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Schulpolitik : Weniger Lernstoff, mehr Freiheit für Schulen

  • -Aktualisiert am

Derzeit unterrichten in Hessen 263 Gymnasien und kooperative Gesamtschulen nach G8 Bild: dpa

Kultusminister Banzer reformiert die umstrittene G8-Regelung. Die Zahl der Klassenarbeiten wird ebenso reduziert wie die Menge der Hausaufgaben. Acht Jahre bis zum Abitur soll der Normalfall werden.

          Mit einfacheren Lehrplänen und mehr Entscheidungsfreiheit für die Schulen will Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) den Kritikern der auf acht Jahre verkürzten Gymnasialschulzeit entgegenkommen. Der CDU-Politiker legte in Wiesbaden ein Elf-Punkte-Programm vor (siehe: Das Elf-Punkte-Programm für die G8-Schulen), das zudem den kooperativen Gesamtschulen die Wahl zwischen der „G8-Regelung“ und dem herkömmlichen neunjährigen Gymnasialzweig lässt. Er sei überzeugt, dass die Belastungen für die Schüler nach der Reform erträglicher würden.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Banzer sieht sein Konzept, das zu Beginn des nächsten Schuljahrs in Kraft treten soll, als „Dehnungsfuge“ für eine Übergangszeit, in der sich die G8-Regelung bewähren werde. „Ziel muss es sein, dass acht Jahre bis zum Abitur der Normalzustand sind.“ Man müsse „nicht besonders schlau sein“, um das Abitur in dieser Zeit zu schaffen; das beweise die Tatsache, dass nicht nur in 15 von 16 Bundesländern, sondern auch in den meisten europäischen Staaten G8 Normalität sei.

          Stundenpensum soll flexibler verteilt werden

          Der Minister versprach, die Straffung der Lehrpläne werde das Abitur nicht entwerten, wie es beispielsweise die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände befürchtet, die vor einem „Abitur light“ warnte. Der Unterricht werde in Absprache mit dem Landeselternbeirat mehr auf die Vermittlung von „Kern- und Methodenkompetenz“ ausgerichtet sein, sagte Banzer. Kriterium sei die Hochschulreife der Schüler, nicht die Wissensmenge. Er wolle „keinen Schüler verlieren“ und nicht weniger Abiturienten sondern „eher mehr“. Derzeit unterrichten in Hessen 263 Gymnasien und kooperative Gesamtschulen nach G8. Die 87 integrierten Gesamtschulen führen in neun Jahren zum Abitur.

          Nach den Plänen Banzers können die Schulen das Stundenpensum künftig freier über die Jahrgangsstufen verteilen und flexibler für Förderunterricht nutzen. Die Zahl der Klassenarbeiten wird ebenso reduziert wie die Menge der Hausaufgaben. Zudem sollen in den fünften Klassen der G8-Schulen schon vom nächsten Schuljahr an möglichst nur noch maximal 30 Schüler unterrichtet werden. Ferner können die Schulen selbst entscheiden, wann sie mit der zweiten Fremdsprache beginnen.

          Sein Programm kann der Minister nach eigener Darstellung weitgehend ohne Zustimmung des Landtags umsetzen. Lediglich bei der Wahlfreiheit für die kooperativen Gesamtschulen sei er auf das Parlament angewiesen, doch zeichne sich dort die Unterstützung von CDU, FDP und Grünen ab. Die Überlegung, auch den Gymnasien die Entscheidung über acht oder neun Jahre bis zum Abitur zu erlauben, verfolge er nicht weiter. Er erwarte auch nicht, dass der Landtag eine solche Forderung erheben werde, die an den Gymnasien „eher skeptisch“ beurteilt werde.

          SPD: Pläne sind unzureichend

          Der Landtag wird abermals über die Schulpolitik debattieren. Banzer will sein Programm, das er ausdrücklich als Vorschlag und nicht als Vorgabe verstanden haben wollte, zudem bei drei Regionalkonferenzen mit den Leitern aller zum Abitur führenden Schulen besprechen. „Mir bricht kein Zacken aus der Krone, danach noch etwas zu ändern.“

          Die SPD wertete Banzers Pläne als unzureichend. Die Veränderungen dürften nicht nur für Gymnasien gelten, forderte die Landtagsabgeordnete Heike Habermann. Im Gegensatz zum Minister strebe ihre Partei an, dass die Mittelstufe im Normalfall wieder sechs Schuljahre umfasse. Um dennoch das Abitur nach zwölf Schuljahren erreichen zu können, sei die gymnasiale Oberstufe so zu reformieren, dass sie in zwei Jahren zu schaffen sei.

          Die FDP dagegen lobte das Elf-Punkte-Programm. „Der Brandherd G8 wird gelöscht“, äußerte Dorothea Henzler. Bauchschmerzen bereite aber die Bevorzugung der Gymnasien durch zusätzliche Lehrer für die Eingangsklassen. Die Grünen sehen Banzer näher an ihrem eigenen Sofortprogramm als an den bisherigen Positionen der CDU. Allerdings dürfe er sich nicht als „Gymnasialminister“ missverstehen, sondern müsse alle Schulformen im Blick haben, monierte Mathias Wagner.

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