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Neue Verbindung über den Rhein : Am Wochenende wird auf der Brücke getanzt

Eigentlich hätte der Verkehr an dieser Stelle schon Ende vergangenen Jahres rollen sollen. Doch damals sah es noch so aus. Jetzt aber wird die Rheinbrücke bei Worms eröffnet Bild: dpa

Vor den Toren Worms wird eine neue Rheinbrücke eröffnet - nach drei Jahren Bauzeit und gut acht Monate später als geplant. Sie verbindet den südlichsten Zipfel Hessens mit Rheinland-Pfalz.

          Eigentlich hat der Verkehr schon Ende vergangenen Jahres über die Brücke rollen sollen. Doch den Zeitplan bezeichnet der Leiter des rheinland-pfälzischen Landesbetriebs Mobilität in Worms, Bernhard Knoop, im Nachhinein als zu ehrgeizig. Gut acht Monate später als geplant wird nach gut drei Jahren Bauzeit die neue Rheinbrücke eröffnet. Sie führt zweispurig in 36 Meter Abstand zur bestehenden Nibelungenbrücke über den Strom und verbindet Worms mit dem Lampertheimer Ortsteil Rosengarten.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zur offiziellen Feier werden Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (beide SPD) und der hessische Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) erwartet. Das ganze Wochenende über erhalten die Bürger dann die Möglichkeit, das Bauwerk von allen Seiten zu inspizieren. Brückenführungen gehören ebenso zum Programm wie Schifffahrten, das Bauwerk wird abends illuminiert. Erst von Dienstag an werden Autos auf die Brücke gelassen. Eine Verkehrsentlastung auf der die Bundesländer verbindenden B 47 ist damit allerdings noch nicht in Sicht: Die alte Brücke wird saniert und für knapp dreieinhalb Jahre gesperrt.

          Die Geschichte der Rheinbrücke bei Worms reicht mehr als 100 Jahre zurück. 1895 wurde beschlossen, anstelle einer Pontonbrücke ein festes Bauwerk zu errichten. Im März 1900 wurde es nach drei Jahren Bauzeit eröffnet. Großherzog Ernst Ludwig, nach dem die Brücke benannt wurde, fuhr als Erster in einer Kutsche darüber. Die Brücke war 10,5 Meter breit, 778 Meter lang und kostete 3,2 Millionen Goldmark. Sie wurde 1945 von deutschen Pionieren gesprengt, von 1950 an wieder aufgebaut und erhielt einen neuen Namen.

          Kilometerlange Staus zwischen Bürstadt und den Vororten von Worms

          Die Nibelungenbrücke hat eine breitere Fahrbahn und Radwege und ist 14 Meter breit. Sie ist die einzige Möglichkeit, den Rhein zwischen Mainz/Wiesbaden und Ludwigshafen/Mannheim ohne Fähre zu überqueren. Sie verbindet die B 47 auf hessischer Seite mit der B 9 in Rheinland-Pfalz und dient als Ausweichroute für die A 6. Vor allem Fahrer aus dem Norden nutzen die Strecke, um von den rechtsrheinischen Autobahnen 5 und 67 zur linksrheinischen A 61 zu gelangen. Rund 24 000 Fahrzeuge, darunter viele Lastwagen, passieren die Brücke täglich. Schon seit Jahren befindet sich die Fahrbahn in einem schlechten Zustand, was Geschwindigkeitsbegrenzungen zur Folge hatte. Dies und Ampeln an beiden Auf- und Abfahrten führen vor allem im Berufsverkehr zu kilometerlangen Staus zwischen dem südhessischen Bürstadt und den Vororten von Worms.

          Schon 1960 wurde eine zusätzliche Brücke gefordert, aber erst 1983 deren Errichtung beschlossen. Das Baurecht lag 1993 vor, die Finanzierungszusage 2004. Im Mai 2005 begannen die Arbeiten.

          Das neue Bauwerk ist wie die Nibelungenbrücke im Freivorbau errichtet: Zunächst wurden zwei Pfeiler im Strom verankert, an die dann jeweils drei bis fünf Meter lange Betonabschnitte angesetzt wurden. An den Verzögerungen ist vor allem die Witterung schuld gewesen, wie Knoop sagt. Wegen Niedrigwassers zu Beginn der Arbeiten konnte das Bohrgerät nicht mit Schiffen an die richtigen Stellen im Strom plaziert werden. Auch Risse, deren Ursache erst geklärt werden musste, kosteten Zeit.

          Bau hat gut 16 Millionen Euro gekostet

          Der Bau der 745 Meter langen Brücke – davon 322 Meter über dem Rhein – hat gut 16 Millionen Euro gekostet. Weitaus teurer waren die baulichen Veränderungen vor allem am Wormser Ufer: Dort musste die Zweigstelle des Wasser- und Schifffahrtsamts Mannheim ebenso weichen wie der Festplatz. Verlegt wurden zudem die Trasse der Hafenbahn, Straßen und Kanäle. Alles in allem sind damit Kosten von 75 Millionen Euro entstanden.

          Für die Sanierung der alten Brücke ist das Land Hessen verantwortlich. Nach Auskunft des Amts für Straßen- und Verkehrswesen in Bensheim sollen in dieser Woche die vorbereitenden Arbeiten beginnen. Zunächst müsse die Fahrbahndecke abgetragen werden, um den Zustand der Brücke genau untersuchen zu können. Für die Sanierung sind fast zwölf Millionen Euro vorgesehen. Die Arbeiten sollen bis Anfang 2012 beendet sein. Erst dann kann der Verkehr vierspurig über den Rhein fließen.

          Das nächste große hessische Brückenbauprojekt am Rhein wird die Schiersteiner Brücke sein, die Wiesbaden und Mainz verbindet. Sie soll bis zum Jahr 2015 durch einen Neubau ersetzt werden, wofür Kosten von rund 200 Millionen Euro veranschlagt sind.

          Das Programm zur Eröffnung ist auf der Internetseite von Worms (www.worms.de) zu finden. Beim Fest werden eine Gedenkmünze (Kaufpreis drei Euro) und eine Festschrift (sechs Euro) verkauft, die der Landesbetrieb Mobilität und das Stadtarchiv Worms zusammengestellt haben (ISBN 978-3-936118-34-6).

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