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„Sensationelles Foto“ : Erstmals Wildkatze in Kellerwald-Edersee abgelichtet

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Das ist sie: die mit einer Nachtsichtkamera fotografierte Wildkatze aus dem Kellerwald Bild: dpa

Zum ersten Mal ist im Nationalpark Kellerwald-Edersee eine Wildkatze nachgewiesen worden. Mitarbeiter von Hessens einzigem Nationalpark haben das ebenso scheue wie seltene Tier am 9. März mit einer Spezialkamera fotografiert. Die Art war um 1950 aus dem Kellerwald verschwunden.

          Zum ersten Mal ist im Nationalpark Kellerwald-Edersee eine Wildkatze nachgewiesen worden. Mitarbeiter von Hessens einzigem Nationalpark haben das ebenso scheue wie seltene Tier am 9. März, morgens um kurz vor sechs Uhr, mit einer Spezialkamera fotografiert. Dies teilte das Nationalparkamt in Bad Wildungen mit. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Hinweise gegeben, dass die zu den seltensten Säugetierarten Deutschlands gehörende Spezies nach einem halben Jahrhundert in den Kellerwald zurückgekehrt ist. Erst jetzt sei dies mit dem „sensationellen Foto“ aber bewiesen worden.

          Auf die Spur kamen die „Ranger“ der Wildkatze durch die sogenannte Lockstock-Methode. Dazu werden im Winter mit Baldrian getränkte Holzpflöcke in den Waldboden gesteckt. In dieser Zeit sind die Katzen auf Partnersuche und die Kater, auch Kuder genannt, durchstreifen auf der Suche nach einer Katze die Waldgebiete. „Der verwendete Baldrian übt auf Wildkatzen eine besondere Lockwirkung aus. Durch den Baldrianduft angelockt, reiben sich Katzen an dem rauen Holzpflock. Die anhaftenden Haare werden gesammelt und bestimmt“, hieß es von den Rangern. In zweifelhaften Fällen kläre eine Genanalyse, ob es sich tatsächlich um eine Wildkatze handelt oder eine Hauskatze einen Ausflug in den Nationalpark unternommen habe.

          Nachtsichtkamera in einem liegenden Baumstamm

          Inzwischen seien gut 150 Lockstöcke verteilt, die weiter bis Ende April regelmäßig alle zehn Tage kontrolliert würden. „In direkter Nähe zu solch einem Lockstock wurde von dem Nationalparkrevierleiter Rudolf Chartschenko und den beiden Nationalparkrangern Markus und Torsten Daume eine Nachtsichtkamera in einem liegenden Baumstamm versteckt. Die Kamera ist zum einem mit einem Bewegungsmelder und zum anderen mit einem Wärmesensor ausgestattet. Der Wärmesender lässt sich so einstellen, dass er nur bei größeren Tieren reagiert.“ Zusätzlich arbeite die Kamera mit einem Infrarotstrahler, um beim Fotografieren nicht auf einen Blitz angewiesen zu sein. Mit diesem technischen Aufwand sei das Foto gelungen.

          In der hessischen Rhön schon seit längerem wieder daheim und nun auch im Kellerwald: die scheue Wildkatze

          Wildkatzen sind überaus scheue Tiere, die große unzerschnittene Waldgebiete besiedeln. Dabei bevorzugt sie lichte Wälder und Waldlichtungen mit viel Grasbewuchs, da sie dort viele Mäuse ­ ihre Hauptnahrungsquelle ­ erbeuten kann. Sie verschmähen aber auch Insekten, Eidechsen, Fische und kleine Vögel nicht. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Lebensraumes sind Baumhöhlen, in denen die Jungen bevorzugt aufgezogen werden. Als Tagesversteck dienen „Felis silvestris“ auch Felshöhlen, verlassene Fuchs- und Dachsbaue oder trockene, nicht einsehbare Bodenmulden oder Wurzelteller.

          Zuvor 1950 aus Nordhessen verschwunden

          Wildkatzen sind kaum größer als Hauskatzen und wiegen vier bis fünf Kilo. Sie werden sieben bis zehn Jahre alt, die Weibchen bekommen je Wurf zwei bis vier, höchstens sechs Junge. Die Wildkatze war um 1950 aus dem Kellerwald verschwunden. Im Rothaargebirge, Reinhardswald und Knüllwald gibt es bereits nachgewiesene Vorkommen.

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