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Neuer Job für Carmen Everts : „Werbeagentur für unsere Demokratie“

Nun bei der Landeszentrale für politische Bildung beschäftigt: Carmen Everts Bild: AP

Im Herbst 2009 wählte eine Kommission der Landeszentrale für politische Bildung Carmen Everts als Leiterin eines neu zugeschnittenen Referats aus, das sich mit der demographischen Entwicklung und der SED-Diktatur beschäftigen wird.

          Sie klang noch ein bisschen zaghaft, als sie gestern Morgen den Telefonhörer abnahm: „Carmen Everts, Landeszentrale für politische Bildung.“ Vor mehr als einem Jahr zählte die frühere hessische Landtagsabgeordnete zu dem Quartett von Sozialdemokraten, das Andrea Ypsilantis Wahl zur Chefin einer von der Linkspartei geduldeten Landesregierung verhinderten.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Seit gestern steht Everts’ Schreibtisch in der unmittelbaren Nachbarschaft der Staatskanzlei. Dort, im ehemaligen Hotel Rose, hat die überparteiliche Bildungsstätte ihren Sitz. Nachdem Everts zur Neuwahl des Landtags im Januar 2009 nicht mehr angetreten war, kehrte sie formell wieder an ihre frühere Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin der SPD-Fraktion zurück.

          „Dankesaktion“ der Landesregierung

          Angesichts des politischen Zerwürfnisses stellten die Sozialdemokraten die „Rebellin“ jedoch im August vom Dienst frei, weil sie den Betriebsfrieden störe. Das Gehalt bezog sie weiterhin.

          Im Herbst wählte eine Kommission der Landeszentrale Everts als Leiterin eines neu zugeschnittenen Referats aus, das sich mit der demographischen Entwicklung und der SED-Diktatur beschäftigen wird. Für die SPD hatte sich damit zwar eine heikle Personalangelegenheit erledigt. Sie kritisierte aber, dass die Entscheidung wie eine „Dankesaktion“ der Landesregierung für erwiesene politische Dienste erscheinen könne.

          „Frau vom Checkpoint Charlie“

          Bernd Heidenreich, der Direktor der Landeszentrale, unterstreicht hingegen, dass die promovierte Politikwissenschaftlerin „die am besten qualifizierte Bewerberin“ gewesen sei. Sie wollte sich gestern nicht öffentlich äußern: „Ich möchte gern in Ruhe meiner Arbeit nachgehen.“ Es gibt viel für sie zu tun. Denn die Bildungsstätte arbeitet sich noch immer an dem Jubiläum von Mauerfall und deutscher Einheit ab. „Zwei Drittel der Jugendlichen in Deutschland können nicht sagen, wer die Mauer gebaut hat“, berichtet Heidenreich. Den Erklärungsbedarf will er vor allem mit zwei Angeboten decken.

          Für das Erste hat die Landesregierung im Haushalt dieses Jahres 200.000 Euro bewilligt. Jutta Fleck, als „Frau vom Checkpoint Charlie“ eine bekannte Zeitzeugin, leitet ein Projekt, das sich vor allem aus der Sicht der Opfer mit der DDR-Diktatur beschäftigt. Die wissenschaftliche Aufarbeitung soll zu Everts Aufgaben zählen.

          Gedenkstätte zwischen Hessen und Thüringen

          Die Einundvierzigjährige ist eine von sieben Referatsleitern, die in ihrer Gesamtheit alle größeren Politikfelder abdecken sollen. Als „Werbeagentur für unsere Demokratie“ bezeichnet Heidenreich sein Haus. Der Vierundfünfzigjährige ist promovierter Historiker und Germanist.

          Als Behörde ist die Landeszentrale mit ihren 25 Mitarbeitern dem Ministerpräsidenten zugeordnet. Im Haushalt sind für sie pro Jahr ungefähr fünf Millionen Euro eingeplant. Aber sie kommen der Landeszentrale nicht in vollem Umfang zugute.

          So flossen beispielsweise im vergangenen Jahr 1,5 Millionen Euro an die Point-Alpha-Stiftung. Deren Zweck ist es, eine Gedenkstätte auf der Grenze zwischen Hessen und Thüringen zu pflegen. Die Amerikaner hatten dort bis zum Jahr 1989 einen der markantesten Beobachtungsstützpunkte ihrer Streitkräfte in Europa.

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