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Tarek Al-Wazir im Interview : „Es wird keine Revolution geben“

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Nun für Hessens Wirtschaftspolitik verantwortlich: Tarek al-Wazir (Grüne). Bild: Sick, Cornelia

Tarek Al-Wazir (Die Grünen) will nicht alles ändern in der hessischen Wirtschaft. Aber einiges doch, vor allem am Flughafen. Dafür will er sogar mit Daimler reden.

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          Ist es schön, Minister zu sein?

          Ich bin es ja erst seit zehn Tagen. Aber das Leben ist sicherlich insofern anders, als ich jetzt Entscheidungen treffen kann. Bisher musste ich immer nur andere dazu auffordern, etwas zu tun. Aber es wird sicherlich noch eine Zeit brauchen, bis ich in der neuen Rolle angekommen bin. Am Montag stand ich im Stau auf der Autobahn, und mein üblicher Witz über das angeblich staufreie Hessen blieb mir im Halse stecken, als mir auffiel, dass ich jetzt der zuständige Minister bin.

          Was haben Sie denn schon entschieden?

          Nichts Großes, laufende Vorgänge im Ministerium. Wir sind noch in der Orientierungsphase, stellen das Team zusammen. Aller Anfang ist schwer.

          Beim Neujahrsempfang der IHK und Handelskammer Frankfurt waren Sie zwar zugegen, aber das Protokoll sah keine Rede von Ihnen vor. Was hätten Sie denn den Managern und Unternehmern gesagt, wenn Sie gedurft hätten?

          Es gibt eine große Neugier in der Wirtschaft, auch einen Vertrauensvorschuss. Ich bin auch kein Neuling, sondern mit allen seit Jahren im Gespräch.

          Sicher. Aber was hätten Sie in einer Art Grundsatzrede über Ihre Ziele gesagt?

          Dass ich Zusammenarbeit anbiete. Dass vieles richtig läuft, bei der Fachkräftesicherung etwa, und wir dies alles fortsetzen werden. Natürlich auch, dass es einige andere Akzentuierungen geben wird, etwa beim Lärmschutz am Flughafen oder dem Schienennetz im Rhein-Main-Gebiet, dem ich mehr Aufmerksamkeit beimessen möchte. Doch es wird keine Revolution geben.

          Wie wird ein Mittelständler in Hessen den Regierungswechsel spüren?

          Wir haben ein großes Interesse daran, den Mittelstand zu stärken. Und damit ist es mir sehr ernst. Wenn man sich fragt, warum Baden-Württemberg besser dasteht, kommt man zum Ergebnis: Deren Wirtschaftsstruktur ist breiter aufgestellt. Ich will dabei helfen, wenn der Mittelstand ins Ausland geht, wenn er Fachkräfte sucht. Es müssen ja nicht alle Ingenieure zu Siemens gehen, sondern vielleicht auch zu Schunk in Heuchelheim.

          „Wir wollen mehr Unternehmensgründungen“

          Sie haben im Wahlkampf beklagt, dass die durchschnittliche Wachstumsrate Hessens seit Jahren hinter der anderer Bundesländer herhinkt. Es sind jetzt nicht nur Ihre Staus, sondern auch Ihre Wachstumsraten. Wie soll Hessen denn wieder Anschluss finden?

          Natürlich hat Hessens Stärke mit dem Finanzplatz und auch mit dem Flughafen zu tun. Auch wir Grüne wissen um die Bedeutung des Flughafens, genauso wie um dessen negative Auswirkungen. Der Finanzplatz wiederum wird durch die Ansiedlung der europäischen Bankenaufsicht gestärkt. Beides wird immer prägend sein für die hessische Wirtschaft. Aber wir wollen zusätzlich dafür sorgen, dass noch mehr Unternehmen gegründet werden, auch zum Beispiel als Ausgründungen von Hochschulen. Der Aufschwung von Kassel wäre ohne die Gründung der Universität dort vor vier Jahrzehnten nicht denkbar gewesen.

          Die Verknüpfung von Forschung und Unternehmen wird vor allem im House of Finance und im House of Logistics in Frankfurt erreicht. Von Ihrem Vorgänger gab es zuletzt viel Unterstützung für eine weitere Einrichtung dieser Art, das House of Pharma.

          Damit werde ich mich sicherlich beschäftigen. Es gibt zusätzlich die Idee eines House of Energy in Kassel. In dieser Region finden Sie alles, was dazugehört: Unternehmen wie SMA und Viessmann und das Fraunhofer Institut Iwes, das sich mit erneuerbaren Energien befasst.

          „Anachronistisch, dass es an jedem Tag sechs Flüge von Frankfurt nach Stuttgart gibt“

          Zurück zum Flughafen. Er soll einerseits gestärkt werden, andererseits aber mit neuen Beschränkungen zurechtkommen. So steht es im Koalitionsvertrag. Aber das widerspricht sich doch. Wachsen oder schrumpfen - eins geht nur.

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