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Wetzlar: Absetzung des Bezirksdekans : Für eine diskrete Rüge vom Bischof war es wohl zu spät

  • -Aktualisiert am

Peter Kollas, ehemaliger Dekan, hat nach Angaben des Bistums eingesehen, dass er einen Fehler gemacht hat Bild: dpa

Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst hätte den Dekan Kollas, der ein gleichgeschlechtliches Paar gesegnet hatte, auch härter bestrafen können. Allerdings auch milder. Doch dafür war der „Skandal“ schon zu öffentlich.

          Hätte nicht auch ein Anruf des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst genügt, um den Wetzlarer Bezirksdekan Peter Kollas zur Räson zu rufen, der ein gleichgeschlechtliches Paar gesegnet hatte? Dass diese Frage in Teilen der Öffentlichkeit, aber auch der katholischen Kirche, unweigerlich aufkommen würde, damit hatte man im Limburger Ordinariat wohl gerechnet.

          Doch nach Ansicht des Bistums war die öffentliche Irritation schon zu groß, als dass eine diskrete Rüge noch ausgereicht hätte, sagt der Sprecher des Bistums. Er berichtet von zahlreichen Anrufern im Limburger Ordinariat. Menschen hätten sich beschwert, weil sie gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften auf eine Stufe mit der Ehe gestellt sahen. Daraufhin sei eine öffentlichkeitswirksame Handlung des Bischofs erforderlich geworden. Er hebt aber hervor, dass es sich um „eine der milderen Formen“ der Maßregelung handele. Der Bischof habe besonnen und zurückhaltend reagiert, zumal der Bezirksdekan sein Tun inzwischen bereue.

          „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit aufgerufen

          Der Limburger Bischof hätte durchaus auch anders reagieren können. Das Kanonische Recht sieht für einen Pfarrer, dessen Verhaltensweisen für die kirchliche Gemeinschaft „schweren Schaden oder Verwirrung“ verursachen, die Möglichkeit einer Amtsenthebung vor. Zwar hat der Bischof Kollas das Amt des Bezirksdekans entzogen. Weil dies aber ein Ehrenamt ist und Kollas weiterhin Priester bleibt, liegt keine Amtsenthebung vor.

          Franz-Peter Tebartz-van Elst, Limburgs Bischof, hat den Wetzlarer Dekan abgesetzt, lässt ihn aber als Priester im Amt

          Der Vorwurf des Bischofs gegenüber Kollas lautet, er habe gegen die Lehre der katholischen Kirche gehandelt. Diese besagt, dass „homosexuelle Handlungen in sich nicht in Ordnung sind“. So steht es im Schreiben der römischen Kongregation für die Glaubenslehre „Persona humana“ aus dem Jahr 1975, das sich erstmals ausführlich aus Sicht des Lehramtes mit dem Thema Homosexualität beschäftigte. Die bloße Veranlagung zur Homosexualität ist indes noch keine Sünde. Homosexuelle Handlungen sind „in sich nicht in Ordnung“, weil aus einer solchen Beziehung keine Kinder entstehen können. Sie verstoßen damit nach katholischer Auffassung gegen das „natürliche Gesetz“. Im Katechismus heißt es deshalb: „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit aufgerufen.“

          Deutlicher Unterschied zu einer Trauung

          Diese grundlegenden Vorbehalte gegenüber einer gelebten Homosexualität bestimmen auch den Umgang der Katholischen Kirche mit gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. „Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinne“, schreibt die Kongregation für die Glaubenslehre im Jahr 2003. An diese grundlegenden Aussagen war Kollas wie jeder katholische Priester gebunden. Die ökumenische Arbeitsgruppe „Homosexuelle und Kirche“, die sich um homosexuelle Paare kümmert, lobte unterdessen, dass Kollas sich nicht an diese Vorgaben gehalten hat. „Es würde besser um das gelebte Evangelium und um die römisch-katholische Kirche stehen, wenn es mehr Seelsorger gäbe, die das tun“, teilte die Arbeitsgruppe mit.

          Der evangelische Pfarrer, der in Wetzlar ebenfalls eine Segnung des gleichgeschlechtlichen Paares vornahm, braucht hingegen keine Sanktionen von Seiten der Rheinischen Landeskirche, der er angehört, zu fürchten. Sie erlaubt Pfarrern grundsätzlich eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Voraussetzung ist aber, dass das Presbyterium der betreffenden Gemeinde dem zustimmt. Das Presbyterium wiederum muss die Entscheidung in Rücksprache mit der Gemeinde treffen und eine Gemeindeversammlung einberufen. Die Segnung des gleichgeschlechtlichen Paares muss sich allerdings deutlich von einer Trauung unterscheiden. Vorlagen der Landeskirche für solche Segnungsgottesdienste sollen hierbei helfen. In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ist die Rechtslage weitgehend gleich. Die Evangelische Landeskirche von Hessen und Nassau verzichtet sogar auf eine Hervorhebung des Unterschiedes zwischen einer Trauung und einer Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. „Die liturgische Form der Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares lässt sich nicht signifikant von der Trauliturgie unterscheiden“, heißt es in einem Synodenbeschluss aus dem Jahr 2002. Der Gestaltungsspielraum einer Trauung würde andernfalls zu sehr eingeschränkt, lautet die Begründung.

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