https://www.faz.net/-gzg-10ehn

Verkehr Rhein-Main : Alle sechs Jahre kommt der Brücken-TÜV

Vor allem die Lastwagen sind eine Bedrohung für Brücken und Fahrbahnen. Ein einziger schwerer Sattelschlepper nutzt die Straßenbauwerke so stark ab wie 10.000 Autos, sagt Brückenprüfer Stremmel. Auf der Schiersteiner Brücke verkehren täglich etwa 80.000 Fahrzeuge, sechs bis acht Prozent davon sind Lastwagen. Deren Zahl ist unerwartet schnell gewachsen. Stremmel erinnert sich an die Prognosen während seines Studiums in den sechziger Jahren: Schon Mitte der siebziger Jahre sei jenes Aufkommen erreicht worden, das damals für das Jahr 2000 prognostiziert worden sei. Rasant ist auch die Zahl der Schwertransporte gewachsen, die mit ihrer Last besonders zerstörerisch auf Straßen und Brücken wirken. 1978 genehmigten die Behörden 3356 Fahrten, 2004 mehr als 50 000.

Die Autobahnen leiden unter der schnell gewachsenen Verkehrsflut, die Straßenbehörden haben überall in Deutschland größte Mühe, mit der Instandhaltung nachzukommen. In Hessen sind es nach Angaben von Wolfgang Scherz, des Präsidenten des Landesamtes für Straßen- und Verkehrswesen, vor allem zwei Autobahnstrecken, die dringend saniert werden müssen. Zum einen die A 5 von Frankfurt nach Darmstadt, deren Betonfahrbahn vollständig zu erneuern wäre. Zum zweiten die A 45 vom Gambacher Kreuz nach Nordrhein-Westfalen, die sogenannte Sauerlandlinie. Diese Sanierung will Minister Tiefensee in einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit der Industrie zustande bringen.

55 Millionen Euro gibt Hessen für Prüfungen und Reparaturen der Brücken aus

Weil die 120 Millionen Euro, die für eine Sanierung der A 5 nötig sind, ausstehen, haben die Behörden zum Schutz der Autobahn und der Autos auf der Strecke vor Darmstadt ein Tempolimit erlassen. „Straßenschäden“ steht auf den Schildern. Auf den anderen Autobahnstrecken in Hessen sieht es besser aus. Mit Ausnahme der beiden oben genannten sind Scherz zufolge alle Autobahnen im Bundesland in einem ordentlichen Zustand.

Und die Brücken? Welche Risiken sie bergen, wenn sie marode sind, ist spätestens nach dem verheerenden Einsturz einer Autobahnbrücke im amerikanischen Minnesota im August 2007 jedem klargeworden. Deutschen Brückenbauern wie Stremmel steht das damalige Desaster als warnendes Beispiel vor Augen, zumal immer noch nicht ganz klar ist, warum die Brücke über den Mississippi geborsten ist. Es sei auf einen Konstruktionsfehler zurückzuführen, hat Stremmel neulich gehört. Dass auch eine seiner Brücken einmal zusammenkracht, kann er sich nicht vorstellen. Schließlich sei das Kontrollsystem gut ausgebaut. Jede hessische Brücke wird alle sechs Jahre einer großen Prüfung unterzogen, einer Art Brücken-TÜV. Alle drei Jahre gibt es eine Zwischenprüfung. Einmal im Jahr wird jedes Brückenbauwerk von einem der 40 Ingenieure der Brückenüberwachung in Augenschein genommen, und jedes halbe Jahr werfen Mitarbeiter der Straßenverwaltung einen kritischen Blick auf jede einzelne Brücke. 55 Millionen Euro gibt Hessen für diese Prüfungen und für Reparaturarbeiten aus, dazu kommen die Aufwendungen der großen Städte für ihre Brücken.

„Unsere Brücken sind sicher“, sagt Stremmel. Allerdings nur, wenn sie weiter laufend gepflegt werden. Die Faustformel der Brückenprüfer lautet: Alle 25 Jahre müssen 20 bis 25 Prozent der Neubausumme investiert werden. Solche Ausgaben summieren sich in einem Durchgangsland wie Hessen mit seinen vielen Fernstraßen. Auch deshalb hat Minister Rhiel in Berlin mehr Geld für den Erhalt des Straßennetzes verlangt.

Weitere Themen

Topmeldungen

Wollen beide die Nachfolge von Theresa May als britischer Premierminister antreten: der amtierende Außenminister Jeremy Hunt (rechts) und sein Vorgänger Boris Johnson

Warnung an Trump : Johnson würde Krieg gegen Iran nicht unterstützen

Militärische Aktionen gegen Teheran seien keine „sinnvolle Option”, sagt der Favorit auf die Nachfolge von Theresa May. Obwohl er damit Trumps Politik untergräbt, glaubt Boris Johnson an einen schnellen Handelsdeal mit Amerika nach dem Brexit.

Geplante Digitalwährung : Wie Facebook für Libra werben will

Facebook plant mit Libra eine Digitalwährung, die das Bezahlen revolutionieren soll. Die Kritik daran ist groß – besonders in Washington. Nun will der Konzern seinen Skeptikern entgegenkommen. Und zugleich eine Warnung aussprechen.
Unser Sprinter-Autor: Felix Hooß

F.A.Z.-Sprinter : Showdown um Europa

In Straßburg geht Ursula von der Leyen heute aufs Ganze. In der Türkei wird derweil der Prozess gegen Deniz Yücel fortgesetzt. Und der Mond hat am Abend auch noch einen speziellen Auftritt. Was sonst noch wichtig ist, steht im F.A.Z.-Sprinter.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.