https://www.faz.net/-gzg-y6bu

Schwierige Standortsuche : Drogeriekette dm wächst in Frankfurt besonders stark

An 19 Standorten in Frankfurt vertreten und an 116 in Hessen insgesamt: dm Bild: dpa

Die Umsatzzuwächse der Drogeriemarktkette dm sind in Frankfurt noch höher als im Bundesdurchschnitt. Das Haus möchte expandieren, doch geeignete Standorte sind nicht leicht zu finden.

          Noch gilt dm als Nummer Zwei der Drogeriemarktketten nach Schlecker und vor Rossmann. Aber das Unternehmen aus Karlsruhe ist weiter auf Expansionskurs. Von Krise keine Spur. Auch in Hessen soll das Filialnetz weiter wachsen, wie Ina Gerhard, bei dm für das Rhein-Main-Gebiet verantwortlich ist, sagte.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Das gilt gerade auch für Frankfurt, wo im vergangenen Jahr zwei Dependancen hinzugekommen sind; eine an der Leipziger Straße, wo es nun zwei gibt, und eine an der Königsteiner Straße in Höchst. Damit ist dm 19 Mal in der Stadt vertreten, wobei es gerne mehr sein dürfte, wie Gerhard hervorhob. Doch ganz so einfach ist es nicht, einen neuen Standort zu finden, der den Ansprüchen genügt. Denn anders als bei Schlecker, war es niemals die Strategie von dm, das Filialnetz um jeden Preis zu vergrößern, egal wo ein vakantes Ladenlokal liegt und wie klein es ist. Um die 500 Quadratmeter sollte die jeweilige Filiale schon haben, weil man den Kunden sonst nicht das gesamte Sortiment präsentieren könne. Abseits gelegene Standorte, wie bei Schlecker lange üblich kommen bei dm auch nicht in Frage. Um trotzdem weiter an der richtigen Stelle wachsen zu können, erweitert dm bestehende Filialen, wenn etwa ein benachbartes Ladenlokal frei wird. Beispielsweise in Oberursel war das möglich.

          4,074 Milliarden Euro in Deutschland

          Wie den nun vorgelegten Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2009/2010 zu entnehmen ist, scheitert der Wunsch nach Expansion ganz sicher nicht an zu geringen Erträgen: Der Kette ist es erstmals gelungen, in Deutschland die Umsatzgrenze von vier Milliarden Euro zu überschreiten, genau waren des den Angaben zufolge 4,074 Milliarden Euro. Das Auslandsgeschäft hinzugenommen, erwirtschaftete die Drogeriemarktkette mit ihren 36 224 Mitarbeiter in gut 2400 Filialen einen Umsatz in Höhe von 5,647 Milliarden Euro. In Hessen betreibt das 1973 von Götz Werner gegründete Unternehmen 116 Drogeriemärkte, in ganz Deutschland 1185. Am Ende des gerade begonnen Geschäftsjahres sollen es, wie Gerhard weiter wissen ließ, neun neue Dependancen in Hessen geben, alles in allem also 125. Vor einem Jahr waren es noch 105 gewesen.

          Hessen kauften im vergangenen Jahr bei dm noch mehr ein als die Bundesbürger im Durchschnitt. Jedenfalls wuchs der Umsatz in Hessen, wo dm 1557 Mitarbeiter zählt, um 11,1 Prozent, in Frankfurt gar um 13,4. Bundesweit lag der Zuwachs bei 8,7 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs in Frankfurt um 22 auf 303.

          Schleckers Plan

          Derweil ist die Nummer Eins der Drogerieketten Schlecker weiter gezwungen, Filialen zu schließen, weil sie unrentabel sind. Wie Marktforscher berichten, funktioniert auch Schleckers Plan nicht, mit Hilfe von sogenannten Schlecker XL-Märkten die Strategie von dm erfolgreich zu kopieren, die auf größeren und freundlich gestalteten Märkten basiert.

