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Politiker im Urlaub : Nordseeküste, Griechenland und Dolomitengipfel

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Auf der Nordseeinsel: Ministerpräsident Roland Koch. Bild: Dummy

Erholungssuche beim Wandern, Klettern, Radfahren und Zelten. Roland Koch plant, seinen letzten Urlaub als Ministerpräsident auf einer Nordseeinsel zu verbringen.

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          Für einen heißen Sommerausklang im Landtag ist gesorgt: Am 31. August soll ein neuer Ministerpräsident gewählt werden, und Innenminister Volker Bouffier wird nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition die Nachfolge von Roland Koch (beide CDU) als Regierungschef antreten. Bevor es so weit ist, kehrt in Wiesbaden allerdings ein mehrwöchiger Burgfrieden ein, zeitlich begrenzt auf die Schulferien. Soll heißen: keine Parlamentssitzungen, keine Untersuchungsausschüsse und eine drastisch reduzierte Zahl von Pressekonferenzen. Die Landespolitik ruht weitgehend, und selbst das Landtagsrestaurant bleibt für mehrere Wochen geschlossen. Die Minister und Fraktionschefs sammeln unterdessen in den Bergen oder am Meeresstrand Kraft für die nach den Ferien unweigerlich fortzusetzenden politischen Auseinandersetzungen.

          Roland Koch plant, seinen letzten Urlaub als Ministerpräsident auf einer Nordseeinsel zu verbringen. Sollte das Wetter Anfang August gut sein, werde er sich dort auf den politischen Ruhestand vorbereiten und dann Mitte des Monats nach Wiesbaden zurückkehren, sagt er. „Ich freue mich auf etwas Erholung.“ Auch sein designierter Nachfolger Bouffier gönnt sich Urlaub, bevor er sein neues Amt antritt. Er fliegt wie schon seit einigen Jahren mit seiner Familie nach Ibiza und möchte dort „ganz in Ruhe“ ein paar freie Tage verbringen.

          Kein Programm außer Erholung

          Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) reist mit Familie nach Kroatien und will die Zeit vor allem zum Entspannen nutzen. Als Fußball-Fan werde er aber natürlich auch dort die entscheidenden Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft verfolgen. Ähnlich geht es dem Fraktionsvorsitzenden der FDP, Florian Rentsch. Am Endspiel-Sonntag fliegt er mit seiner Frau und seiner eineinhalbjährigen Tochter in ein abgelegenes Sporthotel auf Mallorca und hofft, rechtzeitig dort anzukommen, um das Finale im Fernsehen erleben zu können.

          Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir macht nach eigenem Bekunden „zum ersten Mal seit sieben Jahren drei Wochen Urlaub am Stück“. Mit seiner Frau und den beiden Söhnen reist er ins krisengeschüttelte Griechenland. „Dort werden wir im Haus meines Onkels ausspannen, im Meer schwimmen und einfach kein Programm außer Erholung haben.“ Al-Wazirs einzige Sorge: ein Streik der griechischen Fluglotsen.

          „Wandern, lesen und einfach nur erholen“

          Berge statt Meer heißt dagegen die Devise des stellvertretenden Ministerpräsidenten, Justizministers und FDP-Landesvorsitzenden Jörg-Uwe Hahn. Er erkundet mit Familie und Freunden in Tirol die österreichischen Alpen, später will er noch ins bayerische Allgäu. Entspannen, Wandern und Lesen stehen auf dem Programm.

          Nicht weit entfernt von Hahn will auch dessen Parteifreundin, Kultusministerin Dorothea Henzler, Urlaub machen, allerdings auf der italienischen Seite der Alpen. Sie streift mit ihrem Mann durch die Südtiroler Berge. Das Urlaubsmotto: „Wandern, lesen und einfach nur erholen.“ Beim Wandern könnte Henzler auf Linken-Fraktionschefin Janine Wissler treffen, die es ebenfalls nach Südtirol zieht. Sie will in den Dolomiten Berge erklimmen. Passend dazu hat sie als Lektüre ein Buch des Bergsteigers Hermann Buhl dabei mit dem Titel „Achttausend drüber und drunter“. Ihr Fraktionschef-Kollege Willi van Ooyen entspannt an der französischen Atlantikküste, kommt aber nicht ganz ohne Politik aus. Im Gepäck hat er ein Buch von Daniela Dahn: „Wehe dem Sieger! Ohne Osten kein Westen.“

          Die Entspannung wird immer betont

          Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag, Christean Wagner, ist in den Ferien mit seiner Familie – nicht zum ersten Mal – auf der Nordseeinsel Amrum zu finden. Zurück zur Natur, lautet die Devise: Nordseewellen, Radfahren, Schwimmen, Lesen und mit dem Sohn Fußball und Schach spielen. Als Lektüre nimmt sich Wagner ein 1944 erschienenes Buch des Wirtschaftswissenschaftlers Friedrich August von Hayek, „Der Weg zur Knechtschaft“, sowie drei Werke zur Urknall-Theorie mit.

          Wirtschafts- und Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) reist nach Italien. Der begeisterte Hobbyradler will dort einige Touren unternehmen. „Die Entspannung soll nicht zu kurz kommen, aber trainiert wird auf jeden Fall.“ Befahren will Posch unter anderem die „Sella-Runde“ in den Dolomiten, die über vier Pässe führt.

          Zelt auf dem Campingplatz

          Diesseits der Landesgrenzen bleibt Arbeits- und Familienminister Jürgen Banzer (CDU). Er möchte seinen Sommerurlaub in der Nähe der Zugspitze in Oberbayern verbringen. Banzer freut sich auf Wandern, Lesen und gesellige Abende in Biergärten.

          Die scheidende Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) schließlich bleibt auch im Urlaub der Natur verbunden. Ihr Ziel ist die französische Atlantikküste. „Wir schlagen unser Zelt auf dem Campingplatz auf“, sagt die Ministerin. Außer Besichtigungstouren steht bei der früheren Handballerin auch Sport auf dem Programm.

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