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Verkehr Rhein-Main : Alle sechs Jahre kommt der Brücken-TÜV

Auf der Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden herrscht Tempolimit 60, damit das Bauwerk nicht noch mehr Risse bekommt Bild: Marcus Kaufhold

Hessens Autobahnen sind meist in einem ordentlichen Zustand - aber die Pflege ist teuer und die Verkehrsflut nimmt zu. Vor allem Lastwagen sind eine Bedrohung für Brücken und Fahrbahnen. Ein einzelner Sattelschlepper nutzt die Straßenbauwerke so stark ab wie 10.000 Autos.

          Auf der Schiersteiner Brücke gilt Tempo 60. Die meisten Autofahrer, die über dieses Stahlbauwerk von Wiesbaden nach Mainz oder in die umgekehrte Richtung fahren, wissen vermutlich nicht, warum. Wüssten sie es, würde wohl keiner mehr über „Behördenwillkür“ schimpfen oder von „Schikane“ sprechen. Das Tempolimit verhindert, dass sich in den Stahlträgern der Brücke Risse bilden. Genauer gesagt: noch mehr Risse als bisher. Nicht, dass die Schiersteiner Brücke einsturzgefährdet wäre. Für ihre Sicherheit verbürgt sich Wolfgang Stremmel, Hessens oberster Brückenprüfer vom Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen. Das zwischen 1959 und 1962 errichtete Bauwerk ist lediglich in die Jahre gekommen, es muss erneuert werden. In der Wirtschaftswunderzeit wurde nicht immer das beste Material verwendet und zuweilen unter zu großem Druck gearbeitet. Deshalb ist die Lebensdauer nicht nur der Schiersteiner Brücke, sondern auch mancher anderer Brücken aus jener Zeit kürzer als die moderner Bauwerke.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bund hat Geld für den Neubau der Schiersteiner Brücke zugesichert

          Lange hat Hessen um das Geld für die 200 Millionen Euro teure Projekt gekämpft. In seiner Attacke gegen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat der hessische Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) vor einigen Tagen die Schiersteiner Brücke als ein Beispiel dafür angeführt, dass Deutschlands Autobahnnetz nicht im notwendigen Maße instand gehalten werde. Rhiel verlangte eine deutliche Aufstockung der Mittel für den Straßenbau, das Geld solle aus der Lastwagen-Maut kommen, die nach des Ministers Vorstellung künftig ausschließlich für den Erhalt und den Bau von Straßen verwendet werden soll. Für seinen Maut-Plan hat der hessische Minister sich von Berlin eine Abfuhr eingefangen, aber immerhin hat der Bund das Geld für den Neubau der Schiersteiner Brücke zugesichert.

          Im nächsten Jahr soll das Planfeststellungsverfahren beginnen, 2011 soll das Vorhaben ausgeschrieben werden. Der Baubeginn für die erste Brückenhälfte ist für 2012 vorgesehen, 2015 soll der zweite Strang auf die Pfeiler gelegt werden, 2018 soll die Brücke wieder vollständig befahrbar sein. Zumindest bis zur Freigabe der ersten neu errichteten Brückenhälfte wird es wohl bei Tempo 60 bleiben. Und hin und wieder wird eine Fahrspur gesperrt werden müssen. Allerdings nur nachts.

          Denn die Risse, die Stremmels Prüfer seit vier Jahren immer wieder an den Schweißnähten von Stahlträgern entdecken, werden nachts repariert. Je weniger die Brücke bei diesen Arbeiten schwingt, umso reißfester sind die neuen Schweißnähte. Deshalb darf auf der Spur, die über der jeweiligen Baustelle verläuft, kein Auto und kein Lastwagen fahren, solange unten die Stahlbauer werkeln.

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