          Ende dieses Jahres, so war einmal die Vorgabe, sollte es 1000 Schlecker XL-Märkte geben, 250 bis 300 seien es bisher tatsächlich, wie Marktforscher weiter berichten. Wie es dort weiter heißt, ist inzwischen auch bei vielen Kunden angekommen, dass Schlecker zwar billig auftritt, aber keineswegs wirklich der günstigste Anbieter ist. Zudem steht das von Metzgermeister Anton Schlecker gegründete Unternehmen nach wie vor im Ruf, mit allen Mitteln zu versuchen, keine Tariflöhne zahlen zu müssen. Nach Erkenntnissen der Kölner Marktforscher der Yougov Psychonomics AG ist aber auch das Image, das ein Unternehmen als Arbeitgeber hat, längst bei der Entscheidung der Konsumenten von Gewicht, bei wem sie ihre Waren einkaufen und bei wem nicht. Im Vergleich schneidet dabei dm stets ungleich viel besser ab als Schlecker.

          Mindestens der Tariflohn

          Der gute Ruf von dm als fairer Arbeitgeber gründet sich dabei nicht nur darauf, dass dort mindestens der Tariflohn gezahlt wird sowie Urlaubs und Weihnachtsgeld, wie Gerhard sagt. Die Kette schütte in jedem Jahr, in dem die Geschäfte gut laufen, auch einen erheblichen Betrag an die Mitarbeiter in Form von Gutscheinen aus. In diesem Jahr seien das acht Millionen Euro, was bei einem Vollzeitmitarbeiter mit 600 Euro zusätzlich zu Buche schlage. Und trotzdem hat dm auch Sorgen, was die Belegschaft betrifft: Das Haus findet nicht genug geeignete junge Frauen und Männer, die Interesse daran haben, den Beruf des Drogisten zu erlernen, obwohl der Beruf anspruchsvoll und Perspektivenreich sei. So könnten junge Leute nach der Ausbildung rasch selbst Verantwortung in einer Filiale übernehmen.

          Das Problem ist Gerhard zufolge n der Region Frankfurt größer als in eher ländlichen Gebieten. Dort seien die jungen Leute oft motivierter und nutzen ihre Chancen ernsthafter. Um die Nachwuchsschwierigkeiten zu überwinden, stellt dm den Drogistenberuf in den Schulen selbst vor und bietet Praktika an. Dabei hätten nicht nur Gymnasiasten und Mittelschüler, sondern auch Hauptschüler mit einem „ordentlichen Zeugnis“ gute Chancen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angriff auf Eritreer : Opfer wegen der Hautfarbe

          Der Schütze von Wächtersbach handelte aus rassistischen Motiven. Der niedergeschossene Eritreer war laut den Ermittlern ein Zufallsopfer. Ein Abschiedsbrief liefert ein weiteres Detail zur Tat.
          Blick ins Zwischenlager in Gorleben (Bild aus 2011)

          Atommüll-Entsorgung : So arbeitet Deutschlands erster Staatsfonds

          Wie kann man heute 24,1 Milliarden Euro anlegen? Die Antwort muss die Stiftung geben, die zur Finanzierung der Atommüll-Entsorgung gegründet wurde. Jetzt soll erstmals ein Gewinn zu Buche stehen.
          Außenminister: Jean-Yves Le Drian (links) und Heiko Maas (rechts)

          Regierungsbeschluss : Berlin will vorerst keine Schiffe an den Golf schicken

          Außenminister Heiko Maas will sich der Strategie Amerikas nicht anschließen. Da ist er sich mit seinem englischen und französischen Amtskollegen einig. Stattdessen sieht er die Anrainer in der Pflicht.
          Winfried – Markus, Markus – Winfried: Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Bayern, Kretschmann und Söder, in Meersburg

          FAZ Plus Artikel: Bayern und Baden-Württemberg : Auf der Südschiene

          Markus Söder und Winfried Kretschmann bemühen sich um Nähe zueinander. Der eine will umweltfreundlicher wirken, der andere ein wenig konservativer. Und beide sind sich einig, dass Deutschland einen starken Süden braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.