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Nordhessen : Versorgung aus heimischer Quelle

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg zur Autarkie: Windräder im nordhessischen Istha Bild: dpa

Die Kasseler Stadtwerke wollen Nordhessen allein mit Strom aus Energiequellen wie Wind, Sonne und Biogas versorgen. Bis 2025 soll die Region nahezu autark werden.

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          Die Sun Stadtwerke Union Nordhessen prüft die Möglichkeit, die Region bis 2025 nahezu autark mit Strom aus Energiequellen wie Wind, Sonne und Biogas zu versorgen. Gemeinsam mit dem Fraunhoferinstitut für Windenergie und Energieversorgungssysteme, Iwes, wollen die Stadtwerke während der nächsten zwölf Monate eine Studie erstellen und vorlegen, berichtete Thorsten Ebert, Vorstandsmitglied der Städtische Werke AG in Kassel. Die Städtischen Werke halten 67 Prozent an der Sun. Alle wichtigen Entscheidungen in der Union müssen jedoch mit 75 Prozent der Stimmanteile getroffen werden. Die Kasseler Stadtwerke allein können die anderen Eigentümer nicht überstimmen.

          „Wir machen eine neue Rechnung auf“

          Das Projekt könnte weitreichende Konsequenzen für den Ausbau des Stromnetzes in Deutschland haben. Bisher sind 3500 Kilometer an neuen Leitungen im deutschen Höchstspannungsnetz geplant, um Strom aus noch zu bauenden Windparks an den Küsten oder neuen Kohlekraftwerken, die in der Nähe von Häfen entstehen, ins dichter besiedelte und stärker industrialisierte Binnenland zu führen.

          Nach der gegenwärtigen Planung, sagt Ebert, sollen konventionelle große Kraftwerke durch andere große Anlagen ersetzt werden: „Wir machen aber eine andere, neue Rechnung auf, wenn sich die dezentrale Energieerzeugung durchsetzt.“

          Versorgten sich die Regionen also weitgehend autark, argumentiert Ebert, dann stünde der gegenwärtig geplante Netzausbau in Frage. Sollte sich eines Tages sogar die Brennstoffzelle durchsetzen und sollte es gelingen, mit Strom aus lokalen Photovoltaikanlagen mit Hilfe der Elektrolyse Wasserstoff zu gewinnen, der wiederum die Brennstoffzellen speist, „dann brauchen wir keine Windparks mehr“, sagt Ebert.

          Stromversorgung von 730 000 Einwohnern in und um Kassel

          Er weiß, dass dies alles Mutmaßungen sind: „Die langfristige Kalkulation von Investitionen in Energieanlagen ist wegen der zu erwartenden, aber nicht im Detail vorherzusagenden Innovationen ein Problem.“ Ebert denkt an die Stromversorgung von 730 000 Einwohnern in und um Kassel in der Stadt selbst sowie in den Kreisen Kassel, Schwalm-Eder und Werra-Meißner durch regenerative heimische Quellen.

          Für diesen Markt rechnet Ebert mit einer Nachfrage von 3,6 Terrawattstunden Strom im Jahr. Bis 2025 könnte dieser Strombedarf zu 60 Prozent aus Windkraft, zu 14 Prozent aus Photovoltaik und zu fünf Prozent aus Biomasse gedeckt werden. Acht Prozent steuerten Gasturbinenkraftwerke bei und 13 Prozent des Stromes stammten aus vorgelagerten Netzen. Ebert rechnet mit Investitionen von 1,4 bis 1,8 Milliarden Euro. Da die Infrastruktur über fünfzehn Jahre aufgebaut werden und sich Technik weiter verbessern wird, erwartet Ebert, dass 250 Windräder ausreichen werden.

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