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Neuer SPD-Vorsitzender : Das Trikot mit der Nummer eins hat Übergröße

  • -Aktualisiert am

Die neue Nummer eins der hessischen SPD: Thorsten Schäfer-Gümbel Bild: dpa

298 der 332 Delegierten haben Thorsten Schäfer-Gümbel zum neuen Vorsitzenden der SPD gewählt. Nach den 23,7 Prozent bei der jüngsten Landtagswahl soll er die Sozialdemokraten nun aus dem tiefen Tal der Tränen führen.

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          Das rote Fußballtrikot, das Thorsten Schäfer-Gümbel nach seinem erfolgreichen Einstand beim Parteitag in Darmstadt von seinen Genossen erhält, trägt die Nummer eins. Ob er es ausfüllen kann, muss sich noch zeigen. Der Neununddreißigjährige aus Lich, der gerade von 89 Prozent, sprich 298 der 332 Delegierten zum neuen Landesvorsitzenden gewählt worden ist, soll nicht nur Torhüter, sondern auch Trainer, Ausputzer, Ballverteiler, Flankengeber und Vollstrecker sein – und das in einem Team, das sich im vergangenen Jahr vor allem bei Eigentoren hervorgetan hat.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach 23,7 Prozent bei der jüngsten Landtagswahl – dem schlechtesten Ergebnis der hessischen SPD überhaupt – soll Schäfer-Gümbel die Sozialdemokraten aus dem tiefen Tal der Tränen führen. „Das ist so, als wolle jemand aus Kickers Offenbach in fünf Jahren einen Meisterschaftskandidaten formieren“, sagt ein südhessischer Delegierter. „Ich beneide Thorsten nicht um seinen Job.“

          Wieczorek-Zeul führt Kandidatenliste für Berlin an

          Mit seinen Personalvorschlägen für den Vorstand setzt sich der Nachfolger von Andrea Ypsilanti, die der Parteispitze künftig nicht mehr angehört, am Samstag immerhin auf der ganzen Linie durch. Zu seinen Stellvertretern werden die Hofheimer Bürgermeisterin Gisela Stang (278 Stimmen) sowie die Vorsitzenden der SPD-Bezirke Hessen-Nord und Hessen-Süd, Manfred Schaub (255) und Gernot Grumbach (206 Stimmen), gewählt. Für den neuen Generalsekretär Michael Roth sprechen sich 270 Delegierte aus, Hildegard Pfaff wird mit 312 Stimmen wieder Schatzmeisterin.

          Als Beisitzer im Vorstand werden gewählt: Udo Bullmann (240 Stimmen, Gießen), Torsten Warnecke (216, Hersfeld-Rotenburg), Kerstin Geis (205, Wiesbaden), Norbert Schüren (204, Marburg-Biedenkopf), Burkhard Albers (188, Rheingau-Taunus), Kerstin Weinbach (179, Marburg-Biedenkopf), Lothar Quanz (177, Werra-Meißner), Petra Fuhrmann (172, Hochtaunus), Christine Lambrecht (165, Bergstraße), Nina Hauer (138, Wetterau), Susanne Simmler (134, Main-Kinzig) und Rolf Gnadl (134, Wetterau).

          Die SPD-Landesliste für die Bundestagswahl führt im September wieder Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul an. Auf die 66 Jahre alte Wiesbadenerin folgen der neue Generalsekretär Roth und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Die nächsten Plätze belegen: Rüdiger Veit (Gießen), Ullrich Messmer (Waldeck-Frankenberg), Christine Lambrecht (Bergstraße), Edgar Franke (Schwalm-Eder), Uta Zapf (Offenbach), Gerold Reichenbach (Groß-Gerau) und Sascha Raabe (Main-Kinzig). Die Bundestagsabgeordnete Nina Hauer (Wetterau) scheitert mit einer Kampfkandidatur um Platz acht gegen Zapf und rangiert nun, wie vom Landesvorstand vorgesehen, auf Platz elf. Mit Gregor Amann steht der erste Frankfurter Kandidat auf Platz 14.

          CDU und FDP: Chance auf Neuanfang verpasst

          2005 hatte die hessische SPD 16 Abgeordnete nach Berlin entsandt. Der Vorsitzende der hessischen Landesgruppe im Bundestag, Sören Bartol (Marburg-Biedenkopf), verzichtet auf einen Listenplatz, weil ihm der Vorstand nur Rang 17 zugedacht hat. Bartol hofft nun darauf, seinen Wahlkreis direkt zu gewinnen.

          Nach Ansicht von CDU und FDP haben die Sozialdemokraten mit der Neuwahl ihres Vorstands die Chance auf einen Neuanfang verpasst. „Ypsilantis Gefolgsleute“ hätten die Partei weiterhin fest im Griff, urteilt der Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag, Christean Wagner. Sowohl der neue Parteivorsitzende Schäfer-Gümbel als auch Roth, Grumbach und Schaub hätten sich bisher für den Wortbruch der ehemaligen Vorsitzenden nicht entschuldigt.

          Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Florian Rentsch, sagt, es reiche für einen Neuanfang nicht aus, nur die Köpfe auszutauschen, und weist auf die noch anhängigen Parteiordnungsverfahren gegen die Ex-Landtagsabgeordneten Carmen Everts, Silke Tesch und Jürgen Walter hin. Es sei bedauerlich, dass Schäfer-Gümbel diese „Hexenjagd“ fortsetze, statt sie einzustellen.

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