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Rückzug aus SPD-Bundesvorstand : Ypsilanti verzichtet und kritisiert Kritiker

  • Aktualisiert am

Keine Lust mehr auf SPD-Bundesvorstand: Andrea Ypsilanti Bild: dpa

Die frühere hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti zieht sich aus dem Bundesvorstand ihrer Partei zurück. Dies kündigte sie in einem Brief an, in dem sie auch mit parteiinternen Kritikern abrechnet.

          Die frühere hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti zieht sich aus dem Bundesvorstand ihrer Partei zurück. In einem Brief kündigte sie den Verzicht auf eine erneute Kandidatur beim Bundesparteitag Mitte November in Dresden an. Auf mittlere Sicht schließe sie eine erneute Bewerbung für den Parteivorstand nicht aus, heißt es in dem dpa vorliegenden Brief, über den am Donnerstag zuerst die Online-Ausgabe des Magazins „Stern“ und der Hessische Rundfunk berichtet hatten.

          In dem Schreiben rechnet Ypsilanti auch mit parteiinternen Kritikern ab.
          Ypsilanti war im vergangenen November auf spektakuläre Art gescheitert, Ministerpräsidentin einer rot-grünen Minderheitsregierung mit Hilfe der Linken zu werden. Vier Abgeordnete aus der eigenen Fraktion verweigerten ihr wegen der geplanten Zusammenarbeit mit der Linkspartei einen Tag vor der Wahl die Stimme.

          Vorwürfe gegen Widersacher

          Auf diese Geschehnisse bezieht sich Ypsilanti auch in ihrem Brief. Das SPD-Präsidium mit Willy Brandt, Johannes Rau und Hans-Jochen Vogel habe einst den hessischen SPD-Politiker Holger Börner bei dessen erstem Experiment mit einer rot-grünen Koalition unterstützt. „Die hessische SPD und insbesondere ich als Person wurden hingegen systematisch von denen diskreditiert, die mit inhaltlichen Wortbrüchen (Teile der Agenda 2010, Mehrwertsteuererhöhung etc.) zum Identitätsverlust der SPD und in der Folge zu Hunderttausenden Parteiaustritten und serienmäßigen Niederlagen beigetragen haben“, heißt es in dem Schreiben. „Die dafür Verantwortlichen der Bundespartei haben allerdings bis heute ihre Rolle bei den dramatischen Ereignissen in Hessen im letzten Jahr nie selbstkritisch reflektiert.“

          Im SPD-Bundesvorstand saßen für die Hessen-SPD bislang neben Ypsilanti die beiden Bezirkschefs Gernot Grumbach und Manfred Schaub. Als einen der drei Vertreter hat der Landesvorstand bereits den jetzigen Landesvorsitzenden und Ypsilanti-Nachfolger Thorsten Schäfer-Gümbel nominiert. Die Hessen-Nord will wieder den Baunataler Bürgermeister Schaub ins Rennen schicken. Ob Grumbach erneut kandidiert, ist noch offen. Dem SPD-Bundesvorstand gehören neben dem Parteivorsitzenden und seinen Stellvertretern auch der Generalsekretär und der Schatzmeister an. Daneben gibt es momentan 39 sogenannte Beisitzer, die für zwei Jahre gewählt wurden.

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