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Umweltschützer warnen : Nordsee-Pipeline von K+S gefährde Natur

  • Aktualisiert am

„Monte Kali“: Der Kasseler Düngemittelhersteller K+S produziert Abwasser, das durch seinen hohen Salzgehalt auf das Ökosystem von Flüssen und Meeren einwirken kann. Bild: dpa

Stress für Meerestiere, massenhaft Quallen und Algen: Umweltschützer warnen vor möglichen Folgen einer Pipeline, die Chemieabwässer des Kasseler Unternehmens K+S zur Nordsee bringen soll.

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          Umweltschützer haben vor schweren Schäden im Ökosystem Wattenmeer durch eine Pipeline für Chemieabfälle zur Nordsee gewarnt. Der Plan einer Abwasserleitung für Laugen des hessischen Unternehmens Kali + Salz (K+S) zur Küste sei ökologisch und wirtschaftlich nicht zumutbar, sagten Teilnehmer der Konferenz der Werra-Weser-Anrainer (WWA). Die bis zu 450 Kilometer lange Pipeline könnte für den Kasseler Düngemittelhersteller das Entsorgungsproblem der Salzabwässer lösen. Da der Bau allerdings kostspielig wäre, würde K+S lieber weiter vor Ort entsorgen.

          Gegner und Anrainer forderten am Freitag in Wilhelmshaven einen Stopp der Versalzung der Flüsse Werra und Weser. Stattdessen müssten die Abfälle direkt beim Verursacher aufbereitet werden. Dafür seien technische Verfahren vorhanden, die das Umweltbundesamt derzeit prüfe.

          K+S will lokale Entsorgung des Abwassers

          Das Pipeline-Projekt, dessen Kosten auf eine Milliarde Euro geschätzt werden, sei bisher nicht auf Alternativen untersucht worden und allein deshalb nicht genehmigungsfähig, sagte Konferenzleiter Walter Hölzel. K+S plane mit neuen Verklappungsstellen an der Oberweser oder zur Nordsee die Wasserrahmenrichtlinien der EU zu umgehen. Nach den EU-Vorgaben dürfe sich die Wasserqualität nicht verschlechtern.

          K+S wies die Vorwürfe auf Anfrage zurück. Es soll nur geprüft werden, ob die unterirdisch verlaufenden Rohren aus dem Kali-Revier in Osthessen und Thüringen in die Nordsee nach Wilhelmshaven genehmigt würden oder nicht. „Erst wenn diese Entscheidung getroffen ist, beraten wir, ob wir investieren oder eine Alternative wählen können“, sagte K+S-Sprecher Michael Wudonig.

          Für das Kasseler Unternehmen, das bei seiner Produktion unter anderem Salzabwasser anhäuft, wäre die Nordsee-Pipeline die kostspieligste der drei Varianten, die geprüft werden. Das Unternehmen rechnet allein mit Baukosten zwischen 600 und 900 Millionen Euro. K+S bevorzugt daher weiter eine lokale Entsorgung. Dabei kann zum einen der Untergrund genutzt werden, weil noch bis Ende 2015 das Abwasser in tiefe Gesteinsschichten befördert werden darf. Zudem will K+S auch über das Jahr 2020 hinaus die Flüsse Werra und Weser zur Entsorgung nutzen. Die dritte Option zur Entsorgung der Salzabwässer ist die Oberweser-Pipeline, eine verkürzte Rohrleitung (140 km), hauptsächlich in Nordhessen.

          Es drohe der Verlust von Arten durch Versalzung

          Für die Variante einer langen Nordsee-Pipeline sollen vier Korridore geprüft werden. Da die geplante Rohrleitung auch durch andere Bundesländer führt, stehen neben Hessen auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Raumordnungsverfahren an.

          Bei der Wilhelmshavener Konferenz verwies Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) auf den Schaden des Projekts für die Tourismusregion an der Küste. Ambrosy leitet die Tourismusverbände Nordsee und Niedersachsen.

          Natürliches Meersalz und industrielle Salzlaugen seien grundverschieden, rechnete zudem die Wilhelmshavener Meeresbiologin Gisela Gerdes vor. Die Einleitung von 20.000 Kubikmetern Chemieabwässer bei Wilhelmshaven mit den empfindlichen Öko-Gebieten Jadebusen und Wattenmeer sei ohne eine genaue Kenntnis der Folgen „sträflich“. Eine höhere Schadstoffbelastung bedeute für Meereslebewesen wie Garnelen, Muscheln und andere erheblichen Stress. Es drohe der Verlust von Arten, die Stabilität des Systems sei in Gefahr. Falls das Ökosystem umkippe, könnten sich Quallen und Algen massenhaft vermehren.

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