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Schüler-Boom-Prognose : Opposition sieht hessische Schulen schlecht vorbereitet

  • Aktualisiert am

Fleißige Teilnahme: Schüler melden sich im Unterricht einer hessischen Grundschulklasse. Bild: dpa

Zuwanderung und steigende Geburtenraten sorgen künftig für volle Klassenzimmer - so sagt es eine Studie voraus. Die Opposition im Landtag sieht Hessen schlecht vorbereitet und äußert scharfe Kritik.

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          Die Opposition im Landtag sieht Hessen angesichts eines in einer Studie prognostizierten Schüler-Booms schlecht vorbereitet. Der Lehrermangel werde sich in den nächsten Jahren weiter verschlimmern, befürchtet Christoph Degen von der SPD-Fraktion in Wiesbaden. Das Land habe die Lehrerausbildung vernachlässigt und sich darauf verlassen, dass die Schülerzahlen sinken.

          Die Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh veröffentlichte am Mittwoch eine Studie, der zufolge bis 2030 viel mehr Kinder zur Schule gehen als bislang angenommen. Länder und Kommunen müssten mit jährlich 4,7 Milliarden Euro höheren Bildungskosten rechnen.

          Den neuen Berechnungen zufolge steigt die Schülerzahl in Deutschland von knapp 8 Millionen (2015) um 8 Prozent auf fast 8,6 Millionen in 13 Jahren. Im Gegensatz dazu wurde bisher ein Absinken auf gut 7,2 Millionen Schüler bis 2025 prognostiziert. Zahlen für die einzelnen Länder wurden nicht genannt.

          Die Linke: „Das Land hat sich mächtig verspekuliert“

          Bislang basieren die Berechnungen der Kultusministerkonferenz der Bundesländer auf Schülerzahlen aus dem Jahr 2012. Seitdem ist die Geburtenrate aber fünfmal in Folge gestiegen, und der Flüchtlingszustrom 2015/16 hat bis zu 300.000 zusätzliche Schüler nach Deutschland gebracht.

          Der FDP-Abgeordnete Wolfgang Greilich forderte von der schwarz-grünen Landesregierung eine umfassende Erklärung für die erheblichen Unterschiede zwischen den bisherigen Vorhersagen und der Studie. Auch Gabi Faulhaber von den Linken resümierte, das Land habe „sich mächtig verspekuliert“. Dies betreffe nicht nur das Lehrpersonal, sondern auch den Ausbau der Schulgebäude.

          Ein Sprecher des hessischen Kultusministeriums nannte die Zahlen aus der Bertelsmann-Studie „nicht überraschend“. Das Land habe bereits reagiert und 2016 rund 800 neue Lehrerstellen geschaffen, 2017 kämen nochmal 1100 hinzu. Außerdem sei mit den hessischen Universitäten vereinbart worden, die Ausbildung von Grund- und Förderschullehrern auszubauen. „Wir haben die steigenden Schülerzahlen im Blick.“

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