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Streit an einem Tag vor zwei Gerichten : Fluglotsen sagen für Donnerstag angesetzten Streik ab

Alles im Blick: Eine Lotsin überwacht im neuen 70 Meter hohen Tower am Frankfurter Flughafen den Verkehr. Bild: AFP

Der für Donnerstag angedrohte Streik der Fluglotsen findet nicht statt. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hat am Abend den Aufruf zurückgezogen.

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          Der für Donnerstag angedrohte Streik der Fluglotsen findet nicht statt. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hat am Abend den Aufruf zurückgezogen. „Wir wollen den Reisenden Sicherheit geben“, sagte ein Gewerkschaftssprecher am Abend dieser Zeitung.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Die Auseinandersetzung innerhalb der Deutschen Flugsicherung (DFS) hatte sich am Mittwoch gleich über zwei gerichtliche Instanzen hinweg fortgesetzt. Zunächst hatte das Arbeitsgericht Frankfurt dem Antrag der DFS auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen den Streik stattgegeben. Zu dem Ausstand hatte die GdF für Donnerstag von 6 bis 12 Uhr aufgerufen. Die Gewerkschafter sind beim Landesarbeitsgericht gegen die Entscheidung der ersten Instanz in Berufung gegangen. Das Gericht wollte am späten Abend zusammentreten, um abschließend über den Streik zu befinden.

          Fluggesellschaften hatten schon Vorbereitungen getroffen

          Das Frankfurter Arbeitsgericht hatte zuvor nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur moniert, dass die GdF unter anderem einen Teil des noch gültigen Manteltarifvertrages zum Gegenstand des Streiks gemacht habe. Für diese Regelung bestehe aber eine Friedenspflicht, solange der Tarifvertrag noch gelte. Ein GdF-Sprecher hatte zuvor dieser Zeitung gesagt, die strittige Passage notfalls aus dem Forderungskatalog zu nehmen, um dann doch noch heute streiken zu dürfen.

          Schon am Dienstag hatten Flughäfen und Fluggesellschaften erste Vorbereitungen getroffen, um für einen Streik am heutigen Vormittag gerüstet zu sein. Auf dem Frankfurter Flughafen stellte die Betreibergesellschaft Fraport mehrere hundert Feldbetten für gestrandete Passagiere bereit. Getränke und Nahrung wurden ebenfalls vorsorglich geordert, wie ein Sprecher sagte.

          Auseinandersetzung geht seit Wochen

          Die Lufthansa hatte gestern zwar schon einen Sonderflugplan für den Fall eines Streiks in der Schublade. Die größte europäische Airline ändere ihre Flugpläne in solchen Fällen aber nicht vorsorglich, sondern erst im Ernstfall, erläuterte ein Sprecher. Bei der Ferienfluggesellschaft Condor hätte ein Streik der Fluglotsen am Vormittag lediglich zur Folge, dass sich einzelne Kurz- und Mittelstreckenflüge verschöben, hieß es.

          Bei der seit Wochen andauernden Auseinandersetzung in der Flugsicherung geht es nicht in erster Linie um mehr Geld, sondern um den Einfluss der operativ tätigen Lotsen auf die Arbeitsorganisation und um die Frage einer Arbeitsverdichtung. Nach Ansicht der Gewerkschafter beabsichtigt die DFS-Leitung, den Einfluss der operativ tätigen Fluglotsen zu schmälern und den leitender Angestellter zu erhöhen. Sie sei eher an der Kostendämpfung als an maximaler Sicherheit interessiert.

          Ebenfalls heftig kritisiert hat die GdF die Forderung der DFS-Spitze, die GdF möge vor der eigentlichen Tarifverhandlung erst einmal einer Steigerung der Obergrenze für verbindliche Überstunden von 80 auf 150 zustimmen. Daneben hatte die DFS angeboten, die Entgelte um 5,2 Prozent zu erhöhen, allerdings in einem für Tarifabschlüsse ungewöhnlich langen Zeitraum von 29 Monaten. Die GdF hatte ihrerseits 6,5 Prozent mehr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert.

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