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Streit um Geld und Gesundheitsschutz : Kita-Streiks zu neuer Verhandlungsrunde intensiver

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Schon am 19. Mai haben Erzieherinnen bei einer Demonstration in Frankfurt am Leib verkündet, was sie wollen Bild: Daniel Nauck

Mit verstärkten Streikaktionen in Kindergärten haben die Gewerkschaften versucht, den Druck in den festgefahrenen Tarifverhandlungen zu erhöhen. In Wiesbaden bleiben 23 der 35 Kindergärten geschlossen, in Mittelhessen etwa 60.

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          Im zähen Tarifstreit bei den kommunalen Kindertagesstätten haben in Frankfurt neue Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften begonnen. Zunächst trafen sich Vertreter beider Seiten zu Sondierungsgesprächen. Verdi und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind mit der Forderung nach einem „substanziell verbesserten Angebot“ der Arbeitgeber in die Gespräche gegangen. Davon hänge der Verlauf der Gespräche ab, sagten Gewerkschaftsvertreter. Beide Seiten zeigten sich skeptisch, bereits am ersten Verhandlungstag eine Einigung zu erzielen.

          Um ihrer Forderung nach mehr Gesundheitsschutz Nachdruck zu verleihen, gingen parallel zu den Verhandlungen wieder tausende Erzieher und Sozialpädagogen auf die Straße. Viele Kindertagesstätten blieben auch am 13. Tag des Ausstands geschlossen. Schwerpunkte waren dabei Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Verdi rechnete in Hessen mit mindestens 4000 Streikenden. Etwa 1000 von ihnen kamen zu einer Demonstration in Griesheim. Der Bürgermeister der südhessischen Gemeinde habe den örtlichen Beschäftigten in einem Schreiben mit Abmahnung oder möglicherweise sogar Kündigung gedroht, wenn sie sich am Streik beteiligen, kritisierte Verdi.

          Notdienste in Wiesbaden

          In Wiesbaden wurden nach Auskunft der Stadt 23 der 35 Kindertagesstätten bestreikt, zwölf boten Notdienste an. Bei einer Kundgebung der Gewerkschaft Verdi in der Innenstadt mit schätzungsweise 200 Teilnehmern klagten Sprecher unter anderem über die hohen Belastungen von Erzieherinnen und die damit verbundenen Gesundheitsgefahren. Auf Transparenten forderten Teilnehmer unter anderem mehr Erzieher und Sozialarbeiter, bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung. Eine Kundgebung war auch in Frankfurt geplant.

          In Mittelhessen blieben am Dienstag nach Verdi-Angaben etwa 60 Kindertagesstätten geschlossen. Rund 350 Erzieherinnen aus 15 Kommunen der Landkreise Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und Gießen kamen zu einer Demonstration mit anschließender Kundgebung nach Marburg. „Da waren auch viele Eltern mit Kindern dabei, da ist Solidarität“, sagte Verdi-Sekretär Jürgen Lauer. Die Eltern hätten ein Interesse daran, dass ihre Kinder von nicht belasteten Erziehern betreut würden statt von gestressten.

          200 bis 1000 Euro mehr gefordert

          Nach Ansicht der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) liegt bereits ein Angebot auf dem Tisch, dessen einzelne Punkte verhandelbar seien. Das bisherige VKA-Angebot bleibt nach Auffassung von Verdi hinter den gesetzlichen Ansprüchen zurück, nach Darstellung der GEW fehlt ihm die Rechtsverbindlichkeit.

          Die Gewerkschaften fordern für die bundesweit 220.000 in städtischen Kitas und Sozialeinrichtungen angestellten Sozialpädagogen und Erzieher einen tarifrechtlich geregelten Gesundheitsschutz mit konkreten Maßnahmen für Lärmschutz und rückengerechtes Mobiliar. Außerdem wollen sie mehr Geld - je nach Gehaltsstufe 200 bis 1000 Euro.

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