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Naturschutz : Nationalpark ein Publikumsmagnet

  • -Aktualisiert am

Besteht seit 2004: Der Nationalpark Kellerwald-Edersee Bild: dpa

Der Nationalpark Kellerwald-Edersee feiert seinen fünften Geburtstag. „Der Nationalpark ist zum Erfolgsmodell und Besuchermagnet für die Region geworden“, sagte Landwirtschafts- und Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU).

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          Am Wochenende feiert der Nationalpark Kellerwald-Edersee Geburtstag. Ein großes Fest beginnt am Samstag um 17 Uhr im Nationalparkzentrum Vöhl-Herzhausen mit einer Spät-Nacht-Ausstellungslounge, Musik und Kulinaria und wird am Sonntag um 10 Uhr mit Kuchenessen fortgesetzt, bevor es um 13.30 Uhr auf eine Wanderung mit Rangern in den Wald geht.

          Fünf Jahre sind vergangen, dass das Land den Nationalpark geschaffen hat. Landwirtschafts- und Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) blickte im Nationalparkamt in Bad Wildungen zurück. „Der Nationalpark ist zum Erfolgsmodell und Besuchermagnet für die Region geworden“, lautete sein Fazit.

          Nationalparkidee

          Der Park ist gut 57 Quadratkilometer groß und beherbergt laut Umweltministerium allein 550 Farn- und Blütenpflanzen, 270 Flechtenarten, 15 Fledermausarten, 75 Brutvogelarten und 822 verschiedene Schmetterlinge. Dazu gehörten zahlreiche Tiere und Pflanzen, die andernorts bereits sehr selten oder vom Aussterben bedroht seien.

          Dietzel erinnerte an die Anfänge der „heftigen Diskussion“ um den Nationalpark. Die erste Idee stammte aus der Zeit der Wallmann-Regierung. Dann versuchte die rot-grüne Landesregierung in den neunziger Jahren einen Nationalpark zu schaffen, doch der Widerstand der Bevölkerung war gewaltig. Die Bürger fürchteten, dass ihnen gegen ihren Willen aus dem fernen Wiesbaden ein Korsett aus Regulierungen und Beschränkungen übergezwängt werden sollte. Dietzel, der seit 1999 sein Amt innehat, ließ als Minister das Thema zunächst ruhen und entwickelte dann die Nationalparkidee gemeinsam mit den Bürgern in der Region. Dietzel selbst ist Landwirt im Kreis Waldeck-Frankenberg.

          Nationalparkzentrum

          Für Dietzel war es rückblickend richtig, dass Hessen den Park ausgewiesen hat, weil es das waldreichste Land Deutschlands ist, wie er sagte. 42 Prozent der Fläche seien bewaldet. Der Nationalpark Kellerwald sei in Fachkreisen national und international anerkannt. Gegenwärtig liefen das Anerkennungsverfahren durch die internationale Naturschutzunion und das Nominierungsverfahren als Weltnaturerbe der Unesco.

          Im Jahr 2007, zeigte eine Untersuchung des Würzburger Ökonomen und Hochschullehrers Hubert Job, zog der Nationalpark etwa 200.000 Besucher an. Den Wildpark am Edersee, sagte Dietzel, besuchten 120.000 Gäste im Jahr, und das Nationalparkzentrum bei Herzhausen, das vor etwa einem Jahr eröffnet wurde, zählte seither 60.000 Besucher.

          Strukturdebatte

          Job forderte die Nationalparkverwaltung und die Region auf, mit einer Stimme zu sprechen. Zuallererst müsse sich die Region um den Edersee zum Nationalpark bekennen. Job hat errechnet, dass der Nationalpark zu einem zusätzlichen Umsatz von 3,9 Millionen Euro führt und letztlich zu einem „Volkseinkommen“ von 1,9 Millionen Euro. Dies entspreche etwa 105 Vollzeitstellen in der Gastronomie. Zu drei Vierteln würde das Gastgewerbe von dem zusätzlichen Umsatz profitieren. Jeder vierte Besucher würde nur wegen des Nationalparks in die Region kommen.

          Job rechnete aber auch vor, dass sich der Nationalpark und die Region noch weit unter Wert verkauften. Am Tag gebe ein Gast des Nationalparks Berchtesgaden 44 Euro aus, des Nationalparks Kellerwald aber nur 20 Euro. Die geringe Konsumneigung der Kellerwald-Touristen habe ihren Grund darin, „dass man hier überhaupt kein Geld ausgeben kann“. Die Region müsse dringend eine Strukturdebatte um die Entwicklung des Parks führen. Der rege Kurtourismus in der Region sei vom Nationalpark und den Gastronomen am Nationalpark noch nicht erschlossen worden. Bad Wildungen, das wenige Kilometer östlich des Edersees liegt, ist Deutschlands zweitgrößter Kurort. Unter den 4.500 Besuchern des Nationalparks, die Job für die Studie befragen ließ, war aber kein einziger Kurgast.

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