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Wetzlar : Ernährungstipps in der Moschee

Lecker, aber überhaus gehaltvoll: Baklava, wie es etwa Türken lieben Bild: Jens Gyarmaty

Präventionskampagnen haben türkische Mütter bislang selten erreicht. Ein Integrationsprojekt der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung, das in Wetzlar angeboten wird, soll dies ändern.

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          Wohlgenährte Kinder gelten in vielen türkischen Familien immer noch als Zeichen von Wohlstand und Gesundheit. Diese Tradition und falsche Ernährungsgewohnheiten haben nach Angaben der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung (TDG) dazu geführt, dass es unter Jugendlichen mit türkischen Wurzeln einen vergleichsweise hohen Anteil an übergewichtigen Kindern gibt. Ein Integrationsprojekt der Stiftung mit Sitz in Gießen in Zusammenarbeit mit der AOK Hessen und dem Süßwarenhersteller Mars Chocolate soll dem entgegensteuern. Ziel ist es, das Bewusstsein für ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung ausländischer Mitbürger so weit zu schärfen, dass es im Familienalltag beherzigt wird. Start war im vergangenen Jahr mit Kursen und Workshops in Frankfurt, Kassel und Gießen. Jetzt wird das Projekt in Wetzlar fortgeführt.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Anlass für das Projekt war nach Auskunft der Partner, dass es in Sachen Gesundheitsvorsorge an sprach- und kulturgerechten Aufklärungsangeboten vor allem für Frauen mangelt. Türkische Frauen, die größere Familien zu versorgen hätten, blieben meist unter sich und hätten wenig Kontakt zur deutschen Gesellschaft. Sie würden dadurch von Präventionskampagnen nur selten erreicht. Für diese Zielgruppe spricht zudem, dass Türken bei der AOK die mit Abstand größte Gruppe der Versicherten unter den Migranten bilden.

          Integrationsminister als Schirmherr

          Mit der Resonanz sind die Veranstalter nach eigenem Bekunden zufrieden, die TDG spricht sogar von einem „vollen Erfolg“. Mehr als 80 Frauen nahmen in den drei Städten teil und haben nach Angaben der Initiatoren das Erlernte nicht nur an ihre Familien, sondern auch an Freunde und Bekannte weitergegeben. So ermuntert, setzten die Kooperationspartner das Projekt unter Schirmherrschaft des Ministers für Justiz, Integration und Europa, Jörg-Uwe Hahn (FDP), fort. Beschränkte sich die erste Kampagne im zurückliegenden Jahr auf eintägige Veranstaltungen, werden nun fortlaufende Kurse angeboten, mit denen Basiswissen zu Ernährung und Bewegung vertieft werden soll.

          Im Gleichgewicht: Türkische Frauen bei gymnastischen Übungen im Wetzlarer Gemeindezentrum

          Auf dem Programm im türkischen Gemeindezentrum in Wetzlar stehen bis Juni zehn Workshops und Seminare, die jeweils einen Vormittag lang dauern. Auch haben sich die Veranstalter dieses Mal entschieden, das Projekt an nur einem Ort stattfinden zu lassen, um intensivere Betreuung zu ermöglichen, wie es heißt. Für die Teilnahme hatten sich nach Angaben eines Sprechers der Initiative mehrere türkische Gemeinden beworben. Die Wahl sei nicht zuletzt auf Wetzlar gefallen, weil es dort eine besonders große und aktive türkische Gemeinde gebe. Die Ditip-Gemeinde Wetzlar, in deren Gemeindezentrum die Kampagne stattfindet, zählt rund 230 Mitglieder. Zur Auftaktveranstaltung kamen mehr als 40 Frauen aller Altersstufen, was mehr als einem Drittel der weiblichen Mitglieder der Gemeinde entspricht.

          Zwischenmahlzeiten im Blickpunkt

          Bei den Workshops werden den Teilnehmerinnen anhand von Erkenntnissen aus Ernährungslehre und Sportmedizin sowie mit Beispielen aus dem Alltag Grundlagen für gesunde Ernährung und Bewegung nähergebracht. Dabei geht es um den Einkaufszettel ebenso wie ums Ausprobieren von Rezepten zur Zubereitung gesunder Mahlzeiten. Einen Schwerpunkt bilden nicht zuletzt Zwischenmahlzeiten, dazu findet Aufklärung statt, beispielsweise wie viel Süßes nicht nur für Kinder genug ist und wie sich der Hunger zwischendurch auch mit ausgewogener Kost stillen lässt. Dabei geht es besonders darum, Eltern zum Vorbildverhalten anzuhalten.

          Zudem werden Bewegungsübungen gelehrt, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen und für Erwachsene wie Kinder gleichermaßen geeignet sind. Schnupperstunden in Rückentraining, Yoga oder Nordic Walking sollen Spaß an der Bewegung vermitteln und die Teilnehmerinnen und deren Familien ermuntern, sich auch langfristig in Sportvereinen zu betätigen.

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