https://www.faz.net/-gzg-bmw

Neues Schulgesetz : Klare Alternative in der Schulpolitik

  • -Aktualisiert am

Arithmetik der Demokratie: Wer rechnen kann, wird kaum einen Zweifel haben, welcher Gesetzentwurf die Mehrheit im Landtag erhält. Doch die Vorlage der SPD weist über den Tag hinaus, bis ins Wahljahr 2013. Bild: dpa

Am Mittwoch stimmt der Hessische Landtag über ein neues Schulgesetz ab, das nach den Sommerferien in Kraft treten soll. Es liegen zwei konkurrierende Entwürfe vor: einer von der CDU/FDP-Landesregierung, ein zweiter von der größten Oppositionspartei, der SPD. Zentraler Streitpunkt ist die Frage, wie weit gemeinsames Lernen in der Schule gehen sollte.

          Am Mittwoch stimmt der Hessische Landtag über ein neues Schulgesetz ab, das nach den Sommerferien in Kraft treten soll. Es liegen zwei konkurrierende Entwürfe vor: einer von der CDU/FDP-Landesregierung, ein zweiter von der größten Oppositionspartei, der SPD. Zentraler Streitpunkt ist die Frage, wie weit gemeinsames Lernen in der Schule gehen sollte. Hier die wesentlichen Unterschiede der Gesetzesinitiativen.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.


          Grundschule

          Die Jahrgangsstufen 1 und 2 bilden nach dem Willen der CDU/FDP-Regierung eine pädagogische Einheit, die den Übergang vom Kindergarten in die Schule erleichtern soll und die die Schüler je nach ihrem Leistungs- und Entwicklungsstand auch in einem oder drei Schuljahren durchlaufen können. Für Kinder, die die flexible Eingangsstufe drei Jahre lang besuchen, wird das dritte Jahr nicht auf die Dauer der Schulpflicht angerechnet..

          Auch die SPD fordert einen flexiblen Schulanfang. Zudem tritt die Partei für die „natürliche Mehrsprachigkeit“ ein: In den Klassen 1 bis 4 soll es auch Unterricht in der Heimatsprache der Kinder geben.

          Haupt- und Realschule

          Die Landesregierung plant die Einführung einer „Mittelstufenschule“, in der die Bildungsgänge von Haupt- und Realschule in den ersten Jahren der weiterführenden Schule verbunden werden können. In den Jahrgangsstufen fünf und sechs ist gemeinsames Lernen von Haupt- und Realschülern als Möglichkeit vorgesehen; „in Ausnahmefällen auch in der Jahrgangsstufe 7“. In der „Mittelstufenschule“ sollen die Abschlüsse von Haupt- und Realschule erhalten bleiben; der gymnasiale Bildungsgang bleibt unverändert an Gymnasien, an integrierten und kooperativen Gesamtschulen. Alle Mittelstufenschulen sollen über ein Ganztagsangebot verfügen. Den Haupt- und Realschulen werde auf diese Weise eine neue Perspektive eröffnet, argumentiert Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP), am gegliederten Schulsystem werde festgehalten, weil dies die Verschiedenheit menschlicher Begabungen am besten zur Entfaltung bringe.

          Die SPD setzt mit der „erweiterten Realschule“ auf ein Übergangsmodell, das auf einer Integration der Bildungsgänge von Haupt- und Realschule bis Klasse 9 aufbaut und zum Hauptschul- oder Realschulabschluss führt. Dieses Konzept soll die Antwort auf das Sterben der Hauptschulen sein; Haupt- und Realschulen würden abgeschafft. Jede „erweiterte Realschule“ soll zudem die Möglichkeit haben, sich zu einer „Gemeinschaftsschule“ weiterzuentwickeln, in der bis einschließlich Klasse 10, unter Verzicht auf Ziffernoten, gemeinsam gelernt würde. Die Klassen 5 und 6 sollen zu einer pädagogischen Einheit zusammengefasst werden, eine Nichtversetzung nach Klasse 6 die Ausnahme bleiben. Die Querversetzung von einer Schulform in die andere würde abgeschafft. „Ethik“-Unterricht soll als gleichwertiges Fach zur Religion etabliert werden.

          G8 oder G9

          Die Landesregierung hält an der Schulzeitverkürzung in der gymnasialen Mittelstufe, der sogenannten G8-Regelung, fest. Der Bildungsgang G8 soll für Gymnasien und für jene kooperative Gesamtschulen, die sich nicht dagegen entscheiden, beibehalten werden. Erstens habe sich diese Lösung inzwischen bewährt, zudem würde eine abermalige Veränderung Unruhe unter Schülern, Eltern und Lehrern verursachen.

          Die SPD verlangt die generelle Rücknahme von G8 und die Rückkehr zu G9, das heißt der sechsjährigen Mittelstufe. Sie möchte eine auf fünf Jahre verkürzte Mittelstufe nur als Option für Schulen mit einem besonderen Profil erhalten. Die Oberstufe soll in einem Kurssystem so flexibilisiert werden, dass die Abiturprüfung je nach Begabung nach zwölf, 13 oder 14 Schuljahren abgelegt werden kann.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Streit um Grenzmauer : Trump diffamiert Richter

          Präsident Donald Trump ärgert sich, weil ein Bundesrichter einen Teil der Mittel für Grenzanlagen blockiert hat. Der Richter sei ein „Aktivist“. Trump hat mittlerweile mit sieben Klagen gegen seine Mauer zu Mexiko zu kämpfen.

          DFB-Pokalsieg der Bayern : Lewandowski und seine ganz besondere Show

          Er trifft nicht in entscheidenden Spielen? In den Finals um den DFB-Pokal beweist Robert Lewandowski das Gegenteil. Beim 3:0-Sieg über Leipzig ragt der Stürmer heraus – und stellt mit einem Weltklasse-Tor einen Rekord auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.