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Opel-Rettung : Franz hofft auf Magna und Absatz im Osten

Klaus Franz, Opel-Betriebsratsvorsitzender, mit F.A.Z.-Herausgeber Werner D'Inka. Bild: Wolfgang Eilmes

Opel-Betriebsratsvorsitzender Klaus Franz lobt die Rolle von Ministerpräsident Koch, Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier bei den Verhandlungen.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Roland Koch (beide CDU) sowie Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) haben entscheidenden Anteil an der Einigung auf ein Rettungskonzept für Opel gehabt. Davon ist Klaus Franz, Betriebsratsvorsitzender des Automobilherstellers, überzeugt: „Sie waren Schlüsselfiguren in den Verhandlungen mit General Motors“, sagte Franz bei einem Besuch in der Redaktion dieser Zeitung. Koch zum Beispiel habe „unglaublich professionell und hart gearbeitet“. Dagegen habe sich Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit seiner Insolvenzdrohung schließlich selbst isoliert.

          Hanns Mattes

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach Ansicht von Franz hätte eine Insolvenz ohnehin keine Lösung bedeutet: Sie hätte dazu geführt, dass Opel in einen guten Teil mit dem Entwicklungszentrum und der Fabrik in Rüsselsheim und einen schlechten mit „dem ganzen Rest“ aufgespalten worden wäre. Den gesunden Teil hätte sich dann Fiat sichern können. Franz machte deutlich, dass er die Kritik an staatlicher Hilfe für Opel für ungerecht hält: „Die Herz-Lungen-Maschine der Realwirtschaft in Deutschland sind der Automobilbau, die Chemie und der Anlagenbau.“ Würde Opel vom Markt verschwinden, dann profitierten deutsche Mitbewerber nur zu einem geringen Teil: „Der Rest der Marktanteile geht an die Koreaner und sonst wen.“

          Flache Hierarchie und schnelle Entscheidungen

          Schon vergleichsweise früh hatten Franz und die Arbeitnehmervertreter den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna als Wunschkandidaten für einen Einstieg bei Opel benannt. Der Vorteil liegt aus ihrer Sicht zum einen im Zugang zu den osteuropäischen Märkten über den russischen Hersteller Gaz und zum anderen an dem hohen technischen Fachwissen bei Magna. So arbeite man bei Magna schon an der zweiten Generation von elektrisch betriebenen Automobilen, während Opel nun mit der ersten Generation solcher Fahrzeuge auf den Markt kommen wolle. Die Befürchtung, dass Fachwissen an die russischen Partner abfließen könnte, teilt Franz nicht: „Die Entwickler bleiben ja hier bei uns.“

          Zudem unterscheide sich diese Situation nicht wesentlich von der im GM-Konzern: Die russische Automobilindustrie sei an einem gewissen Punkt stehengeblieben, „heute können sie vielleicht Trucks und Nutzfahrzeuge“, aber keine modernen Personenwagen bauen. Mit ziemlich genau den gleichen Worten hatte Franz bei anderer Gelegenheit die Fähigkeiten von GM beurteilt. Als weiteren Pluspunkt für die nun gefundene Lösung nannte er die flache Hierarchie mit kurzen Entscheidungswegen im Management von Magna. Gerade der zentralistische Führungsstil und ein Übermaß an Bürokratie seien wichtige Gründe für das Scheitern des Mutterkonzerns General Motors.

          Personalabbau unvermeidlich

          Sowohl die Pläne von Ripplewood als auch von Fiat hätten nach Einschätzung des Betriebsratschefs noch weiter gehende Einschnitte für Opel bedeutet. Franz verwies auf die Interessen von Fiat bei einer Übernahme. Der italienische Automobilbauer verfüge im Gegensatz zu Opel nicht über eine konkurrenzfähige Wagenplattform für die Mittelklasse: „Das wäre ein Technologie-Transfer nach Italien geworden – die haben nichts.“ Zudem habe der Turiner Konzern selbst noch mit Schwierigkeiten zu kämpfen, ebenso wie Chrysler als Partner für den amerikanischen Markt: „Auch zusammen können drei Kranke keinen Marathonlauf gewinnen.“

          Trotz der Einigung mit Magna hält Franz einen Personalabbau für unvermeidlich: „In Rüsselsheim wird es ans Management gehen, und an den Fließbändern müssen die Überkapazitäten korrigiert werden.“ Er erinnerte daran, dass zum Beispiel für das Werk in Bochum schon vor zwei Jahren ein Abbau von knapp 5000 auf 3200 Stellen vereinbart worden sei: „Das ergibt sich allein schon durch die Rationalisierungseffekte bei der Umstellung auf das neue Astra-Modell.“ Fakt sei aber auch, dass Opel im Moment vor allem von einem zu viel habe: „Überkapazitäten“.

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