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Reaktion auf Ärztemangel : Hessens Kliniken: Zulagen statt „Fangprämien“

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Auch in Hessen lassen sich Kliniken etwas gegen den Ärztemangel einfallen, es gibt satte Zulagen Bild: ddp

Mit „Fangprämien“ von 4000 Euro werben Krankenhäuser im ländlichen Niedersachsen Assistenzärzte an. Auch in Hessen lassen sich Kliniken etwas gegen den Ärztemangel einfallen, es gibt satte Zulagen. Doch auch bessere Arbeitsbedingungen könnten Ärzte anlocken.

          Hessen muss wie andere Bundesländer mit Geld um Krankenhausärzte werben. Zwar sei von Lockprämien wie derzeit in Niedersachsen nichts bekannt, doch auch in Hessen werde um die Gunst der Ärzte gebuhlt: „Das wird anders verpackt - in Form von Zulagen“, sagte der Vize-Geschäftsführer der Ärztegewerkschaft Marburger Bund in Hessen, Andreas Wagner. Solche Zulagen bekämen vor allem Spezialisten, die sich an Kliniken in ländlichen Regionen verpflichten.

          Er wisse auch von einem Fall aus dem Rhein-Main-Raum, bei dem ein Berufsanfänger mit 400 Euro brutto Zulage geködert wurde. „Der Ärztemangel ist derzeit einfach so eklatant“, sagte Wagner. „Für besonders spezialisierte Oberärzte zum Beispiel werden überall übertarifliche Gehaltspakete geschnürt“, erklärte er weiter.

          „Begrüßungsprämie“ von bis zu 4000 Euro

          In Niedersachsen zahlt das Heidekreis-Klinikum in Soltau jedem Assistenzarzt, der anheuert, eine einmalige Pauschale von 4000 Euro. Mitarbeiter, die erfolgreich Assistenzärzte vermitteln, erhalten eine Prämie von 2000 Euro. In Hessen waren solche „Fangprämien“ zuletzt bei der Wicker-Gruppe bekanntgeworden. Das Unternehmen mit Sitz im nordhessischen Bad Wildungen, das überwiegend Reha-Kliniken betreibt, lockte in seinen Stellenanzeigen mit einer „Begrüßungsprämie“ von bis zu 4000 Euro. Aktuell wirbt die Wicker-Gruppe nicht mehr damit und war für eine Stellungnahme am Freitag nicht zu erreichen.

          „Wir finden das nicht völlig unmoralisch“, sagte die Sprecherin der Landesärztekammer Hessen, Katja Möhrle, „aber nur Geld ist der falsche Ansatz, damit werden die Probleme nicht gelöst“. Die Kammer fordere bessere Arbeitsbedingungen, um Krankenhausstellen attraktiver zu machen - das beziehe sich auf die Arbeitszeiten oder auch auf Möglichkeiten der Kinderbetreuung. „Ein wichtiger Punkt ist, dass der Beruf mit Familie besser vereinbar werden muss. Gerade weil es immer mehr Frauen sind, die in den Beruf drängen.“ Aber auch für Männer werde die Vereinbarkeit des Berufs mit Familie immer wichtiger.

          In 76 Prozent der Kliniken unbesetzte Stellen

          Es dauere immer länger, freie Ärztestellen in Kliniken zu besetzen, sagte Hans Ditzel, Sprecher der Hessischen Krankenhausgesellschaft (HKG). Die HKG hatte Ende Februar die Ergebnisse einer Stichprobenerhebung veröffentlicht: 93 Prozent der Krankenhäuser, die im November 2009 an der Umfrage teilnahmen, hatten Probleme Arztstellen zu besetzen. In 76 Prozent der Kliniken gab es unbesetzte Stellen im ärztlichen Dienst. Hochgerechnet entspreche das einem Ärztemangel von etwa 580 Stellen an hessischen Krankenhäusern.

          Insbesondere fehle es an Anästhesisten, gefolgt von Chirurgen, Gynäkologen, Fachärzten für Innere Medizin sowie Neurologen und Neurochirurgen. Zum Jahresende 2008 gab es landesweit 9294 Klinik- Ärzte, dies ist die aktuellste Zahl des Statistischen Landesamtes.

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