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Psychischer Druck : Enkeltrick-Betrüger werden immer raffinierter

Senioren: sollen besser vor Enkeltrick-Betrügern geschützt werden Bild: dpa

Ein junger Mann meldet sich bei einer älteren Frau und behauptet, ihr Enkel zu sein. Er sei in einer finanziellen Notlage und brauche Geld. Diese Masche ist seit zehn Jahren unter dem Namen „Enkeltrick“ bekannt. Dennoch schaffen es die Täter immer wieder, ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen - mit immer raffinierteren Methoden.

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          Die Fälle ähneln sich: Ein junger Mann meldet sich bei einer älteren Frau und behauptet, ihr Enkel zu sein. Er sei in einer finanziellen Notlage und brauche Geld. Er fordert 20.000 Euro, manchmal sogar mehr. Sobald das Geld abgehoben ist, schickt er einen „Bekannten“, der die Summe in Empfang nimmt. Dass es sich bei dem „Enkel“ am Telefon gar nicht um einen Verwandten gehandelt hat, sondern um einen Betrüger, merken die Opfer oft viel zu spät. Dann ist das Geld schon verloren.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Masche ist seit zehn Jahren unter dem Namen „Enkeltrick“ bekannt. Und dennoch schaffen es die Täter immer wieder, ältere Menschen um ihr gesamtes Erspartes zu bringen – mit immer raffinierten Methoden. 145 Mal sind in den vergangenen 18 Monaten potentielle Opfer in Hessen angerufen worden. In vielen Fällen sind die Rentner rechtzeitig misstrauisch geworden oder aber hatten nicht so viel Geld. In 20 Fällen waren die Täter erfolgreich. Sie erbeuteten insgesamt 254.000 Euro.

          Banden professionell organisiert

          Wie professionell die Betrüger dabei vorgehen, erlebt Janine Wissenbach als zuständige Ermittlerin beim hessischen Landeskriminalamt (LKA) fast jeden Tag. Denn die Fälle, die ihr regelmäßig von den Sachbearbeitern der Polizeireviere weitergeleitet werden, sind schockierend, wie sie sagt. Die Betrüger suchten sich im Telefonbuch bewusst Anwohner mit „alten“ Vornamen aus. Dann riefen sie „auf gut Glück“ dort an und meldeten sich mit den Worten: „Oma, ich bin’s!“ oder: „Rate mal, wer dran ist.“ Im Verlauf des Gesprächs würden die Senioren psychologisch unter Druck gesetzt. Der Enkel behaupte, er brauche das Geld für eine Operation, einen Anwalt oder zur Anzahlung einer Immobilie. Nicht selten drohe er damit, sich nie wieder um seine Großmutter zu kümmern, wenn sie ihm nicht helfe. Die Opfer seien dann in einem Konflikt: Wenn der Enkel schon anrufe, dann wollten viele auch helfen. „Und das nutzen die Täter gnadenlos aus.“ In Offenbach wurde vor wenigen Wochen eine Seniorin kontaktiert. Diesmal gab sich eine junge Frau als Enkelin aus. Sie brachte die ältere Dame dazu, ihr dreimal hintereinander Geld auszuzahlen – insgesamt 120.000 Euro.

          Die Täter zu fassen ist laut Wissenbach allerdings schwer. Denn die Banden, deren Mitglieder die Polizei unter dem Terminus „Rotationseuropäer“ führt, sind professionell organisiert. Die Anrufer sitzen meist im Ausland, stehen aber in ständigem Kontakt mit den „Geldabholern“ und den „Logistikern“, die sich in der Nähe ihrer Opfer aufhalten und diese auf dem Weg von der Wohnung zur Bank verfolgen und beobachten.

          Senioren sensibilisieren

          Gaby Goebel-Andreas, die beim LKA für die Prävention von Trickbetrügereien zuständig ist, sucht derzeit nach Möglichkeiten, um ältere Menschen vor diesen Straftaten zu schützen. Außer in der Öffentlichkeit aufzuklären (siehe Kasten), will sie demnächst diverse Bankinstitute ansprechen. Denkbar wäre etwa, Plakate mit Hinweisen auf den Enkeltrick an Bankschaltern anzubringen, um die Senioren zu sensibilisieren. Wünschenswert wäre außerdem eine erhöhte Aufmerksamkeit der Bankangestellten. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Schaltermitarbeiter oft der Letzte ist, der die Straftat verhindern kann“, so Goebel-Andreas. Bei einer Auszahlung von mehreren zehntausend Euro werde der eine oder andere vielleicht misstrauisch.

          Um Enkeltrick-Betrügern das Handwerk zu legen, rät die Polizei:

          - Ältere Menschen sollten ihren Vornamen im Telefonbuch nur noch abkürzen.

          - Bei verdächtigen Anrufen immer noch einmal selbst die Familie kontaktieren und fragen, ob es tatsächlich der Enkel war.

          - Bei mysteriösen Anrufen Gegenfragen oder Fallen stellen (etwa absichtlich falschen Vornamen des Enkels nennen).

          - Geld niemals an Unbekannte übergeben.

          - Auch bei Verdachtsfällen Polizei informieren (Rufnummer des örtlichen Reviers neben dem Telefon griffbereit halten).

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