Keltenmuseums am Glauberg wollte sich der Landesarchäologe nicht festlegen. Es könnte sein, dass es erst Anfang 2011 für Besucher zugänglich sein wird. Außerdem informierte Schallmayer darüber, dass in diesem Jahr mit „dringend erforderlichen Sanierungen“ in der Saalburg begonnen werde, zum Beispiel an den Toren der Umfassungsmauer. Dafür stehen rund 1,4 Millionen Euro vom Land und 734.000 Euro vom Bund zur Verfügung.

          Denkmalschutz als Standortfaktor

          Außerdem setzen die Archäologen Ausgrabungen fort – zum Beispiel in den Mosbach-Sanden in Wiesbaden, laut Schallmayer „eine der bedeutendsten Fossilfundstätten Europas“ und an der Elisabethkirche in Marburg. Begonnen wird auch mit einem Projekt, das Aufschluss über römische Truppenbewegungen in Hessen vom ersten vor- bis zum dritten nachchristlichen Jahrhundert geben soll.

          Der demographische Wandel der Gesellschaft macht auch vor der Denkmalpflege nicht halt – sie muss sich mit dem damit verbundenen Gebäudeleerstand, vor allem in strukturschwachen Gegenden oder Altstädten, auseinandersetzen. Um dem entgegenzuwirken, gibt es ein neues Förderprogramm des Bundes für die westlichen Bundesländer, wie Weiß erläuterte. Darüber wollen die Denkmalschützer auf Tagungen im Mai und Juni diskutieren. Weiß und seine Kollegen beschäftigen sich außerdem intensiv damit, denkmalgeschützte Häuser so zu ertüchtigen, dass Energie gespart werden kann. „Wir werden immer mehr zu Energieberatern“, sagte Mohr.

          Weiß zufolge bekommt das Landesamt für Denkmalpflege vom Land einen jährlichen Zuschuss von 8,2 Millionen Euro. Hinzu komme Geld vom Bund, von Stiftungen oder andere Drittmittel. Allerdings habe es im vergangenen Jahr „deutliche Einschnitte“ gegeben, so dass man wichtige Publikationen habe aufschieben müssen. Den Denkmalschutz insgesamt sieht Weiß als „wichtigen Standortfaktor, auch in wirtschaftlicher Hinsicht“. Denn Unternehmen wählten für ihre Niederlassungen solche Gegenden, die für die Mitarbeiter auch kulturell reizvoll seien.

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