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Politik und Twitter : Lernen von Trump und Schäfer-Gümbel

  • -Aktualisiert am

Twittern regelmäßig: Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) und Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen Bild: dpa

Peter Altmaier empfiehlt, sich am Umgang des nächsten US-Präsidenten mit sozialen Medien zu orientieren. Die meisten Minister Hessens twittern bisher nur gelegentlich oder gar nicht.

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          In Amerika nimmt der demnächst mächtigste Mann der Welt schon vor seiner Amtseinführung mit 140-Zeichen-Kommentaren beim Nachrichtendienst Twitter Einfluss auf die Regierungspolitik. Von Donald Trump lernen, heißt siegen lernen, meint Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU), deshalb empfiehlt er allen Politikern, sich am Umgang des designierten amerikanischen Präsidenten mit sozialen Medien zu orientieren.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei der hessischen Landesregierung ist Altmaier mit seinem Appell an der richtigen Adresse: Nur sechs von zehn Ministern besitzen überhaupt einen Twitter-Account, und nur drei sind dort regelmäßig präsent. Der eher den traditionellen Medien zugewandte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ist zwar seit November 2010 ebenfalls bei Twitter angemeldet, weiß aber möglicherweise gar nichts davon. Jedenfalls müssen seine gerade einmal 96 Follower sechs Jahre später noch immer auf das erste persönliche Gezwitscher des Regierungschefs warten.

          Mit wenig Aufwand schnell viele politisch Interessierte erreichen

          Wenn überhaupt, dann lässt Bouffier twittern, über den Account der Staatskanzlei oder den der CDU-Hessen, wo sich beispielsweise ein Link zu seiner Neujahrsansprache findet. Ganz anders Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel, der mit 21 800 Followern zwar noch nicht ganz an die 18,7 Millionen von Donald Trump heranreicht, aber immerhin die landespolitische Konkurrenz weit hinter sich lässt. Beinahe täglich grüßt der Sozialdemokrat bei Twitter: ob von einer Informationsreise durch den Werra-Meißner-Kreis oder mit Hintergrundinformationen zur Suche seiner Partei nach einem Kanzlerkandidaten („muss zum Programm passen“).

          Begeisterte Twitterer sind auch die beiden Vertreter der Grünen in der Regierung, Umweltministerin Priska Hinz und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Hinz (4200 Follower) sieht in dem Kurznachrichtendienst eine Chance, mit wenig Aufwand und mit Hilfe von Multiplikatoren schnell viele politisch Interessierte zu erreichen. Für sie sei Twitter in erster Linie ein politisches Instrument, allerdings „mit privaten Anteilen“, sagt die Ministerin, die sich in ihren eher sporadischen Tweets beispielsweise über die Kür der Haselmaus zum Tier des Jahres freut oder auf ihr Engagement zur Schaffung preiswerter Wohnungen hinweist.

          Beliebtester Twitter-Minister ist mit gut 6000 Fans Tarek Al-Wazir. Auch er versucht sich mit einer Mischung aus Politik (Werbung für die Energiewende), Persönlichem (Freude über ein Benefizspiel von Bayern München bei seinem Lieblingsverein Kickers Offenbach) und Nachdenklichem. Zum Foto eines fast zum Skelett abgemagerten Kindes schreibt Al-Wazir, Sohn eines Jemeniten: „Der Jemen leidet still, der Jemen stirbt still.“

          „Nicht jeder ist ein Twitter-Typ“

          Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) meldet sich nur gelegentlich bei ihren knapp tausend Anhängern, während Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) seinen knapp 400 Fans bis zu zehnmal täglich etwas bietet, meist Fotos von Terminen oder Links zu Pressemitteilungen, aber auch fröhliche Neujahrsgrüße aus den Allgäuer Alpen - „bei strahlendem Sonnenschein auf Skiern“. Wo Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und Innenminister Peter Beuth (beide CDU) ihren Weihnachtsurlaub verbracht haben, bleibt bei Twitter hingegen offen. Der letzte Eintrag für die 237 Follower von Kühne-Hörmann wurde im August 2013 verfasst, Beuth bot seinen 1780 Anhängern zuletzt im August vergangenen Jahres Neuigkeiten.

          Zu jenen, die sich Twitter gänzlich verweigern, gehören Kultusminister Alexander Lorz und Sozialminister Stefan Grüttner (beide CDU). Lorz, der immerhin mit 770 000 Schülern, 1,5 Millionen Eltern und 60 000 Lehrern als potentiellen Kontaktpersonen rechnen könnte, steht sozialen Medien grundsätzlich zurückhaltend gegenüber. „Nicht jeder ist ein Twitter-Typ“, sagt er. Grüttner begnügt sich damit, bei Facebook präsent zu sein, weil er dort ausführlicher über seine politische Arbeit informieren könne.

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