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Unesco-Welterbestätten : Hessen wirbt um Kultur-Touristen

  • -Aktualisiert am

Regionen um die Welterbestätten sollen aufgewertet werden

Vor gut eineinhalb Jahren hatten das hessische Wissenschaftsministerium und das Landesamt für Denkmalpflege eine Untersuchung mit Vorschlägen für eine bessere Vermarktung vorgestellt. Zum Beispiel soll es Angebotspakete geben, die Besuchern auch die Region um die jeweilige Welterbestätte herum erschließen.

Umgekehrt können jene Regionen aber auch von den Welterbestätten profitieren. Der Rheinsteig etwa. Dieser Wanderweg liegt teils im Oberen Mittelrheintal. „Er wird durch die Anerkennung des Tals als Unesco-Welterbe aufgewertet“, sagt Alexander Hauck, Geschäftsführer der Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH. Er arbeitet grenzüberschreitend mit seinen Kollegen, denn das Welterbe-Tal beginnt zwar im hessischen Rüdesheim, liegt aber vorwiegend in Rheinland-Pfalz.

Zertifikate locken Touristen

Um mehr auf das Welterbe aufmerksam zu machen, soll nicht nur der am Niederwalddenkmal gelegene Osteinsche Park wiederhergestellt, sondern es soll dort auch ein Besucherzentrum errichtet werden. Wie Karl Weber von der Verwaltung der Staatlichen Schlössern und Gärten sagt, soll der Architektenwettbewerb für das Gebäude im Mai entschieden sein.

Ein anderes Mittel, um Aufmerksamkeit bei Touristen zu gewinnen, sind Zertifikate. Während der Rheinsteig schon vom Deutschen Wanderinstitut als „Premiumweg“ ausgezeichnet wurde, soll der Limes-Wanderweg von Rheinbrohl in Rheinland-Pfalz bis zur Saalburg ein ähnliches Prädikat bekommen. Geplant ist nach Auskunft von Alexander Hauck, die Strecke vom Deutschen Wanderverband als „Qualitätsweg“ zertifizieren zu lassen. Das soll noch in diesem Jahr geschehen.

Praktische Schwierigkeiten

Zu dieser Strecke gehört auch der größte Teil des „Limes-Erlebnispfads“ im Hochtaunuskreis. Er führt von Glashütten bis Ober-Mörlen, das schon in der Wetterau liegt. Um ihn kümmert sich eine eigene gemeinnützige GmbH. Wie Hauck, so verspricht sich auch deren Geschäftsführer Gregor Maier von der Zertifizierung des Wanderwegs besser für ihn werben zu können. Gesellschafter der GmbH sind der Hochtaunuskreis und sechs Städte. Der bekannteste Punkt jener Strecke dürfte die Saalburg sein, das vor gut 100 Jahren wieder aufgebaute Römerkastell. In punkto Vermarktung denkt der stellvertretende Direktor Carsten Amrhein weniger an neue Konzepte als an die Lösung praktischer Schwierigkeiten: Seiner Ansicht nach fehlen Parkplätze, fahren Busse zu selten zur Saalburg, und die Bushaltestelle sei einer Welterbestätte auch nicht würdig.

Am Kloster Lorsch wiederum sind nach Auskunft von Karl Weber von der Verwaltung der Schlösser und Gärten bis 2013 größere Änderungen geplant. Beispielsweise soll das Gelände so verändert werden, dass darauf eine Art Abdruck der ehemaligen Gebäude zu sehen sein wird. Es soll zudem ein „Schaudepot“ geben, in dem unter anderem die berühmte Klosterbibliothek in digitalisierter Form zugänglich sein soll. Die Bestände sind in aller Welt verteilt, vor allem im Vatikan gibt es Bücher aus Lorsch. Für die Digitalisierung arbeitet Weber mit der Universitätsbibliothek in Heidelberg zusammen. Die Torhalle und der Rest der Klosterkirche sollen instand gesetzt werden. Außerdem soll ein neues Besucherzentrum entstehen, darin soll auch für andere Ziele in der Region geworben werden.

Gemeinsame Werbung

Wie Weber sieht auch Markus Hoßfeld, Geschäftsführer der Tourismusmarketing GmbH Kreis Bergstraße, ein noch nicht erschlossenes Potential an Besuchern in jenen Städten, die zum ersten Mal in Büchern des Klosters Lorsch erwähnt worden sind. Das Kloster wurde 764 gegründet und war eines der bedeutendsten klösterlichen Zentren der Karolingerzeit.

Hoßfeld ist optimistisch, dass sich gerade eine Stätte wie das Kloster Lorsch gut vermarkten lasse – wegen ihrer historischen wie spirituellen Bedeutung. Das gelte auch für einen Ort wie Seligenstadt mit seiner karolingischen Tradition oder das Kloster Eberbach im Rheingau. Hoßfeld ist dafür, für Stätten wie diese gemeinsam zu werben: „Sonst geht man unter.“

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