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Hessentag : Mit der Promille-Brille im Rausch

Wie betrunken: Die Rauschbrille soll Jugendlichen zeigen, wie sie sich nach dem Trinken von Alkohol fühlen. Bild: dpa

Der Hessentag ist ein fröhliches Familienfest. Doch staatliche Stellen nutzen die Veranstaltung auch zur Aufklärung über Alkohol und Verkehrssicherheit.

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          Der Junge im Bayern-Trikot – Götze hintendrauf – torkelt über das Fußballfeld neben der Hessentagsstraße in Hofgeismar. „Ey Thomas, benimm dich mal“, feixen seine Freunde, die am Rand stehen und ihn beobachten. Thomas versucht, einen Parcours zu bewältigen und einen Metallring ohne Fehlergeräusch um den „Heißen Draht“ zu manövrieren. Es gelingt ihm nicht, weil er eine sogenannte Rauschbrille trägt.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Diese Brille simuliert die Wahrnehmungsfähigkeit die man hat, wenn man 0,8 Promille Alkohol im Blut hat. Thomas kann keinen Schritt mehr gerade vor den anderen setzen. „Das ist der Renner bei den Jungs“, sagt Tobias Lehnert, der sich die Stolperaktion vom Rand angeschaut hat.

          Lehnert arbeitet für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die überall im Land die Kampagne „Kenn’ dein Limit“ plakatiert. Damit sollen Jugendliche auf die mit Alkoholkonsum verbundenen Gefahren aufmerksam werden. Das Geld dafür kommt von den privaten Krankenkassen, die lieber in Vorsorge investieren, statt später die Krankenhauskosten zu tragen.

          Jugendliche sollen Alkoholkonsum reflektieren

          Die Promille-Brille ist so effektiv, weil man – wie Thomas – vom Status „nüchtern“ direkt auf „betrunken“ katapultiert wird. Während man sonst langsam den Pegel erreicht, geschieht es auf dem Parcours sofort. „Wir kriegen damit die Jugendlichen dazu, danach auch mal über ihren Konsum zu reden“, sagt Lehnert. Ihm gehe es nicht darum, Alkohol zu verteufeln, sondern klarzumachen, wann es genug sei. Und darum, dass die Jugendlichen aufeinander aufpassten.

          Ums Aufpassen geht es auch David Wagner. Er steht mit einem Mikrofon gleich neben dem Polizeimobil und fragt eine Gruppe Jungs, was wohl passiert, wenn man mit 25 Stundenkilometern ohne Helm gegen eine Autotür knallt. Zidan sagt: „Gehirnerschütterung, zwei Wochen Krankenhaus, dann bin ich raus.“ Wagner lächelt und lässt eine Melone an einem Seil heruntersausen, genau gegen die blaue Tür. Sie zerplatzt, begleitet vom Gejohle der fünf Jungs. „Und deshalb“, sagt Wagner, „ist es ganz wichtig, dass ihr immer einen Helm tragt.“

          Die Melone symbolisiert den Kopf eines Fahrradfahrers, der nicht mehr zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht worden wäre. Manche Kinder hätten angefangen zu weinen, als sie das gesehen hätten, berichtet Wagner, der für die Unfallkasse Hessen arbeitet. Der Schock sei groß. Auch Eltern werde klar, dass sie als Vorbild immer einen Helm tragen sollten. Nur Zidan gibt sich unbeeindruckt: „Cool, krieg ich jetzt ein Stück Melone?“

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          Unser Volontär Jonas Jansen berichtet täglich vom Hessentag. Die Resultate lesen Sie in der F.A.Z.-Rhein-Main-Zeitung und hier auf FAZ.NET.

          Über kleine Beobachtungen schreibt er zudem auf Twitter. Unter dem Stichwort #Hessentag notiert er nette oder lustige Details, die es nicht immer in die Zeitung schaffen.

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