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Missbrauchsskandal : Wolff weist Vorwürfe eines früheren Odenwaldschülers zurück

  • Aktualisiert am

„Ich habe sofort dafür gesorgt, dass der frühere Leiter der Odenwaldschule seinen Beratervertrag mit dem Kultusministerium verlor”: Karin Wolff Bild: ddp

Die frühere Ministerin Wolff (CDU) wehrt sich gegen den Vorwurf eines ehemaligen Schülers der Odenwaldschule, sie habe Missbrauchs-Hinweise ignoriert. Derweil hat der unter Missbrauchsverdacht stehende ehemalige Erzieher der Stiftsschule Amöneburg laut Bistum Fulda die Taten zugegeben.

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          Die frühere hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) wehrt sich gegen den Vorwurf eines ehemaligen Schülers der Odenwaldschule, sie habe 1999 Hinweise auf sexuellen Missbrauch an der Schule ignoriert. „Wir haben direkt gehandelt“, sagte Wolff in Wiesbaden. Ihrer Erinnerung nach habe sie einen Brief von dem Schüler erhalten. Der habe darin eindringlich darum gebeten, seinen Namen nicht zu nennen. Außerdem habe er angekündigt, sich noch einmal zu melden, das sei aber nicht geschehen.

          Der Schüler hatte dem Informationssender hr-Info gesagt, er habe zwischen 1999 und 2003 zwei Briefe an Wolff geschrieben mit konkreten Hinweisen auf sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule. Eine Reaktion habe er nie erhalten.

          Vorwürfe nicht nur gegen ehemaligen Schulleiter

          Die frühere Ministerin berichtete, als Reaktion auf den Brief und einen Medienbericht über Missbrauch an der Schule habe sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet; die habe dann erklärt, die Taten seien verjährt. Außerdem habe sie, Wolff, sofort dafür gesorgt, dass der frühere Leiter der Odenwaldschule seinen Beratervertrag mit dem Kultusministerium verlor. „Damit waren ja Fakten geschaffen worden“. Der Mann sei an Schulen nicht mehr erschienen.

          Darüber hinaus habe das Schulamt im Auftrag des Ministeriums zahlreiche Gespräche mit der privaten Internatsschule in Heppenheim geführt. Dabei sei es neben der Aufklärung auch um Prävention gegangen, was in einem Abschlussbericht festgehalten wurde. Damals habe es nach der Berichterstattung - anders als heute - keine weiteren Äußerungen von ehemaligen Schülern gegeben.

          An der Odenwaldschule in Heppenheim sind eine Reihe von Missbrauchsfälle bekanntgeworden. Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen den damaligen Leiter der Eliteschule, den Reformpädagogen Gerold Becker, aber auch gegen andere Lehrer.

          Derweil hat der unter Missbrauchsverdacht stehende ehemalige Erzieher der Stiftsschule Amöneburg im Kreis Marburg-Biedenkopf hat nach Angaben des Bistums Fulda die Vorwürfe zugegeben. Nach Gesprächen mit dem Mann und zwei Opfern solle nun die Staatsanwaltschaft Marburg eingeschaltet werden, sagte Bistumssprecher Christof Ohnesorge in Fulda. Der 1978 aus dem Dienst entlassene Pädagoge soll im Jahr 1976 zwei Schüler des damaligen Internats der Schule sexuell missbraucht haben.

          Anklage: Fall liegt lange zurück

          Unterdessen ging bei der Staatsanwaltschaft Marburg die Strafanzeige gegen einen Hanauer Priester ein, der in Wetter auffällig geworden sein soll. Einzelheiten zu dem Vorwurf wurden nicht bekannt. Die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang, sagt der Leiter der Behörde, Arndt Koeppen. Der Oberstaatsanwalt ließ lediglich durchblicken, dass der Fall „lange zurückliegt“. Nach Angaben des Bistums ist der Beschuldigte mittlerweile beurlaubt worden. In diesem Zusammenhang berichtete die „Frankfurter Rundschau“ am Freitag, dass in Hanau ein katholischer Würdenträger vor gut drei Wochen beurlaubt worden sei. Der Mann sei früher als Pater des Deutschen Ordens in Wetter tätig gewesen.

          Der Fall kam ins Rollen, nachdem bei der Staatsanwaltschaft Hanau eine anonyme Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs eingegangen war. Das Verfahren wurde an die Marburger Ermittler abgegeben, weil der Tatort in deren Zuständigkeitsbereich liegt. Die Staatsanwaltschaft will nun den Vorwurf prüfen und klären, ob der Fall möglicherweise bereits verjährt ist.

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