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Schweinegrippe : Isolation und Bettruhe

  • -Aktualisiert am

Noch werden Probanden zur Erprobung eines Impfstoffes gegen den Schweinegrippen-Virus gesucht. Bild: DDP

Hessische Patienten, die in diesen Tagen mit Grippesymptomen ihren Hausarzt aufsuchen, werden in der Regel nicht mehr mit Laboruntersuchungen auf die Schweinegrippe getestet. Selbst Erkrankte erhalten nur in Ausnahmefällen ein Rezept für das virushemmende Medikament Tamiflu.

          Hessische Patienten, die in diesen Tagen mit Grippesymptomen ihren Hausarzt aufsuchen, werden in der Regel nicht mehr mit Laboruntersuchungen auf die Schweinegrippe getestet. Selbst Erkrankte erhalten nur in Ausnahmefällen ein Rezept für das virushemmende Medikament Tamiflu. Kliniken sollen Patienten, die sich dort mit dem Verdacht auf Schweinegrippe melden und keine ungewöhnlich schweren Symptome zeigen, an Hausärzte verweisen.

          Wer zum Beispiel über die typischen Beschwerden wie Fieber, Schüttelfrost, Husten und Gliederschmerzen klagt und gleichzeitig eines der weiteren Verdachtsmerkmale erfüllt, zum Beispiel von einer Spanienreise zurückgekehrt ist, kann von seinem Arzt jetzt anhand dessen als Schweinegrippekranker diagnostiziert werden. Berufstätige Patienten erhalten dann einen Krankenschein, meist für die Dauer von sieben Tagen. Um keine weiteren Personen anzustecken, sollen Erkrankte den Kontakt in der Familie auf ein Minimum einschränken, sich nach Möglichkeit in einem getrennten Raum aufhalten, in der Öffentlichkeit, zum Beispiel beim Einkaufen, einen Mund-Nasen-Schutz tragen und beim Husten oder Niesen ein Papiertaschentuch benutzen. Familienmitglieder von Erkrankten, die selbst keine Symptome zeigen, müssen nur dann ebenfalls auf berufliche Tätigkeiten verzichten, wenn sie engen Kontakt zu Risikogruppen haben, also zum Beispiel als Krankenschwester arbeiten.

          Neue Influenza verläuft momentan harmloser als saisonale Grippe

          Die neuen Verhaltensrichtlinien für Ärzte und Krankenhäuser zur Influenza A/H1N1 gehen auf eine Absprache zwischen den Bundesländern und dem Robert-Koch-Institut zurück. Ihr zufolge sollen nur noch komplikationsgefährdete Personen wie chronisch Kranke oder Schwangere Tamiflu erhalten, da bei ihnen schwere Krankheitsverläufe zu befürchten sind. Den zu Anfang der Pandemie in Verdachtsfällen zunächst angewandten Schnelltest sollen Ärzte nun nicht mehr nutzen, da er ungenaue Ergebnisse liefert. Die Laboruntersuchung des Rachen- und Nasenabstrichs bleibt Patienten mit sehr schweren Symptomen vorbehalten und Kranken, bei denen Komplikationen erwartet werden, aber noch keine eindeutige Diagnose gestellt werden konnte.

          „Dass die Eindämmungsmaßnahmen gelockert wurden, verunsichert die Bevölkerung“, sagte der Leiter des Gesundheitsamts Wiesbaden, Holger Meireis. Da die neue Influenza aber milder verlaufe als die saisonale Grippe der Wintermonate, habe der Verzicht auf die Tests und die restriktive Verschreibung von Tamiflu für die Patienten keine negativen Folgen. Die Diagnostik allein anhand der Symptome verursache allerdings eine Unschärfe in der Statistik: Weil nicht mehr alle der bisher 413 in Hessen gemeldeten Fälle auch im Labor bestätigt seien, könnten auch einige zu viel gezählt worden sein. In den vergangenen sechs Tagen wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Hessen 81 Neuinfektionen gemeldet. Die meisten Fälle gibt es in Hessen bislang im Lahn-Dill-Kreis, wo 35 Erkrankungen registriert sind. In Frankfurt waren es 26, nur in Offenbach gab es noch keinen Fall.

          Teilnahme an klinischer Studie möglich

          Das Universitätsklinikum Frankfurt bestätigte am Dienstag, dass die Notaufnahme sich an die Richtlinie halte und Personen mit Grippesymptomatik nur noch ausnahmsweise untersuche. Aus dem Universitätsklinikum Mainz hieß es hingegen, die Schweinegrippe sei zwar Sache der hausärztlichen Versorgung, es werde aber niemand, der untersucht werden wolle, abgewiesen. Im Gegensatz zu den hessischen Kliniken gibt das Mainzer Klinikum auch weiterhin Labortests in Auftrag und verordnet nach positivem Schnelltest Tamiflu.

          Der Pandemiebeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Harald Herholz, sagte, im Gegensatz zu den Kliniken dürften niedergelassene Ärzte keine Patienten abweisen. Erkrankte werden jedoch gebeten, den Arzt vor dem Besuch von ihrem Verdacht zu informieren.

          Menschen, die noch vor der Ausgabe des neu entwickelten Impfstoffs im Herbst dessen Verträglichkeit testen möchten, können an einer klinischen Studie der Universität Mainz teilnehmen. Gesucht werden Probanden im Alter zwischen sechs Monaten und 99 Jahren. Informationen dazu gibt es unter der Telefonnummer 06131/173090.

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