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Schuldorf Bergstraße : Ein weiträumiger Campus im Wald

  • -Aktualisiert am

Weitläufig: Klassenzimmer und Funktionsbauten liegen über den Schulcampus verstreut. Bild: Florian Manz

Das Schuldorf Bergstraße ist eine Besonderheit in der hessischen Schullandschaft. Bei der Gründung standen die Amerikaner Pate.

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          Der parkähnliche Campus mitten in einem Kiefernhain ist wohl einmalig für eine hessische Schule. Das Schuldorf Bergstraße wurde einst so angelegt: Auf dem 18 Hektar großen Gelände stehen einzelne Gebäude, die je nach Schulform entlang unterschiedlicher Straßen angeordnet sind. Dazu gibt es Gemeinschaftseinrichtungen und Sportplätze mit viel Wald und Feld rundum. Dahinter steckte der Wunsch der Amerikaner, nach dem Zweiten Weltkrieg den wilhelminischen Geist aus deutschen Köpfen auszutreiben. Enge Schulgebäude schienen ihnen dafür ungeeignet. „Reeducation“ sollte vielmehr auf einem Campus nach amerikanischem Vorbild geschehen. 1954 begann der Unterricht in der ältesten Gesamtschule Deutschlands – nach dem Vorbild der amerikanischen Community School.

          Hier entstand auch die erste Förderstufe in Hessen. Erklärtes Ziel war, das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland zu überwinden. Für Reformen war das Schuldorf immer gut, siedelte doch die hessische Referendarausbildung auf dem nahegelegenen Schloss Heiligenberg über Jugenheim. Vieles aus der Anfangszeit ist geblieben, wird aber mit kritischen Augen betrachtet. Manche Reform wurde auch wieder zurückgedreht. Das Schuldorf Bergstraße ist direkt dem Kultusministerium in Wiesbaden unterstellt, genießt ein großes Maß an Selbständigkeit.

          Die Kommunikation muss verbessert werden

          Fragt man Schüler wie Lehrer, sind sie von dem Grundgedanken begeistert: Unterricht in Einzelgebäuden inmitten von Wald. In einem Schulkomplex mit mehreren Stockwerken möchten sie nicht arbeiten. Die Kinder und Jugendlichen finden es auch gut, in sogenannten Straßen in ihrer jeweiligen Schulform unter sich zu sein. Habe man einmal verstanden, wo man hingehöre, so störe man sich nicht mehr an den schwierigen Wegebeziehungen.

          Auf Nachfrage wird aber auch der Nachteil rasch genannt: die große Fläche, die Unüberschaubarkeit, die Gefahr der Entfremdung. So haben die 200 Lehrer mehrere Lehrerzimmer, man kennt einander kaum, begegnet sich allenfalls in Gremien. Seit Jahren lautet das Mantra der Schule: Die Kommunikation muss verbessert werden.

          Von der Grundschule bis zum Abitur

          2150 Schüler zählt das Schuldorf derzeit: Hier können sie lernen von der Grundschule bis zum Abitur. Hinzu kommt die Internationale Schule, die den letzten Abschnitt ihres Ausbaus erreicht hat. Das Schuldorf liegt im Dreieck zwischen den Kommunen Bickenbach, Seeheim und Jugenheim, Letztere seit den siebziger Jahren vereinigt. Zum Einzugsgebiet zählen auch Alsbach-Hähnlein, Zwingenberg und Darmstadt-Eberstadt. Nicht immer verlief die Planung und der Ausbau in den Anfangsjahren einvernehmlich zwischen den Kommunen, mal holte Seeheim die Grundschule wieder in die eigene Verwaltung, dann wurde sie wieder abgegeben an das Schuldorf. Der Kindergarten gehört nicht mehr dazu, die Berufsschule gibt es schon lange nicht mehr.

          Die Größe der Schule ermöglicht auch eine hohe Vielfalt. Die gymnasiale Oberstufe zählt allein 450 Schüler, was ein weitreichendes Kursangebot mit sich bringt, hinzu kommen 800 bis 900 in der gymnasialen Mittelstufe, 400 in der Förderstufe und 200 in der Grundschule. Die anders organisierte Internationale Schule hat im ausgehenden Schuljahr 270 Schüler.

          Kooperation mit anderen Schulen bringt Nutzen

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