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Mordprozess um zu Tode gequältes Kind : Verteidigung fordert Freispruch für Eltern von Siri

  • Aktualisiert am

Die Eltern der kleinen Siri auf der Anklagebank im Landgericht Limburg Bild: dpa

Im Prozess um den Tod der acht Monate alten Siri aus Wetzlar fordert die Anklage Lebenslänglich für die Eltern. Die Angeklagten bezeichnete der Staatsanwalt als Sadisten, die Siri wie in einem Gefangenenlager gefoltert hätten. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch.

          Im Mordprozess um den grausamen Tod der acht Monate alten Siri aus Wetzlar hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für die Eltern gefordert. Zudem beantragte die Anklagevertretung am Landgericht Limburg, die besondere Schwere der Schuld der Angeklagten festzustellen. Damit wäre für sie eine Entlassung aus dem Gefängnis nach 15 Jahren nicht möglich. Die Verteidigung plädiert dagegen auf Freispruch.

          Die 35 Jahre alte Kanadierin und ihr neun Jahre jüngerer Lebenspartner müssen sich seit Januar wegen Mordes und Misshandlung Schutzbefohlener vor Gericht verantworten. Das Paar ist angeklagt, seine kleine Tochter in der gemeinsamen Wohnung zu Tode gequält zu haben.

          Das Paar misshandelte und quälte sein Baby laut Staatsanwalt Frank Späth sechs Monate lang auf bestialische und grausame Weise, bis das kleine Mädchen schließlich im Mai 2008 starb. Späth zeigte während seines Plädoyers immer wieder Fotos von dem von Misshandlungen gezeichneten Kind. Die Fotos hatten Siris Eltern von ihrer Tochter gemacht.

          Seelische und körperliche Folterungen

          Die Angeklagten bezeichnete der Staatsanwalt als Sadisten, die ihr Kind durch grausames Tun wie in einem Gefangenenlager gefoltert hätten. So weckte das Paar einmal das schlafende Baby, warf es gegen die Wohnungsdecke und schlug es mit Spielzeugen. Siri seien Gott sei Dank sexuelle Misshandlungen erspart geblieben, sagte Späth.

          Siri heiße im Indischen „Tapferkeit“ und „Optimismus“, im Thailändischen bedeute es „Glück“ und in afrikanischen Sprachen heiße Siri „gutes Leben“. Tapfer habe das kleine Mädchen die seelischen und körperlichen Folterungen über sich ergehen lassen und manchmal danach sogar noch gelächelt, wie in Videofilmen zu sehen war. Glück und ein gutes Leben habe Siri nicht gehabt. Es sei viel mehr die Hölle auf Erden gewesen, sagte Späth.

          Der Verteidiger des Vaters begründete seine Forderung nach Freispruch mit dem Argument, es sei ungeklärt, wer dem Kind die tödlichen Verletzungen zugefügt habe. Für die Mutter räumte deren Verteidigerin ein, mit Video- und Fotoaufnahmen festgehalten zu haben, wie das Kind verletzt worden sei. Einen Mord habe ihre Mandantin nicht begangen.

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